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Getriebesoftware mit Abgasproblem

Zulassungsstopp für Porsche Cayenne

Porsche Cayenne Getriebe Foto: Porsche

Eine im Abgastest auffällige Getriebesoftware führte bei Audi zum Rückruf von 24.000 Diesel der Baureihen A7 und A8 mit dem Dreiliter-V6-TDI der Abgasnorm EU5. Beim Porsche Cayenne bringt sie einen Rückruf und einen Zulassungsstopp.

28.07.2017 Andreas Of 10 Kommentare

Auch die VW-Tochter Porsche hat nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine illegale Abgas-Software in einem Dieselauto eingesetzt, berichtet der Spiegel. Für europaweit 21.500 Porsche Cayenne mit Dreiliter-TDI werde ein Pflichtrückruf angeordnet, sagte Dobrindt am Donnerstag (27.7.2017) in Berlin. Außerdem werde ein Zulassungsverbot für diese Geländewagen erlassen, sodass keine weiteren Exemplare auf die Straße kommen. Porsche nutzt zur Abgasreinigung im Dreiliter-TDI nur einen Partikelfilter und keine Harnstoffeinspritzung (SCR-Kat).

Diesel-Abgastechnik erklärtKann denn Diesel sauber sein?

Porsche verwende eine Getriebesoftware, die erkenne, dass das Fahrzeug auf einem Abgas-Prüfstand stehe und dann eine „Aufwärmstrategie“ fahre, die im realen Verkehr nicht aktiviert werde. Erkennt das Fahrzeug, dass er auf der Straße ist, wechselt es in ein anderes Schaltprogramm. Nach Mitteilung von Prorsche handelt es sich in Deutschland um rund 6.000 Fahrzeuge aus dem Bauzeitraum 2014 bis 2017. „Der Rückruf wird – nach Freigabe des vorgeschlagenen technischen Software-Updates durch das KBA – voraussichtlich im Herbst 2017 starten und baldmöglichst abgeschlossen werden“, heißt es bei Porsche. Die Besitzer der Fahrzeuge werden direkt von ihrem Porsche-Partner kontaktiert. Der kostenlose Werkstattbesuch wird rund eine Stunde in Anspruch nehmen. Porsche weist in seiner Mitteilung explizit darauf hin, dass das Unternehmen „selbst keine Diesel-Motoren entwickelt und produziert“.

Auch Audi manipuliert per Getriebe-Software

Im Juni musste bereits Audi in Europa 24.000 A7 und A8 V6 TDI zurückrufen. Der Grund war ein erhöhter Stickoxid-Ausstoß beim Diesel, verursacht durch die Getriebe-Software. Das habe Audi „im Rahmen einer proaktiven, umfassenden Überprüfung von Getriebesoftware in verschiedenen Modellvarianten“ festgestellt. Grund ist laut Audi, „dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird.“ Dadurch können sich die Emissionen verschlechtern. Die Software verursache NOx-Werte, die zum Teil um 20 bis 100 Prozent über dem Grenzwert der Euro-5-Abgasnorm liegen, nach der die Fahrzeuge eingestuft sind.

Rückruf für 24.000 Audi A7 und A8 TDI

Audi muss die betroffenen Autos zurückrufen. In den Werkstätten soll eine neue Software aufgespielt werden, was 30 Minuten dauert. Betroffen sind europaweit 24.000 A7 und A8 aus den Modelljahren 2010 bis 2013 mit V6- und V8-Diesel-Motoren. 14.000 der betroffenen Autos sind in Deutschland zugelassen.

Dobrindt: unzulässige Software bei Audi

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Donnerstag (1. Juni) in Berlin gesagt, Audi habe unzulässige Software zur vorübergehenden Reduzierung des Abgasausstoßes verwendet. Eine vom Kraftahrt Bundesamt und Volkswagen eingesetzte Untersuchungskommission habe festgestellt, dass bei Lenkwinkeln über 15 Grad die Stickoxidwerte im Abgas bis zu doppelt so hoch seien wie bei Geradeausfahrt. Weil während Prüfstandsfahrten auf der Rolle das Lenkrad nicht bewegt wird, habe das Bundesverkehrs-Ministerium „festgestellt, diese Funktion eine Prüfstandserkennung darstellt und damit eine unzulässige Abschalteinrichtung ist“, so Dobrindt weiter. Er habe VW-Chef Matthias Müller im Verkehrsministerium darüber informiert. Dieser habe sich überrascht gezeigt. Volkswagen muss nun bis 12. Juni eine Lösung präsentieren. Audi kündigte am Freitag, 2. Juni an: „Der bis Faktor 2 höhere NOx-Wert wird durch eine neue Getriebesoftware korrigiert.“

Audi bittet um Entschuldigung

Der Hersteller betont in einer Pressemitteilung: „Audi wird auch weiterhin vollumfänglich mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zusammenarbeiten und entschuldigt sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und setzt alles daran, die gefundenen Auffälligkeiten so schnell als möglich zu korrigieren“. Der Rückruf soll im Juli beginnen.

