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Glanz-Leistung

Aufbereitung eines Youngtimers

Foto: 17 Bilder

Die lange Standzeit hatte dem Mercedes 250 arg zugesetzt – matter Lack, verschmierte Scheiben und schmutzig-rote Polster. Vor allem der Lack war so fertig, dass die Alternative lautete: Neulackierung oder Swizöl-Kur.

13.01.2007 Alf Cremers Powered by

Der Grauschleier blieb. Nur kurzen, matten Glanz brachte die handelsübliche Reinigungspolitur – irgendwann, letzten Herbst. Nach ein paar Regentagen im Freien war das bisschen Finish schon wieder verblüht.

Der weiße Mercedes 250, vor einem Jahr preiswert erworben, danach gründlich durchrepariert und letztlich vom TÜV-Segen gekrönt, ließ optisch viele Wünsche offen. Die lange Standzeit von fast zwei Jahren, erst bei einem Berliner-, dann bei einem Münchener Gebrauchtwagenhändler, hatte ihm arg zugesetzt. Ein schmieriger Belag hauste in allen Karosserieritzen, grüne Moosreste bedeckten die Dichtgummis der Scheiben und Außenspiegel in verborgenen Winkeln.

Das Instrumentenbrett hatte jeglichen Glanz verloren, und nach dem Abstreifen der Lammfellbezüge kamen leider keine neuwertigen Vordersitze zum Vorschein, sondern unappetitliche Flecken. Das Schlimmste aber war der Lack – erotischer Schlüsselreiz eines jeden Automobils. Beim 250er törnte er ab – grau, matt und von rauer Oberfläche wie Sandpapier. Kurzum: Classicweiß sah aus wie Liasgrau. Dabei kostet eine pragmatische Neulackierung satte 1500 Euro. Indiskutabel, stattdessen wird der fällige Frühjahrsputz am Mercedes zur professionellen Aufbereitung vom Feinsten. Swizöl, High Performance Car Care, so lautet der Slogan der edlen Pflegeserie.

Sie kommt aus der Schweiz und wird von der Manufaktur Anwander & Co. hergestellt. Was Shiseido für die anspruchsvolle Frau ab vierzig bedeutet, ist Swizöl für den reiferen Wagen. In den Genuss dieser wohl riechenden, fein verpackten Essenzen und Tinkturen kommt sonst nur hochkarätiger Auto-Adel. Im Falle des 250 also Perlen vor die Säue? Keineswegs: Swizöl ist zwar teuer, aber gründlich – und hat eine enorme Langzeitwirkung. Nach der Rosskur fällt es nicht schwer, mit gelegentlichem Wachsen den Status Quo zu halten.

Ärmel aufkrempeln

Bevor er die Ärmel seines weißen Swizöl-Kittels aufkrempelt, schaut sich Profi-Aufbereiter Roberto Mercuri den zuvor von Hand mit sanftem Auto Bath gewaschenen Patienten unter gnadenlos hellen Lampen genauer an. Bereit, eine erste Diagnose zu stellen, sieht er, fühlt er und spricht schließlich von einer wahrhaften Herausforderung: „Der Lack ist stark oxydiert, jede Menge alter Farbsprühnebel aus Lackpartikeln und Unterbodenschutz. Stellenweise hat er porentiefe Verschmutzungen von Baumharz, Insekten und Vogelkot. Zwei Tage brauche ich, um den wieder hinzukriegen“, so seine Prognose. Dabei ist keine aggressive Chemie in Form von Lösungsmitteln im Spiel. Konzentriert wie ein Operateur schiebt Mercuri den Putzwagen mit der großen Master-Tasche (Kaufpreis 490 Euro mit Saphir Wachs) dicht an den Pflegefall und greift beherzt ins edle Swizöl-Besteck.

Zuerst macht der autoverrückte Kraftfahrzeug-Meister seltsame Fingerübungen mit einer gelben Knetmasse, die er vorher kurz in warmes Wasser getaucht hat. Dann sprüht er eine kleine Fläche auf der Motorhaube mit Swizöl Quick Finish, einem Schmutz lösenden Reinigungsmittel, ein. Auf der benetzten Lackfläche setzt Roberto kraftvoll den Paint Rubber auf und schiebt ihn mit leichtem Druck hin und her. Die mineralische Knetmasse trägt die verwitterte Oberfläche mechanisch, aber auf schonende Weise ab.

Bevor neue Flächen in Angriff genommen werden, sollte sie immer mal wieder kräftig durchgeknetet werden. Der Mercedes ist kein Kleinwagen, eher ein weißer Riese – schnell kommen drei, vier Quadratmeter Lack zusammen. So dauert es eine Weile, bis Roberto alle großflächigen Blechpartien abradiert hat. Doch bereits nach dieser Schweiß treibenden Aktion stellt sich beim Nachpolieren mit dem Baumwolltuch ein schüchterner Glanz ein.

Bei dem verwittertem Lack lohnt es sich, das volle Swizöl-Programm zu fahren. Das bedeutet in Kurzform, nicht weniger als drei Cleaner Fluid-Sorten mit dem Applikator – einem Baumwoll-Pad – aufzutragen und zwischendurch immer wieder mit dem Frotteetuch zu polieren sowie den Lack zum Schluss mit dem Intensiv-Wachs der Sorte Saphir zu versiegeln. „Gerade Weiß ist ein schwieriger Farbton“, erklärt Roberto den hohen Aufwand, „ immer wieder treten graue Schlieren auf, wenn man nicht gleichmäßig aufdrückt.

