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Giugiaro Namir auf dem Autosalon Genf 2009

Hybrid-Sportwagen in Keilform

Giugiaro Namir Foto: Giugiaro 16 Bilder

Mehr als 350 km/h soll die keilförmige Giugiaro-Studie Namir schaffen - und so zum schnellsten Hybrid-Auto der Welt werden. Doch wichtiger ist: Im Stadtverkehr will sie mit zwei Liter Normalbenzin pro 100 Kilometer auskommen.

02.03.2009 Ralph Alex

Wie die Zukunft dieser Studie für den Genfer Autosalon aussieht? Selbst Fabrizio Giugiaro, ihr Macher, kann es nicht sagen. Aber über die Vergangenheit weiß er alles.

Showcar für Hybridsystem

Es geschah im September 2008, dass die Entwicklungsexperten der englischen Firma Frazer-Nash Research bei Italdesign in Moncalieri anklopften. Sinngemäß sagten sie: "Sir, wir haben ein neues Hybridsystem aus vier Elektromotoren plus einem Wankelmotor. Der Wankel treibt einen Generator an, welcher die Lithium-Ionen-Akkus während der Fahrt auflädt. Und jetzt suchen wir ein angemessenes Showcar für unsere Technik, auf dass die Welt ins Staunen gerate." Frazer-Nash probiert die Technik des seriellen Hybridantriebs, dessen Prinzip auch Chevrolet im GM-Hoffnungsträger Volt - allerdings mit nur einem Elektromotor - einsetzen wird, derzeit in vier Taxis aus. Die haben bereits über 21.000 Teststunden absolviert.

Wankelmotor aus Deutschland

Fabrizio Giugiaro, der gemeinsam mit Vater Giorgetto Giugiaro gerade die Studie Quaranta mit Hybridtechnik von Lexus zum 40-jährigen Firmenjubiläum entworfen hatte, verstand sich jedenfalls auf Anhieb mit den Briten. Und ihr Ziel, einen seriellen Hybrid vorzuzeigen, der in einem Sportwagen für Aufsehen sorgen soll, deckte sich mit seinem Vorsatz, auf dem Genfer Salon das Publikum zu verblüffen. Seriell heißt übrigens, dass der Verbrennungsmotor keinerlei mechanische Verbindung zur Antriebsachse hat. Er treibt lediglich einen elektrischen Generator an, der die Akkus lädt. Deshalb reicht dafür ein schwächeres Aggregat. "Beim Namir hat Frazer-Nash einen Wankelmotor mit nur 814 Kubikzentimeter Hubraum eingesetzt, der von einem kleinen deutschen Hersteller stammt und für diesen Einsatzzweck optimiert wurde", so Giugiaro.

397 PS und Allrad

Der Italiener ist froh, dass nicht einer der üblichen Vierzylinder genutzt wird, um die Reichweite des 1.500-Kilogramm-Autos zu verlängern: "Würde der zum Beispiel von Fiat stammen, dann hätten hinterher alle die Technik mit dem Namen Fiat in Verbindung gebracht. So ist das viel neutraler. Wir wollten einfach weit weg sein von dem, was die Autoindustrie macht." Das gilt auch für die Verbrauchswerte, die fantastisch klingen und hoffentlich nicht allzu fantasievoll sind. CO2-Emissionen von 50 Gramm pro Kilometer bedeuten: Zwei Liter Normalsprit saugt er pro 100 Kilometer aus dem 50 Liter fassenden Tank. Allerdings lediglich im reinen Stadtverkehr, wo der Wankel-Hybrid seine Vorteile voll ausspielen kann. "Wir wissen natürlich", sagen die Macher, "dass die Werte deutlich höher sind, wenn man die Leistung des Autos voll abruft." 397 PS immerhin bringen die vier Elektromotoren - jeweils einer pro Rad -, was also Allradantrieb bedeutet.

