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GM nimmt Opel an die Kandare

Kosten für europäische Werke zu hoch

Opel GM Logo Foto: dpa

GM erhöht den Druck auf Opel. Gleich mehrere US-Manager kontrollieren nun die Sorgentochter. Es sollen endlich Gewinne fließen. Ausgerechnet jetzt verliert der Rüsselsheimer Autobauer einen seiner mächtigsten Vorkämpfer: Betriebsratschef Klaus Franz.

22.11.2011 dpa

"Wir müssen in Europa einen besseren Job machen" - die Botschaft von GM-Chef Dan Akerson Anfang November war deutlich. Im dritten Quartal hatte die Sorgentochter Opel mal wieder Verluste geschrieben. "Nicht akzeptabel", nannte Akerson das - und setzt dem Opel-Management nun Manager aus den USA vor die Nase. Schon geht die Angst vor Werksschließungen um.

GM-Strategiechef Stephen Girsky wird künftig den Aufsichtsrat führen, Finanzchef Dan Ammann und Asienchef Tim Lee ziehen ebenfalls in das Kontrollgremium ein, das in Sachen Opel das letzte Wort hat.

Vor allem Girsky ist in Rüsselsheim kein Unbekannter. Der 49-Jährige war es, der vor zwei Jahren letztlich den Verkauf an den Autozulieferer Magna verhinderte. So mancher Beobachter hat daraus geschlossen, dass Girsky ein Fürsprecher von Opel ist. "Er versteht Opel", sagte einer, der ihn kennt.

Weiter sparen, Eigenständigkeit aufgeben

Girsky hat aber auch immer wieder klar gesagt, dass Opel Gewinne schreiben müsse. In seiner Stimme schwang dabei stets etwas Bedrohliches mit - wie jetzt nach seiner Berufung zum Aufsichtsratschef. Da erklärte Girsky zwar klipp und klar "GM steht zu Opel". Aber er kündigte gleichzeitig an, "die Kostenstruktur zu optimieren, Margen zu verbessern und Skaleneffekte innerhalb des Konzerns zu nutzen". Das heißt im Klartext: Weiter sparen, mehr zusammenarbeiten, Eigenständigkeit aufgeben.

Die Forderung ist aus GM-Sicht verständlich: Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall sind die einzigen Töchter, die einfach nicht auf die Beine kommen und von der Mutter durchgefüttert werden müssen. Das wiederum bringt das GM-Management im fernen Detroit in Erklärungsnot. Die Aktionäre wollen Gewinne sehen, schließlich haben sie ihr Geld in den Autobauer gesteckt. Und jede schlechte Nachricht drückt auf den Kurs, der seit Monaten vor sich hin dümpelt.

Opel reicht ein europäisches Werk

2012 werde insgesamt ein schwieriges Jahr für die Branche werden, sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. "Der Punkt ist: Die Kosten müssen weiter runter. Opel wird sein schlechtes Image behalten, wenn man es nicht schafft, schwarze Zahlen zu schreiben." In Europa seien die Kosten für die Werke nach wie vor zu hoch, die Auslastung zu gering. "Aus meiner Sicht könnte Opel europaweit gut mit einem Werk weniger auskommen", sagt Bratzel.

Von Werksschließungen ist in Detroit - zumindest offiziell - nicht die Rede. Dennoch darf sich Opel auf einiges gefasst machen. Girsky gilt als kühler Rechner und scharfer Denker. Wer ihn trifft, bekommt schnell den Eindruck, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Er war viele Jahre Autoanalyst bei der Investmentbank Morgan Stanley und später Berater. Er kennt die Zahlen, er kennt die Probleme. Girsky sitzt seit Mitte 2009 im GM-Verwaltungsrat und spielte eine wichtige Rolle beim Neustart nach der Pleite.

Auf eigene Tochter kann man nicht immer nur draufschlagen

Girsky weiß aus eigener Anschauung, wohin Misswirtschaft führt. Autoexperte Bratzel warnt aber, dass die Konzernführung nicht zu hart mit Opel ins Gericht gehen dürfe. Die Führung in Detroit müsse auch Perspektiven geben. "Jedes Mal, wenn ein Quartalsbericht kommt, mit dem GM nicht zufrieden ist, beginnt das große Draufschlagen. Das kann es nicht sein", sagt Bratzel. "GM braucht Opel. Dazu gehört, dass man mit seiner Tochter vernünftig umgeht."

Alleine in den ersten neun Monaten diesen Jahres verlor GM in Europa 580 Millionen Dollar (rund 429 Mio Euro), über die Jahre gesehen sind es etliche Milliarden gewesen. Dass mitten in dieser Gemengelage Ende 2012 der mächtige Opel-Betriebsratschef Klaus Franz
(59) von Bord geht, einer der entschlossensten Vorkämpfer für einen Neustart des Autobauers, sieht Bratzel gelassen: "Auch wenn es zwischenzeitlich so aussah, als würde Opel alleine agieren, als würde der Betriebsrat Opel führen, Fakt war immer: Opel ist die Tochter eines amerikanischen Unternehmens. Das gilt heute mehr denn je."

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