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GM Europe-Chef Carl-Peter Forster

"Bin optimistischer als die meisten Auguren"

Carl-Peter Forster Foto: Opel 144 Bilder

GM Europe-Chef Carl-Peter Forster spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über den neuen Astra und Ampera sowie über notwendige Streichungen im Modellportfolio.

25.09.2009

Alle Pläne, die Marke Wartburg wiederzubeleben, hat Forster beerdigt. Dafür hat er aber klare Vorstellungen für ein neues, sportliches Opel-Einstiegsmodell im Smart-Segment mit 2+2-Sitzen, das sogar einen Elektromotor bekommen könnte.

Herr Forster, auf der IAA zeigen Sie den neuen Astra . Wie positionieren Sie diesen nächsten Hoffnungsträger?
Forster: Ich sehe hier vier Punkte: Erstens das Erscheinungsbild, das sich vom Wettbewerb klar abhebt. Wir setzen hier zum Wettbewerb einen emotionaleren, sportlicheren Kontrapunkt – gerade in Blick nach Wolfsburg. Der Wagen hat viel Platz im Innenraum, ohne nach außen zu groß zu wirken. Und der sportliche Eindruck manifestiert sich auch beim Fahren, ohne komfortorientierte Kunden zu vergraulen. Punkt Zwei: Der Astra wird ein weiteres Beispiel dafür, wie wir Technik demokratisieren – und viele Ausstattungs-Optionen schon in der Kompaktklasse anbieten, die eigentlich nur in der Mittelklasse üblich sind. Und die Sicherheitstechnik liegt ebenfalls auf dem Top-Niveau eines hochpreisigen Mittelklasse-Autos.
 
Was sind die übrigen beiden Punkte?

Forster: Der Preis. Wir halten es für wichtig, dass wir unseren günstigen Einstiegspreis halten. Opel muss erreichbar bleiben. Gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Deswegen kostet der neue Astra 15.900 Euro.
 
Während der alte bei 16.600 Euro startete. Was ist der vierte Punkt, der den Astra auszeichnen soll?
Forster: Der neue Astra ist ein besonders umweltfreundliches Auto. Wir werden zwar nicht ganz mit dem besten CO2-Wert im Segment glänzen, denn wir halten es für zielführender, nicht nur auf ein Modell zu setzen, sondern in der Flotte den besten Wert zu haben. In der Summe wird der Astra-Schnitt dann sehr günstig liegen – und auch ganz vorne im Segment.
 
Wo liegen Sie denn heute über alle Baureihen hinweg?
Forster: Über alle Baureihen hinweg liegen wir um 149 g pro Kilometer. Bis 2012 werden wir die von der EU geforderten 130 g im Flottenverbrauch auf jeden Fall erreichen. Hier sind wir auf einem guten Weg. Der Astra wird dabei einen positiven Beitrag leisten, denn er wird auch in der neuen Generation rund ein Drittel unseres gesamten Absatzes ausmachen.
 
Wie viele Einheiten pro Jahr wollen Sie vom Astra absetzen?
Forster: Wir wollen näher an den Segmentführer heranrücken. Wie viele Einheiten es am Ende werden, hängt von der Marktentwicklung in Europa ab. Wir haben dabei übrigens den Vorteil einer gleichmäßigen Verteilung; wir sind nicht so abhängig von unserem Heimatmarkt, wo manche Wettbewerber 20 bis 30 Prozent erzielen.
 
Welche Marktgröße erwarten Sie für Deutschland?
Forster: Dieses Jahr sehe ich in Deutschland einen Markt von 3,8 bis 3,9 Millionen Neuzulassungen, kommendes Jahr zwischen 2,8 und drei Millionen. Ich bin da etwas optimistischer als die meisten Auguren.
 
Was bringt der Astra Ihnen in Sachen Profitabilität?
Forster: Wir erhoffen uns einen deutlich gesteigerten Umsatz- und damit auch Margen-Anstieg beim Astra. Beim Insignia lag der Umsatzanstieg bei zirka 15 Prozent – im Vergleich zu seinem Vorgänger. Ein sehr guter Wert, denn man muss sein Auto und die Optionen so attraktiv machen, dass der Kunde mehr Geld fürs Auto ausgeben will. Und hier ist unser Wettbewerb nicht nur andere Autobauer – sondern auch die Anschaffung von Gütern wie Möbel, Flachbild-TVs oder auch Urlaubsreisen. Deswegen sind wir besonders stolz, wie viele unserer Fahrzeuge auf individuellen Kundenwunsch – also mit zusätzlichen Ausstattungsoptionen – vom Band gelaufen sind.
 