Razzia während Hauptversammlung

Der Abgasskandal führt bereits zu einer Razzia bei Audi im Zuge von Untersuchungen der Staatsanwaltschaft München – ausgerechnet während der Hauptversammlung im März. Wie das Handelsblatt berichtet, weitet die Staatsanwaltschaft in München ihre Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre wegen der Aussagen von Verkehrsminister Dobrindt aus. Erstmals sind nun auch in Europa verkaufte Fahrzeuge Gegenstand der Untersuchungen, während die Staatsanwaltschaft München II bisher wegen rund 80.000 Fahrzeugen ermittelt, die in den USA verkauft wurden. Dort hat sich Audi Anfang 2017 schuldig bekannt, mittels Abschalteinrichtungen den Abgasausstoß von Fahrzeugen mit 3,0-Liter-V6-TDI manipuliert zu haben.

Getriebe-Software von Audi zum zweiten Mal auffällig

Die Getriebe-Software bei Audi-Modellen mit dem Automatikgetriebe des Typs AL 551 war schon einmal in einem anderen Zusammenhang auffällig geworden. Eine US-Anwaltskanzlei hatte am 9. November 2016 eine erste Sammelklage im Namen von Autobesitzern wegen angeblicher Manipulation von Emissionswerten bei Benzinern mit 3,0-Liter-Motoren eingereicht. Betroffen seien die Modelle A6, A8, Q5 sowie wahrscheinlich auch Q7 und möglicherweise noch weitere Audi mit Automatikgetriebe.

Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet, dass Ingenieure der kalifornischen Umweltbehörde CARB die Manipulation im Sommer entdeckt hätten. Sie betrifft Audi-Modelle mit dem Automatikgetriebe AL 551, laut Bericht der Wochenzeitung wurde das Getriebe in mehrere 100.000 Fahrzeuge eingebaut – bis Mai 2016 inklusive Schummel-Software.

Ein Dreh am Lenkrad steigert den Verbrauch

Aufgeflogen ist die Manipulation, als während des Prüfstandslaufs eines Audi mit V6-Motor jemand am Lenkrad drehte: Die Messwerte seinen darauf hin dramatisch gestiegen, berichtet die Zeitung. Die Software starte zunächst in einem „Warm-up“ mit niedriger Schaltdrehzahl, spart so Kraftstoff und CO2. Sobald das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht wird – was auf dem Prüfstand normalerweise nicht vorkommt, im Straßenverkehr hingegen völlig normal ist – schaltet die Software um. Damit soll bei Messwerten des schädlichen Klimagases CO2 getrickst worden sein – auch bei Benzinern. Das würde bedeuten, dass der Skandal, bei dem es bislang um den Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid bei Dieselwagen ging, eine neue Dimension erhalten würde.

Der Betrug ist besonders heikel, weil sich Audi zur Zeit wegen des Abgasskandals in Verhandlungen mit der US-Justiz befindet. In Deutschland richtet sich außerdem die Kfz-Steuer nach dem CO2-Ausstoß, ebenso die NoVa in Österreich. Dem Kraftfahrt Bundesamt (KBA) hatte Audi noch vor einigen Monaten erzählt, gar keine Prüfstandserkennung zu verwenden.

„Zyklusoptimiertes Schaltprogramm“

Die „Bild am Sonntag“ zitiert aus dem Abschlussprotokoll einer Sommerfahrt in Südafrika, laut dem Axel Eiser, der damalige Leiter Antrieb fragt: „Wann wird es das zyklusoptimierte Schaltprogramm geben?“ Das „Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 % aktiv ist, beim Kunden aber nur in 0,01 %.“ Axel Eiser leite inzwischen die Aggregateentwicklung des Volkswagen-Konzerns, so die BamS weiter.

Neuester Kommentar

Nicht zu glauben - Porsche (ein VW-Produkt Spitzenprodukt mit Motor von AUDI) und ein Zulassungsverbot !!!
Warum nur Porsche SUV - alle neuen nicht zulassenen Fahrzeuge aller Hersteller die Ihre versprochenen Abgaswerte nicht erfüllen müßen mit Zulassungsverbot belegt werden, alle zugelassenen müßen nachgerüstet werden auf Kosten der Hersteller mit Entschädigung an alle seine Kunden - aber gleich und nach gleichem Muster ohne einen Unterschied der Religion, Hautfarbe oder des zugelassenen Staates des fehlerhaften Fahrzeugs.

Also sofort handeln und nicht sinnlosen unnötigen Pappalapap der Hersteller-Vorstände, die Fehler und Aufgaben sind doch klar !!! Oder ??? Wenn nicht, bei mir gerne nachfragen - ich werde es auch mehrmals wiederholen !!!

pöcho 1. August 2017, 08:23 Uhr
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