3,5 Sekunden von null auf 100 km/h

Die Kraftverteilung zwischen den einzelnen Rädern ist dabei völlig flexibel geregelt. Und: Der Namir kommt ohne Getriebe aus, weil die Elektromotoren ihre Kraft ja direkt an die Räder weiterreichen. Für den Spurt von null auf 100 km/h gibt die italienisch-englische Truppe 3,5 Sekunden an. Von null auf Tempo 200 sollen keine elf Sekunden verstreichen.

Bremsenergie wird genutzt

Auch beim Gegenteil von Beschleunigung, dem Bremsen, passieren lobenswerte Dinge: Wie zu erwarten wird die Bremsenergie genutzt, um die Akkus aufzuladen. Die Lithium-Polymer-Akkus im Namir, deren Hersteller noch nicht bekannt gegeben wird, wiegen rund 150 Kilogramm und liegen wie der Wankelmotor samt Generator nahe am Fahrzeugboden. "Der Schwerpunkt unseres Autos ist sehr tief, die Gewichtsverteilung zwischen vorne und hinten etwa 50:50", betont Fabrizio Giugiaro die Vorteile der Anordnung. Und das spezielle Know-how der Experten von Frazer-Nash: "Die Leistung jeder Batteriezelle wird einzeln gemanagt, die besondere Software dafür ist das große Geheimnis."

Quaranta-Chassis mit Änderungen

Und was ist mit dem Design, für das Giugiaros Firma Italdesign noch immer berühmt ist, obwohl die meisten der 1.000 Mitarbeiter in der Entwicklung kompletter Fahrzeuge bis zur Produktionsreife arbeiten? "Das ist ein extremes Auto", gibt Fabrizio zu. "Da muss man sehr auf die Aerodynamik achten. Anfangs hatten wir nur 300 km/h im Sinn, aber der Simulator hat uns gezeigt, dass 360 km/h machbar sind." Für die Statistiker: Der cw-Wert des Namir beläuft sich auf 0,32.

Um hinten mit einem kleinen Spoiler auszukommen, setzen die Aerodynamiker extrem auf die Abtriebskräfte, die mit dem - mangels Getriebe - glatten Unterboden machbar sind, wenn man die Luft perfekt unter dem Auto von vorne nach hinten durchströmen lässt. Unter dem Kofferraum entlang, der 400 Liter Volumen hat, also Platz für zwei große Koffer und eine Golftasche bietet. Im Prinzip hat die Giugiaro-Truppe das Chassis des Quaranta benutzt, aber das Styling deutlich verändert.

Technik, die lächelt

"Wir wollten etwas Scharfes, Exotisches machen", klärt Fabrizio die Frage, warum diesmal große Flügeltüren zum Einsatz kommen, die weit nach oben wegschwenken. "Der Namir ist mit seiner zukunftsweisenden Technik eine Revolution. Das muss man sehen." Das gilt auch für den Innenraum des Zweisitzers mit den leicht und futuristisch wirkenden Sitzen und dem sehr reduzierten Cockpit. Auf drei Touchscreen- Monitoren wird alles eingespiegelt, was der Fahrer wissen muss, selbstverständlich auch der Ladezustand der Batterien. "Wir mögen keine kalte Technik in unseren Autos", wird Fabrizio Giugiaro ein bisschen philosophisch. "Unsere Technik lächelt."

Audi in Genf: A4 Allroad Quattro, TT RS
VW in Genf: Polo, Polo BlueMotion Concept
Mercedes in Genf: E-Klasse Coupé
BMW in Genf: 5er GT, BMW Z4
Skoda in Genf: Yeti, Octavia GreenLine, Fabia Combi Scout
Ford in Genf: Ranger, Focus RS, Econetic-Modelle
Alfa in Genf: Mito GTA, 159
Toyota in Genf: Verso, Prius II
Renault in Genf: Clio, Megane, Scenic, Kangoo Be-Bob
Opel in Genf: Ampera


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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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