Starke Eigenreflektion

Und wegen der starken Eigenreflektion wird nie ein solcher Tiefenglanz erreicht wie bei dunklen Uni- oder gar Metallicfarben.“ Roberto schwört beim Einsatz von Swizöl-Produkten in der Regel auf reine Handarbeit, greift beim Härtefall 250 jedoch zur Poliermaschine, um Zeit zu sparen und so den Kostenaufwand in Grenzen zu halten.

Doch das sinnliche Erlebnis beim Umgang mit den Swizöl-Reformhaus-Produkten stellt sich nur bei hingebungsvoller Handarbeit ein. Swizöl Cleaner Fluid Strong löst in der zweiten Stufe der Lackaufbereitung den Radiergummi ab. Auf kleinen Flächen von maximal einem Quadratmeter sollte man es gleichmäßig mit Pad oder Poliertuch verreiben.

Die beigemischten Micro-Granulate schleifen sich dabei gegenseitig ab, die Politur wird dadurch immer feiner. Porentiefe Verfärbungen werden dabei auspoliert, selbst größere Kratzer verschwinden bei diesem Arbeitsgang, wenn sie nicht tief sind. Nur stark verwitterte Lacke sollten mit Cleaner Fluid Strong behandelt werden, sonst genügt Cleaner Fluid Medium, das sich bei unserem classicweißen Benz als ideales Mittel zur Nachpolitur empfiehlt.

Microfeine Schleifkörper lassen eine perfekte Oberfläche zur Aufnahme des normalen Cleaner Fluids entstehen, das keine Schleifmittel mehr enthält, sondern eine Lack pflegende Nährlösung mit schweren, polierenden Ölen ist.

Vielschichtig wie eine Nitro-Lackierung

Eine Swizöl-Lackaufbereitung ist beinahe so aufwändig und vielschichtig wie eine Nitro-Lackierung. Den krönenden Abschluss bildet das Auftragen von wohl riechendem Saphir Wachs per Baumwoll-Applikator aus dem Tiegel. Das Saphir Wachs hat sehr gute Allround-Qualitäten und bietet gerade für lange vernachlässigte Lacke eine dauerhafte und intensive Versiegelung.

Es enthält 40 Prozent reines Carnauba-Wachs und ist mit Kokosnuss- und Avocado-Extrakten angereichert. Der Mercedes ist nach der intensiven Swizöl-Kur jedenfalls nicht wiederzuerkennen. Der Grauschleier wich einem strahlenden Weiß, das sofort an Waschmittelwerbung denken lässt: Weißer geht’s nicht! Doch strahlender Lack allein macht noch kein gepflegtes Auto.

Wichtig für den Gesamteindruck sind vor allem glänzende Chromteile, glasklare Scheiben, ein klinisch reines Cockpit und tief schwarze Pneus. Der Swizöl-Master-Koffer enthält für jeden Zweck ein Mittel.

Nach der Behandlung mit Metal Polish glänzt die markentypische Kühlerattrappe wie neu, ohne matte Stellen. Sogar das Blau des Benz-Lorbeerkranzes unter dem Stern hat an Intensität gewonnen. Die Scheiben verlangten nach einer intensiven Reinigung mit Swizöl Crystal.

Ungetrübtes Vergnügen

Und der Blick in den Innenspiegel ist ein ungetrübtes Vergnügen, weil die korrodierten Heizdrähte wieder dünne feine Striche sind. Cockpit- Spray verwandelt die Instrumenbretter oft in speckig glänzende Kunststoff- Landschaften. Swizöl Protecton belässt es bei einem natürlichen Seidenmatt, das die Narbung wieder hervorhebt. Beim 250er gelang dies jedoch erst nach einer kräftigen Spülung mit Plastic Wash, das die eingefressenen Ablagerungen löste.

Die hennaroten Polster trugen bis auf den fleckigen Beifahrersitz nur einen oberflächlichen Schmutzschleier. Swizöl Fabric – mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser verdünnt und großflächig aufgesprüht – gab dem Rot auch auf dem Schlingen-Teppichboden seine erfrischende Intensität zurück. Bei der Rücksitzlehne war es jedoch machtlos,denn die Sonne hatte sie ausgeblichen.

Eine herkömmliche gründliche Wäsche hat den Sechszylinder nach dem Kauf erst wieder wie einen Motor aussehen lassen. Trotzdem wurde mit Swizöl Engine eine größere Tiefenreinigung erzielt. Motor Shine übernahm anschließend die Versiegelung, ohne den künstlichen Zuckerguss anderer Motorkonservierer zu zeigen.

Am Ende eines langen Tages nahm Roberto sich die Reifen vor – fein zelebrierter Schlussakt mit Swizöl Pneu. Die Fulda Y 2000 sind noch ziemlich neu und überhaupt nicht porös. Das Mittel nahmen sie perfekt an, in ihrem natürlichen Seidenmatt wirken sie jetzt wie neue Reifen. Fazit: 500 Euro Investition, die sich auch für andere vernachlässigte Youngtimer lohnen, wenn Technik und Substanz stimmen.

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