Haben Sie hier Zahlen?
Forster: 70 Prozent beim Insigina, 50 bis 60 Prozent beim Rest unseres Portfolios. Deswegen weise ich intern immer wieder daraufhin. Der Kunde muss absolut begeistert sein, wenn er unsere Autos zum ersten Mal sieht. Abgesehen von den gesteigerten Umsätzen werden wir beim Astra auch davon profitieren, dass diese Generation erstmals auf einer globalen GM-Komponentenarchitektur basiert; das bringt sehr ordentliche Skaleneffekte. In der Fertigung konnten wir einen deutlichen Produktivitätssprung erzielen. Und die künftige Qualität erachten wir schon jetzt als so hoch wie nie zuvor, so dass wir die zu erwarteten Garantieleistungen in der Kalkulation des Fahrzeugs so niedrig eingepreist haben wie nie zuvor.

Die bereits eingefahrenen Umsatzsteigerungen bei Ihrem Flaggschiff müssten sich doch positiv auf Ihre Bilanz niederschlagen?
Forster: Natürlich hilft uns das in einem so schwierigen Jahr. Zumal wir mehr Insigina verkaufen als vorgesehen. Bisher können wir in Europa 135.000 Auslieferungen verbuchen, Ende September werden es 142.000 sein. Unser Ziel waren 140.000 für 2009. Bis Jahresende werden wir auf rund 160.000 Einheiten kommen. Das ist ein fantastischer Erfolg für unser Flaggschiff. Der Wagen kommt gut an. Übrigens haben wir – ganz ohne Werbung – schon 1.000 Einheiten des besonders sportlichen OPC mit seinen 325 PS verkauft.
 
Zurück zum neuen Astra: Welche Varianten planen Sie hier?
Forster: Der Drei- und Fünftürer, der Kombi, die viertürige Stufenhecklimousine, die MPV-Variante mit dem bekannten Namen Zafira – und ob es weitere Varianten gibt, würde ich gerne offen lassen.
 
Was ist mit den Plänen, die Marke Wartburg wiederzubeleben?
Forster: Wir haben andere Ideen für einen kleinen Opel unterhalb des Corsa.
 
Statt des Agila – Ihrem Gemeinschaftsobjekt mit Suzuki ?
Forster: Nein, das muss nicht sein, wahrscheinlich eher zusätzlich. Der Agila ist ein kleiner MPV. Wir wollen unsere Shareholder gerne von unseren Wünschen überzeugen, dass ein City-Car unterhalb des Corsa, ein neues pfiffiges Einstiegsmodell, eine gute Investition wäre. Sprich ein sportlicher, coupéhafter Kleinwagen mit zwei plus zwei Sitzen und viel Platz, wo Sie hinten sich nicht die Beine abschrauben müssen und problemlos Kindersitze einbauen können.
 
Zu Economy-Preisen? Und gegen welche Wettbewerber positioniert?
Forster: Der Einstiegspreis muss schon etwas teurer sein als 8.000 Euro. Wir greifen teilweise auch auf vorhandene Technik zurück, um den Preis niedrig zu halten. Von der Breite her könnte er dem Toyota IQ ähneln. Andere Wettbewerber sind der Citroen C1, Fiat 500, der Smart ... In diesem Umfeld müssen wir uns auch tummeln.
 
Stellen Sie dieses Einstiegsmodell auf die Plattform des Chevy Matiz?
Forster: Lassen Sie sich überraschen, wir glauben eine pfiffige Lösung zu haben, eine andere Opel/ GM-interne Lösung.
 
Wann dürfen wir mit dem Marktstart rechnen?
Forster: Zwei Jahre brauchen wir mindestens. Wahrscheinlich eher zweieinhalb.
 
Und das Volumen wird dann bei rund 200.000 Einheiten im Jahr liegen, damit es sich rechnet?
Forster: Nein, das kann ruhig kleiner sein. Denn dank der Basis, die schon existiert, kommen Sie mit deutlich weniger Volumen für die Marke Opel auf einen profitablen Business-Case.
 
VW plant für den Up eventuell auch einen Elektroantrieb. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Forster: Ja, wir denken auch an eine Elektro-Variante. In diesem Segment macht das Sinn.
 
Hätten Sie dafür schon einen Partner?
Forster: Magna hat hier schon vorgearbeitet und eine Elektroauto-Plattform verfügbar. Hier könnte es Synergiepotenzial geben.

Aber das Auto von Magna ist doch eher ein Kompaktmodell?
Forster: Wir müssen nicht die gesamte Bodengruppe nehmen. Davon haben wir selbst genug. Aber die Komponenten sind interessant, wie Batterien, der Elektromotor und die elektrische Steuerung.

Damit hätten Sie das zweite Elektromodell auf dem Markt – neben dem Ableger des Chevrolet Volt.
Forster: Der Opel Ampera kommt 2011 auf den Markt. Wir liegen bei der Entwicklung voll im Plan.
 
