Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Glock

"Das zieht dir den Saft aus den Batterien"

Foto: Toyota F1

Mit zwei Punkteplätzen in Folge ist Timo Glock endlich in der Formel 1 angekommen. Mit auto motor und sport sprach der Wiesbadener über seinen sensationellen zweiten Platz von Budapest, seine erste Saison mit Toyota und das Problem, die Geheimnisse der Formel 1 zu durchschauen.

27.08.2008 Michael Schmidt Powered by

Ihr erster Gedanke nach dem zweiten Platz von Budapest?
Glock: Es war die perfekte Antwort auf meinen Crash von Hockenheim.

Gab es da etwas richtigzustellen?
Glock: Ich habe gezeigt, was ich kann, wenn das Auto so ist, wie ich es haben will. In Ungarn war ich von der ersten Runde am Freitag an zufrieden. Ich habe meinem Ingenieur gesagt: Rühr das Auto nicht mehr an. Unser einziges Problem war das Fahrverhalten auf der weichen Reifenmischung. Da fehlte das Gefühl. Deshalb haben wir uns die Reifen auch für den Schluss des Rennens aufgehoben.

Wie fällt Ihre Bilanz der ersten Saisonhälfte auf einer Skala von 1 bis 10 aus?
Glock: Bis vor dem Grand Prix von Ungarn hätte ich gesagt: zwischen 4 und 5. Es war durchwachsen. Ich war mit meinem Qualifikationsspeed in Melbourne, Sepang und Istanbul zufrieden. Gut waren das Rennen in Bahrain bis zu dem Kupplungsproblem, der vierte Platz von Montreal, wo ich unter schwierigsten Bedingungen keine Fehler gemacht habe, und das Rennen Hockenheim bis zum Unfall. Auf der negativen Seite steht, dass sich zwei, drei Mal meine Unerfahrenheit bei der Abstimmung des Autos gezeigt hat, zum Beispiel in Barcelona oder in Magny-Cours, wo das Potenzial des Autos gut war, ich mich aber total in die falsche Richtung verrannt habe. Die Unfallserie von Monte Carlo geht auf meine Kappe. Da war ich einfach zu ungestüm.

Sind Sie im Plan?
Glock: Ich hatte mir für die erste Saison 20 Punkte vorgenommen. Jetzt habe ich 15. Wenn ich alle Punkte geholt hätte, die im Bereich des Möglichen lagen, hätte ich die 20 Zähler schon auf dem Konto. Von einem Podestplatz im ersten Jahr habe ich nicht mal geträumt.

Was hat Sie in Ihrer ersten Formel 1-Saison überrascht?
Glock: Das Zeitmanagement an einem GP-Wochenende ist extrem schwierig. Das habe ich unterschätzt. Du hast kaum richtig Zeit, dich mit deinem Ingenieur zu besprechen, weil du von Termin zu Termin hetzen musst. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass man eine Geschichte immer und immer wieder erzählen muss. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich nach meinem Unfall in Hockenheim erklären musste, dass es mir gut geht. Das zieht dir schon den Saft aus den Batterien.

Wäre der Einstieg in die Formel 1 in einem kleinen Privatteam einfacher?
Glock: Das würde ich nicht sagen. Vielleicht hätte man etwas mehr Freiraum, aber dafür ist es schwieriger, in einem Force India zu zeigen, was man kann. Druck hast du überall.

Wie lebt man mit Lob und Kritik?
Glock: Der Spagat zwischen Lob und Kritik ist extrem groß. Wenn du ein gutes Rennen hast, bist du der Größte, und wenn es nicht so läuft, kommt gleich wieder die Trulli-Frage.

Die Leute wollen wissen, warum ihr Teamkollege schneller war.
Glock: Genau. Das ist aber oft nicht so einfach zu erklären, weil die Formel 1 so kompliziert geworden ist. Nur wenige machen sich leider die Mühe, hinter die Kulissen zu schauen.

Pech für Sie, dass Trulli immer noch unterschätzt wird.
Glock: Völlig zu Unrecht. Der Mann hat den Grand Prix von Monaco gewonnen und Fernando Alonso geschlagen. Jarno hat eine unglaubliche Erfahrung. Die zeigt sich vor allem, wenn das Auto mal langsam ist. Er wird da nicht nervös, sondern analysiert ganz cool die Gründe. Als Neuling denkt man da oft noch zuviel darüber nach.

Gibt es überhaupt Vergleichswerte mit ihm, da er so einen eigenwilligen Fahrstil hat?
Glock: Bis zu einem gewissen Punkt ist ein Vergleich möglich. Wenn ich dann nicht weiterkomme, muss ich einen anderen Weg gehen als er. So langsam aber bekomme ich das in Griff. In Hockenheim hatte ich das Auto zum Teil schon so, wie ich es für meinen Fahrstil brauche. In Budapest hat es von der ersten Trainingsrunde an gepasst.

Wie ist Ihre Zusammenarbeit mit Trulli?
Glock:Beim Gespräch mit den Ingenieuren liegt alles offen auf dem Tisch. Seine letzten Tricks verrät er mir natürlich nicht.

Wo steht Toyota?
Glock: Wir sind auf einem guten Weg, die Nummer vier hinter Ferrari, McLaren und BMW zu werden. Ein klares Bild ist auch für mich schwer zu erkennen. Sicher ist auf jeden Fall, dass wir immer dann stark sind, wenn es heiß ist. Unser Auto geht gut mit den Reifen um. Dann tun wir uns auch leichter, die Reifen auf Temperatur zu bringen.

Wie hart wird in der Formel 1 gefahren im Vergleich zur GP2 oder ChampCar-Serie?
Glock: Die ersten ein, zwei Runden geht es brutal zu. Die Jungs wissen, dass das meistens die einzige Chance ist, Positionen gutzumachen. Wenn sich das Feld sortiert hat, wartest du nur noch ab. Überholen geht eigentlich nur, wenn einer vor dir einen Fehler macht.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige