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GM Jubiläum

100 Jahre General Motors

Foto: dpa 46 Bilder

Der einst größte Autobauer der Welt kann seinen 100. Geburtstag feiern. Doch die Stimmung ist so schlecht wie noch nie. Im Jubiläumsjahr ist Toyota an GM als größter Automobilhersteller vorbei gezogen und auch sonst stehen die Zeichen eher auf Sturm.

24.04.2009 Kai Klauder Powered by

Vor 100 Jahren sah das alles noch ganz anders aus. Am 16. September 1908 gründet William C. Durant die General Motors Corporation. Schnell geht es aufwärts, das Markenportfolio wächst enorm in den folgenden Jahrzehnten: Buick, Oldsmobile, Chevrolet, Cadillac, GMC, Pontiac, Saturn, Hummer finden bald unter der großen Mutter GM ihren Platz. Im Ausland werden Opel, Vauxhall, Holden, Saab, GM Daewoo zugekauft.


Autos für jeden Geschmack von GM

Die Strategie von Anfang an: Autos für jeden Geschmack und Geldbeutel zu bauen. Man etabliert Edelmarken neben den Billigheimern, sportliche Modelle laufen unter anderem Label als Familienkutschen - jeder Kunde soll im Hause GM glücklich werden.

Busse statt Eisenbahnen - Kriegsgerät statt Mittelklasseautos

In den 1920er und 30er-Jahren setzt General Motors alles daran, der Verbreitung der Eisenbahn Einhalt zu gebieten. Die weltweit bekannte Buslinie Greyhound wird aufgebaut, ein Elektromotorenhersteller aufgekauft und die Produktion sogleich auf Dieselmotoren umgestellt. Einige Stimmen behaupten, dass die Politik von GM dafür verantwortlich ist, dass der Schienenverkehr in den USA auch heute noch eine untergeordnete Rolle spiele.

Undurchsichtig ist das Engagement von GM während der Mobilmachung und des Weltkriegs in Deutschland. So wurden laut einem 1974 veröffentlichten Report des US Senats in deutschen Werken von General Motors Fahrzeuge, Flugzeuge und weiteres Kriegsgerät für die Streitkräfte im nationalsozialistischen Deutschland produziert. Amerikanische Unternehmen - Ford handelte ebenso - hätten demnach Anteil an der Mobilmachung und davon nicht unerheblich profitiert, während in den USA schon bald die Produktionsanlagen der gleichen Unternehmen auf Kriegsmittelproduktion für den Gegenschlag umgestellt wurden und auf Hochtouren liefen. Die Konzerngewinne jedenfalls stiegen in den Jahren steil nach oben.

Die Markenwelt: Reiche fahren Caddy, die Mittelschicht Chevy, Pontiac und Oldsmobile

Am oberen Ende der Markenwelt chauffiert Cadillac. Seit 1909 gehört die Marke mit dem Namen des Stadtgründers von Detroit zu GM. 16-Zylindermotoren in den 1930ern und später die hubraumstärksten V8-Motoren und die luxuriöseste Ausstattung sorgen für Aufsehen und Renommee - und schließlich soll Cadillac gegen Lincoln aus dem Ford-Konzern antreten. Unter Cadillacs Niveau sind Pontiac, Oldmobile und Chevrolet angesiedelt - die klassischen Marken für die amerikanische Mittelschicht. Bei GMC finden die Handwerker und Bauern das richtige motorisierte Arbeitsgerät.

Expansion ins Ausland

General Motors verfolgt sehr früh eine Expansionsstrategie. Die 20er-Jahre sind für General Motors die sprichwörtlichen Goldenen - es sind genügend Barreserven vorhanden, um auf die große weltweite Einkaufstour zu gehen. Gerade Europa ist ein großer Auto-Markt und so übernimmt GM 1925 den britischen Hersteller Vauxhall und, als sich 1929 die Gelegenheit bietet, für mehr als 33 Millionen Dollar den größten deutschen Automobilhersteller Opel. 1931 wurde GM auf dem australischen Markt aktiv und erwarb für 2,2 Millionen Dollar Holden.

In der Folgezeit gelingt es GM, ein höchstprofitables Modellprogramm bei Opel aufzubauen. Seit den 1970ern ist die Modellpalette von Opel, Vauxhall und Holden zum größten Teil identisch. Die Modelle werden nur entsprechend gelabelt. Für Saab gilt seit 2005 das Gleiche. Die Schweden gehören seit 2000 zu GM und nutzen nun auch die Konzernplattformen. Zuletzt scheitert 2006 die von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian geforderte Zusammenarbeit des bereits schwer angeschlagenen General Motors-Konzerns mit Renault/Nissan. Nach den gescheiterten Verhandlungen stößt Kerkorian einen Großsteil seiner Aktien ab und sorgte für einen weiteren Kursrutsch.

Verfehlte Modellpolitik weltweit - jetzt muss die Zukunft beginnen
GM verschläft jahrzehntelang, sein Modellprogramm auf die Neuzeit umzustellen. Noch vor kurzem stellen die Detroiter einen Über-SUV vor - den Cadillac Escalade. Die Erstürmung des einst größten Marktes der Monster-Autos sollte er sicherstellen. Doch er kommt zum falschen Zeitpunkt auf den krisengeschüttelten Markt - und schnell ist von Insolvenz der Übermutter GM die Rede.

