GM: Wagoner pessimistisch für 2009

Rick Wagoner, Chef des weltgrößten Autobauers General Motors, ist nach den schlechten Quartalsergebnissen des laufenden Jahres auch für das kommende Jahr pessimistisch. Wagoner erwartet für die wichtigen Absatzmärkte in den USA und Europa keine Besserung und sieht starkes Wachstum nur in China und Russland.

"Die Daten, die wir in den vergangenen drei, vier Wochen gesehen haben, geben uns nicht viel Hoffnung, dass sich die amerikanische Autoindustrie sehr schnell erholen wird", sagte Wagoner gegenüber auto motor und sport. Dabei rechnet Wagoner weiterhin mit einem hohen Ölpreis und einer schwachen Autonachfrage in den USA. "Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis im nächsten Jahr zwischen 130 und 140 Dollar liegen wird. Für den Benzinpreis rechnen wir mit vier bis 4,5 Dollar pro Gallone. Dies ist eine sehr konservative Planung. Und wir sprechen von einem Markt in Amerika mit 14 statt normal 17 Millionen Fahrzeugen. Und einem GM-Marktanteil von 20 bis 21 Prozent."

Die Verbraucher seien angesichts der Krise in den USA geschockt. "Das Käuferverhalten war seit vielen Jahren nicht mehr so schlecht. Wir spüren die Immobilien-Krise, und wir haben es mit geschockten Verbrauchern zu tun. Mit vier Dollar pro Gallone Benzin wurde die Schmerzgrenze erreicht. Dazu addieren sich der schwache Gebrauchtwagenmarkt und die allgemeine Inflation."

Kein Sparprogramm für Opel

Auch das aktuelle GM-Wachstum in den Auslandsmärkten könnte sich nach Einschätzung Wagoners wieder abschwächen. "Die Verkäufe im Ausland gehen nach oben, obwohl ich mit Blick auf das kommende Jahr nicht sicher bin, dass die Wirtschaft außerhalb der USA weiterhin so stark wachsen wird wie bisher." Dabei ist der GM-Chef zunehmend auch für Europa skeptisch. Zwar schließt Wagoner derzeit Sparmaßnahmen für die europäischen GM-Töchter Opel und Saab aus, Europa sei von den GM-Sparmaßnahmen "nicht signifikant" betroffen.

Mit Sorge sieht Wagoner allerdings auf das rückläufige Wirtschaftswachstum. "Das Wachstum in den einzelnen Märkten hat sich über mehrere Monate abgekühlt. Ich habe gehört, dass die Immobilien-Krise in Spanien noch schlimmer ist als in Amerika. Und Italien sieht auch nicht gut aus. Der Absatz wird uns etwas schwerer fallen, als wir es uns vorgestellt hatten."

Asien und Russland als Wachstumstreiber

Großes Wachstum sieht Wagoner dagegen weiterhin in Asien und Russland. "Über die nächsten fünf Jahre wird sich der Zuwachs zwar abschwächen, aber die Basis ist einfach riesig. Und zehn bis 15 Prozent sind immer noch ein großes Wachstum. In den letzten Jahren ist Russland für GM schneller als China gewachsen", so Wagoner. "Und in den ersten sechs Monaten haben die GM-Absätze um unglaubliche 60 Prozent zugelegt. Wenn wir uns die nächsten fünf Jahre ansehen, werden 80 Prozent des Wachstums in diesen aufstrebenden Märkten stattfinden. Die traditionellen Märkte sind sehr wichtig. Aber in den neuen wächst man nicht nur schneller, sondern auch meist profitabler."

SUV-Boom kommt nicht mehr zurück

Für die USA geht Wagoner davon aus, dass der frühere SUV-Boom auch bei einem Rückgang der Treibstoffpreise nicht mehr zurück kommt und sich die Autohersteller auf kleinere, sparsame Fahrzeuge konzentrieren müssen. "2003 lag der SUV-Markt bei 800.000 Einheiten. In den letzten drei Monaten bewegte er sich bei 300.000. Ich glaube nicht, dass dieser Markt je wieder auf 800.000 kommt. Für viele Leute war es einfach ein Modeprodukt. Das ist vorbei. Wir werden uns auf ein kleineres Segment einstellen müssen." Dagegen glaubt Wagoner, dass der Verkauf von Pritschenwagen wieder anziehen wird. "Der Pickup-Markt ist etwas anders. Teilweise gibt es auch Modekunden. Die sind weg. Das Segment der gewerblich eingesetzten Pickups war aber sehr groß. Und dieser Kunde ist doppelt betroffen - durch die Baukrise und den Benzinpreis. Der Markt wird wiederkommen, vielleicht mit mehr Sechszylinder-Motoren."

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Bernd Ostmann

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