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GM-Entwicklungschef Lutz

Flaggschiff auf Eis gelegt

Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht General Motors-Entwicklungschef Bob Lutz darüber, warum es so schnell kein Opel-Flaggschiff oberhalb des Insignia geben wird, wie viele Elektroautos der Konzern kommende Dekade verkaufen will und warum Hummer zum Verkauf steht.

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GM-Entwicklungschef Lutz
Foto: dpa

Herr Lutz, haben Sie schon einmal eine Krise des US-Markts erlebt wie die derzeitige?
Lutz: Nein, so etwas habe ich in der Tat in meiner Karriere noch nie erlebt. Der steigende Ölpreis macht hier ein langfristiges Umdenken notwendig - und eine Umstellung unseres Produktportfolios.

Wird GM die Krise im Heimatmarkt überleben?
Lutz: Wir werden nicht nur überleben, sondern erstarkt und wettbewerbsfähiger denn je aus dieser Situation hervorgehen.

Kommen wir zu Opel: Welche Erwartung haben Sie an den neuen Insignia?
Lutz: Der Insignia hat für GM eine globale Bedeutung, denn er ist der erste Vertreter auf der ersten wirklich globalen Komponentenarchitektur. Diese "Global Midsize Architecture" wurde im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim entwickelt. Und produzieren werden wir Varianten verschiedener GM-Marken nicht nur im Opel-Stammwerk, sondern auch in China, Korea, den USA und Russland. Wir entwickeln nur noch globale Fahrzeugarchitekturen, die wir regional auf spezielle Bedürfnisse anpassen.

Wann bringen Sie ein Opel-Flaggschiff oberhalb des Insignia?
Lutz: Ein Opel-Flaggschiff hat zurzeit absolut kein Priorität. Das macht aus Image-, Kosten- und CO2-Gründen derzeit keinen Sinn. Bislang war übrigens jeder Vorstoß von Opel in die Oberklasse wenig erfolgreich. Selbst historisch gesehen. Der Diplomat und der Senator etwa waren wunderschöne, technisch exzellente Autos mit tollen Motoren, aber finanzielle Fehlentwicklungen. Als Volumenhersteller ist die Luft in diesem Segment ziemlich dünn, zumal die deutschen Premiumhersteller in Europa hier ihre Dominanz voll ausspielen.

Glauben Sie nicht, dass ein solches Flaggschiff aus Image-Gründen wichtig wäre?
Lutz: Für alle Image-Ansprüche haben wir unsere Premiummarken Cadillac und Saab.

Können Sie es sich aus Marketing-Gründen leisten, ein Elektroauto in Europa kommende Dekade zuerst unter der Marke Chevrolet einzuführen, statt als Opel?
Lutz: Der Chevy Volt ist das Konzept, das wir von den USA in die ganze Welt ausrollen wollen - als Rechts- und Linkslenker. Aber nirgends steht geschrieben, dass Opel nicht auch zeitnah einen eigenen Ableger auf den Markt bringen wird.

Welche Volumenziele haben Sie für Ihr globales Elektro-Modell?
Lutz: Im ersten Jahr werden es sicher nicht viel mehr als 10.000 Einheiten, 2012 dann 60.000 und bis 2015, 2020 könnten es weltweit eine Million pro Jahr werden oder mehr.

Kommen wir von Elektroautos zu SUV: Warum will GM Ihre einstige Lieblingsmarke Hummer plötzlich verkaufen?
Lutz: Die Marke ist der Buhmann der ganzen amerikanischen Öko-Aktivisten-Bewegung. Die Grünen sehen in Hummer die Wurzel allen Bösens, den Stahl gewordenen Antichristen, den Teufel. Sie verherrlichen gleichzeitig den Toyota Prius als Messias und Heilsbringer. Ganz nüchtern betrachtet, erscheint uns auch wirtschaftlich ein Verkauf der Marke momentan als gute Option, denn wir bräuchten rund 200.000 Einheiten im Jahr, um das Geschäft profitabel zu gestalten. 2007 haben wir aber nur 66.300 Einheiten gepackt - und dieses Jahr sind die Verkäufe wie generell im SUV-Bereich weiter eingebrochen. Obwohl das Design und die Markenstärke einzigartig sind.

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Schlagworte

GM · Bob Lutz · Interview · Hummer


Mehr über:
Opel | Hummer | Saab | Cadillac | Chevrolet

Autor: Harald Hamprecht
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