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GM in der Krise

GM EV-1 – Chance vertan?

Foto: GM 31 Bilder

Derzeit sieht es schlecht aus für den amerikanischen Autohersteller GM. Nur ein Kredit des Staates kann den Konzern noch retten. Hätte der GM EV-1 - vor mehr als zehn Jahren vorgestellt - das Fiasko verhindern können?

10.12.2008 Kai Klauder Powered by

1996 brachte General Motors mit dem EV-1 ein bemerkenswertes Auto auf den Markt: Strömungsgünstigstes Fahrzeug mit einem cW-Wert von nur 0,195, keine Emissionen, in weniger als neun Sekunden auf Tempo 100, Reichweite von 90 bis 140 Kilometern, eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Anlass war ein kalifornisches Gesetz.

Das Gesetz: California’s Air Resources Board

Dort wurde 1990 ein ehrgeiziges Ziel in Gesetzesschriften festgehalten: Bis 1998 sollten zwei Prozent, bis 2003 sogar 10 Prozent der verkauften Fahrzeuge keine Emissionen ausstoßen. Dieses Gesetz war ein Schock für die Auto-Hersteller. Doch GM reagierte schnell und brachte 1996 den EV-1 auf die Straßen.

Gute Ausstattung und Fahrleistungen

Der Elektromotor sitzt - wie bei der konventionellen Bauweise - vorne, leistet rund 140 PS und bietet bessere Fahrleistungen als die meisten amerikanischen V8-Limousinen. In 8,5 Sekunden beschleunigt der EV-1 ruckfrei auf 100 km/h, und erriecht - abgeregelte - 129 km/h Höchstgeschwindigkeit – mehr als ausreichen für die amerikanischen Highways.

Auch auf Komfortausstattung muss der EV-1-Fahrer nicht verzichten. Klimaautomatik mit Fahrzeugvorkühlung, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Zentralverriegelung, Tempomat, dimmbare Innenbeleuchtung, Radio mit vier Lautsprechern, ein zentrales Informationsdisplay - mehr bot auch die benzinbetriebene Konkurrenz anno 1996 nicht.

Sicheres Ladesystem, relativ kurze Ladezeiten

Trotz der mittlerweile veralteten Batterietechnik ist auch das Leergewicht respektabel. Nur 1.350 Kilogramm bei einem Gewicht der Batterien von 533 Kilogramm. Ein elektrohydraulisches Antiblockiersystem, Reifendrucküberwachung, Airbags, Tagfahrlicht, Fußgängerwarnsystem (beim Rückwärtsfahren warnte ein Tongenerator) und die Antischlupfregelung sorgten für Sicherheit, die Verbundstruktur aus Aluminium und Kunststoff sorgt für Stabilität bei geringem Gewicht.

General Motors hatte auch an öffentlich zugängliche Ladestationen gedacht. Mit dem Induktiv-Charger wurde eine Kontaktlose Verbindung geschaffen, die sehr sicher ist. Die Angaben zu den Ladezeiten weichen voneinander ab. Es werden 15 Minuten bis drei Stunden für einen Ladezyklus genannt. Also allemal ausreichend, um während der normalen Arbeitszeit die Batterien für den Heimweg zu laden. Das System wurde zu einem großen Teil von Delco Electronics Corporation (heute Delphi Electronics and Safety) entwickelt.. Auch den Großteil der Entwicklungskosten trug das Tochterunternehmen von GM. ImGM Volt soll ein ähnliches System eingesetzt werden, nicht zuletzt um die Entwicklungskosten zu tilgen.

Kaufen verboten

GM startete den Feldversuch 1996 und übergab rund 800 EV-1 an ausgewählte Kunden. Darunter viele Hollywoodstars wie Mel Gibson, Tom Hanks oder Alexandra Paul. Kaufen durften die zufriedenen Nutzer das Auto jedoch nicht. GM bot nur einen Leasingvertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren an und behielt sich vor, nach Ablauf der Laufzeit den EV-1 zurückzurufen. Einige Aktivisten wollten sogar die verbleibenden Exemplare der EV-1 dem GM-Konzern abkaufen - für einen Preis von 50.000 US-Dollar pro Exemplar. Alle Bemühungen wurden von GM abgelehnt. Begründung: Die Ersatzteilversorgung könne nicht gewährleistet werden.

Nur drei EV-1 haben überlebt - einer ist in Deutschland zu sehen

Schließlich wurden Ende 2003 alle EV-1 bei den Nutzern abgeholt. Zunächst war nicht klar, was mit den Fahrzeugen passieren soll. Doch bald tauchten Aufnahmen von Verschrottungsaktionen auf. Alle EV-1 sollen verschrottet worden sein – bis auf drei Exemplare, die überlebt haben sollen. Wer den EV-1 näher unter die Lupe nehmen will, hat derzeit im Museum Autovision in Altlußheim bei Hockenheim die Möglichkeit. Museumsinhaber Horst Schulz bemühte sich mehr als ein Jahr lang, das seltene Exponat in seiner Ausstellung von Mobilitätskonzepten der Zukunft zeigen zu können. Ein Fan des GM EV-1 kam extra nach Altlußheim, machte hunderte Fotos und Videoaufnahmen. Er will sich den GM EV-1 nachbauen lassen

Verantwortliche gestehen Fehler ein - zu spät

Rick Wagoner gibt in einem in Motor Trend (Juni 2006, S. 96) abgedruckten Interview auf die Frage nach seiner schlechtesten Entscheidung als GM-Boss folgende Antwort: "Axing the EV1 electriccar program and not putting the right resources into hybrids. It didn’t affect profitability, but it did affect image." - "Die Beendigung des Elektroauto-Programms und nicht genügend Ressourcen in die Hybridentwicklung gesteckt zu haben. Das wirkte sich nicht auf die Rentabilität aus, aber auf das Image."

Das Image eines ökologischen Autos der Zukunft sicherte sich indes Toyota mit dem Prius. Nur ein Jahr später, 1997, kam der Hybrid auf den amerikanischen Markt und wurde zur Ikone stilisiert. Das Medienecho war gewaltig, bald gehörte es zum guten Stil in der meinungsbildenden Gesellschaft aus Stars und Sternchen in Hollywood mit einem Prius lautlos durch Los Angeles zu kurven. Insofern hat GM eine ganz große Chance vertan, schließlich hatte man schon einige Superstars als zufriedene Kunden gewonnen.

Einen Überblick über die Gemengelage und mögliche Gründe für die Entscheidung, sämtliche EV-1 zu verschrotten, gibt die Dokumentation "Who killed the electric Car?" von Chris Paine.




Links zum Thema

Kritik an einigen Thesen des Films von Karl Brauer, Editor in Chief of Edmunds.com

//www.pluginamerica.org/:Plug in America – Eine Internetseite, die viele Informationen rund ums Thema

Chronologie der Ereignisse und Informationen über den EV-1

Viele Bilder der Verschrottungsaktion und von Demonstrationen sowie Filmkritiken :








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