Was die Konzernlenker nicht erkennen: Längst ist ein Trend hin zu sparsameren Modellen abzusehen. Keine V8-Dinosaurier mit vorsintflutlichen Sieben-Liter-Maschinen sind gefragt. Jetzt sind es die hippen Hybrid- und Elektro-Mobile, mit denen die Schönsten in Hollywood und Co. herumfahren. Die Geländewagen vom Stil eines Chevy Blazer sind kaum noch gesellschaftsfähig - zumindest nicht im aufgeklärten Amerika. Auf dem Land sieht es freilich anders aus. Dort lässt man sich die potenten Pick-Ups kaum nehmen.

Als Arnold Schwarzenegger von seinem Macho-Hummer auf einen Hybrid-BMW 7er umsteigt, deutet sich auch für jene ein Paradigmenwechseln an, die lange an GM und überhaupt die amerikanische Automobilindustrie glaubte. Mittlerweile steht Hummer zum Verkauf - allein es fehlt ein Interessent.

Opels Schwierigkeiten

Auch in Europa wird fehlentwickelt. Opel ist jahrzehntelang einer der drei Großen im deutschen Markt. Von Kleinwagen bis hin zu den Oberklasse-Limousinen der KAD-Ära - Kapitän, Admiral und Diplomat - stellt Opel eine feste Größe dar. Top-Modell ist in den 1970ern der Diplomat mit Detroiter 190 PS-V8 unter der Haube, der auch in Kapitän und Admiral zum Einsatz kommt. Ende der 1970er Jahre ist Schluss mit Oberklasse. Zunächst sollen Chevrolet- und Cadillac-Limousinen für den deutschen Markt importiert werden, es bleibt aber bei sehr geringen Stückzahlen. Mit dem Omega, der besser ausgestattet den Namen Senator trägt, ist zumindest ein Vertreter in der oberen Mittelklasse zu finden.

In den 1980er Jahren geht der Abstieg weiter. Lopez’ Billigstahl ist nur eines der (Qualitäts-) Probleme bei Kadett, Astra und Co. Der Marktanteil liegt 1993 noch bei 17 Prozent, 2008 sind es nur noch rund neun Prozent - der Aktienkurs bewegt sich auf dem niedrigsten Niveau seit 50 Jahren. Der erwartete Erfolg vom neuen Raumkonzeptauto Signum bleibt aus, Speedster und GT als sportliche Prestigeprojekte floppen. Auch Astra, Vectra und Sintra bleiben hinter den Erwartungen zurück. Das Duell mit VW, das in den 1970ern und 80ern noch ausgeglichen war, scheint Opel spätestens nach dem Jahrtausendwechsel verloren zu haben.

2005 startet der Mutterkonzern schließlich einen radikalen Sanierungskurs. 9.000 Stellen werden abgebaut - 1996 hat Opel 46.000 Mitarbeiter, zehn Jahre später nur noch gut 27.500. Neues Ziel ist ein attraktiveres Modellprogramm und vor allem eine bessere Qualität. Neuer Hoffnungsträger wird der Vectra-Nachfolger Insignia sowie die Kleinwagen Corsa, Agila und der für 2009 angekündigte Astra. Ab 2010 soll wieder ein neuer Calibra die sportliche Seite herauskehren und Opel auf die Mitbewerber aufholen.

Der Volt soll’s richten

In den USA geht mit dem Volt ein vielbeachteter Stern am GM-Himmel auf. 2007 stellt GM in der Heimatstadt Detroit den Chefvrolet Volt als Concept Car vor und wird seither nicht müde, darauf zu verweisen, dass eine Serienproduktion geplant sei. Der E-Flex getaufte Elektroantrieb soll mit den Bordbatterien eine Reichweite von rund 60 Kilometern haben. Ein Bord-Generator soll für neue Energie der Batterien sorgen. Dieser könnte mit verschiedenen Energieträgern betrieben werden. Seit Januar 2007 ist von Wasserstoff, Brennstoffzellen, reinem Ethanol, Biodiesel, E85, oder auch einem Einliter-Turbo-Benziner die Rede. 2010 plant GM die US-amerikanische Markteinführung, ein Jahr später soll der Volt als Opel nach Europa kommen. Der ursprünglich veröffentlichte Einstandspreis lag bei unter 30.000 Dollar. Mittlerweile geht der Konzern aber von einem deutlich höheren Preis aus.

Einige Marken der General MotorsCorporation

1908 Buick (19063 als Buick Motor Company gegründet,1904 von William C. Durant übernommen)
1908 Oldsmobile (1897 von Ransom Eli Olds gegründet,2005 eingestellt)
1909 Cadillac (1902 gegründet)
1912 GMC (1909 als Rapid Motor Vehicle Companyübernommen)
1918 Chevrolet (1911 gegründet)
1925 Vauxhall (1857 gegründet)
1926 Pontiac
1929 Opel (1862 gegründet)
1931 Holden (gegründet 1856)
1990 Saturn
1999 Hummer
2000 Saab (1937 gegründet)
2002 SGWM (SAIC-GM-Wuling) – Joint Venture zwischenGM und Shanghai Automotiv Industry Corporation
2005 Corvette (nur in Europa als eigenständigeMarke)

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