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Keine Allianz mit Nissan-Renault

Foto: GM

Der Flirt war kurz und heftig, die Liebe schnell erkaltet: Nach einem letzten Telefonat der Bosse erklärte General Motors die Gespräche über eine große Auto-Allianz mit Renault-Nissan für beendet.

05.10.2006

Der letzte Schritt kam höchstens von der Terminseite aus betrachtet noch überraschend. Erst bei ihrem Treffen im Vorfeld des Pariser Automobilsalons hatten sich Rick Wagoner (GM) und Carlos Ghosn (Renault-Nissan) im Vier-Augen-Gespräch noch eine Verhandlungsfrist bis 15. Oktober gesetzt. Schon damals waren allerdings die Positionen klar bezogen: Ghosn als klarerer Befürworter der Allianz, die die Koordinaten der internationalen Autoindustrie deutlich verschoben hätte, Rick Wagoner der Skeptiker, der an der Sinnhaftigkeit einer solchen Elefantenhochzeit stets zweifelte. Das allerdings weniger aus wirtschaftlicher Sicht, sondern aus eigenen machtpolitischen Gründen.

Nun kam also das schnelle Ende. Laut Insidern hatte Wagoner am Mittwoch nochmals mit Carlos Ghosn telefoniert - vermutlich um ihm das Ende der Allianz-Gespräche persönlich zu übermitteln. Zuvor hatte am Dienstag (4.10.) das GM-Board getagt. Gesprächsthema Nummer eins dort: Wie geht´s weiter mit der Allianz. Die Antwort: überhaupt nicht. Ausschlaggebend für den Abbruch der Gespräche waren dabei offenbar Differenzen über einen Premium-Preis, den GM von Renault-Nissan für die Übernahme von etwa 20 Prozent der GM-Aktien forderte. Während Renault-Nissan diesen Anteil über den aktuellen Börsenkurs erwerben wollte, forderte GM einen Aufschlag, der bei etwa sechs Milliarden Dollar liegen sollte. Nachdem Ghosn diesen Zuschlag kategorisch verweigerte, sah man bei GM den größeren Nutzen der Allianz auf Seiten des französisch-japanischen Konzerns. Und das war es dann.

Wagoners Rolle deutlich gestärkt

Als strahelnder Held der abgebrochenen Gespräche steht nun Rick Wagoner da. Zunehmend hatte sich die Frage des Zusammengehen mit Renault-Nissan zum Machtkampf zwischen dem GM-Boss und Großaktionär Kirk Kerkorian entwickelt. Kerkorian war es, der Wagoner im Juli überhaupt in die Allianz-Gespräche gedrängt hatte.

Kerkorian, dessen Investmentgesellschaft Tracinda mit einem Anteil von 9,9 Prozent größter Anteilseigner an GM ist, hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Wagoner als Chef des Autobauers am liebsten los wäre. Dass sich nun Wagoner durchsetzte gilt nun als deutliche Stärkung des GM-Bosses. Prompt machten nach Bekanntwerden des Gesprächsabbruchs Gerüchte die Runde, der Kerkorian-Vertraute im GM-Board, Jerry York, werde zurück treten. Mit Spannung werden nun die nächsten Schritte Kerkorians erwartet. Dass sich der 89-jährige Milliardär nun still in sein Kämmerchen zurück ziehen wird, glaubt zumindest an der Wall Street niemand.

Und was macht nun Renault-Nissan? Auch dazu gibt´s Gerüchte in den Staaten. Das heißeste: Carlos Ghosn wird im nächsten Schritt das Gespräch mit Ford suchen. Dort dürfte er auch willkommener sein als bei GM.

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