Medienberichten zufolge hat sich GM aber bei den Kosten verkalkuliert.
Forster: Nein, nach den letzten Zahlen, die ich gesehen habe, sind wir auch bei den Kosten weiter im Plan. Der Wagen ist extrem knapp zu kalkulieren und wird am Anfang wenig Geld abwerfen. Wir wollen unter einem Preis von 40.000 Euro bleiben. Das ist für einen Kompaktwagen eine Menge Geld. Aber das werden Elektroautos am Anfang kosten, wenn sie etwas taugen. Billigere Lösungen wird es nur geben, wenn sie notdürftig zusammen geschustert sind und eine schlechte Reichweite bieten. Wir machen es richtig, das wird zwar etwas teurer, aber wir bieten ein voll alltagstaugliches und zukunftsweisendes Elektroauto, mit einem Range Extender, vier vollwertigen Sitzplätzen und einem Kofferraum im Astra-Format.
 
Wie viele Einheiten werden in Westeuropa möglich sein? Oder ist das wieder nur ein Marketing-Gag?
Forster: Das ist kein Marketing-Gag. Einige zehntausend Einheiten pro Jahr müssen wir bringen. Je mehr Volumen wir machen, desto billiger werden die teuren Komponenten und desto schneller können wir dann unsere Kosten senken.
 
Trotzdem müssen Sie auch im Modellportfolio Streichungen vornehmen. Werden alle drei Cabrios beerdigt?
Forster: Das ist noch nicht klar. Wir wollen ein Cabrio im Angebot behalten. Das müssen wir mit dem Investor besprechen.
 
Eher auf Corsa oder Astra-Basis?
Forster: Das ist noch nicht sicher. Fest steht nur, dass der Tigra TT ersatzlos zum Jahresende ausläuft. Dagegen behalten wir den aktuellen Astra als Dreitürer und Cabrio ja noch im Angebot, solange der Nachfolger nur als Fünftürer im Markt ist.
 
Wie ist es um die Zukunft des Antara bestellt? Läuft Ihr Geländewagen 2012 aus?
Forster: Der Antara läuft solange weiter, bis es einen Nachfolger gibt. Und den wird es definitiv geben.
 
Wie sind Sie bei alternativen Antrieben aufgestellt? Können Sie sich – mit GM – noch die Arbeit an der Brennstoffzelle leisten?
Forster: Die Brennstoffzelle ist für eine Markteinführung noch weit weg. Mit dem Hybrid werden wir uns befassen. GM hat bereits heute viele Hybriden im Angebot. Aber ein Hybrid ist eine irrsinnig teure Technik. Selbst in USA funktionieren Hybride am besten mit eigener Karosserieform – die Kunden wollen ein klares Statement pro Umwelt geben. Bis auf den Ampera, mit dem wir die Hybrid-Technologie praktisch mit einem Schritt übersprungen haben, werden wir uns kein Auto mit alternativem Antrieb leisten, das eine eigenständige Karosserie hat. Ich sage ehrlich: im Corsa-, Astra- und selbst Insignia-Segment ist ein Hybrid schwierig. Ein Astra-Kunde hat im Schnitt ein Netto-Haushaltseinkommen von 2.500 Euro. Dem wollen wir nicht 200 Euro zusätzlich abverlangen bei der Leasingrate. Unsere Kunden sind bodenständige Menschen mit einem normalen Geldbeutel. Denen müssen wir auf anderem Wege die  Möglichkeit geben, umweltfreundlich zu fahren.
 
Wie?
Forster: Die Antwort darauf heißt nicht Hybrid. 5.000 bis 10.000 Euro mehr für Hybrid, um 20 Gramm CO2 zu sparen, wollen wir unseren Kunden nicht zumuten. Dafür bieten wir andere Wege: Der Astra etwa hat schon heute mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor weniger als 120 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer, der Insignia 136 g. Das ist der richtige Weg.
 
Spüren Sie schon stärkeren Druck von der Oberklasse im Einstiegs- und Kompaktsegment?
Forster: Da bin ich sehr gespannt. Das wird die Industriedynamik massiv ändern. Die Kollegen der Premium-Anbieter werden feststellen, dass Premium-Preise in diesen Gefilden nicht mehr so leicht durchsetzbar sind. Da freue ich mich darauf, wenn wir das gleiche Angebot zu viel günstigeren Konditionen machen. Hier ist der Kunde nicht so sehr bereit, massive Preisaufschläge für eine Premium-Marke zu zahlen. Schon heute sieht man, wie schwer sich der eine oder andere Hersteller hier tut. Diesem Wettbewerb sehe ich gelassen entgegen.

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