Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

GME-Chef Carl-Peter Forster

"Der Ampera wird der grüne Star in der Kompaktklasse"

Foto: De Fusco, Polo 24 Bilder

GM Europe-Chef Carl-Peter Forster spricht mit den auto motor und sport-Redakteuren Birgit Priemer und Harald Hamprecht über den neuen Opel Astra, den Ampera und die generelle Zukunft des Unternehmens.

20.05.2009 Birgit Priemer, Harald Hamprecht

Welche Bedeutung hat der Astra für die Marke Opel?
Forster: Der neue Astra hat für uns schon allein einen sehr hohen symbolischen Wert, denn er ist der Kern unseres Marken-Portfolios und macht traditionell rund ein Drittel unserer Verkäufe aus. Optisch und technisch baut das neue Modell auf unserem neuen Erfolgsmodell Insignia auf. Die ersten Reaktionen sind sehr positiv und wir legen große Hoffnungen auf ihn.

Was sind Ihre Absatzziele?

Forster: Das hängt zu stark von der Markt- und Wirtschaftsentwicklung ab, die heute niemand präzise voraussagen kann. In Europa belegen wir im Kompaktsegment mit dem Astra traditionell immer einen der Spitzenplätze. Wir wollen mit dem Astra dieses Mal noch näher an die Nummer eins heranrücken. Wir erwarten also einen großen Sprung im Vergleich zum Auslauf des aktuellen Modells.

Opel Ampera 9:11 Min.

Heißt Heranrücken an den Golf vielleicht sogar Überholen des Branchenprimus?
Forster: Der neue Astra wird ein sehr gutes Auto. Das wird spannend.

Werden Sie mit dem Astra Ihre Margen verbessern können?

Forster: Natürlich haben wir die Produktionskosten weiter verbessern können. Die benötigte Fertigungszeit, die sogenannten hours per vehicle, haben wir senken können. Die reinen Produktionskosten machen aber nur einen kleinen Anteil an den Gesamtkosten aus. Wichtiger ist, dass der neue Astra der erste Opel auf einer nun globalen Komponentenarchitektur ist, wodurch wir im globalen Einkaufsverbund unsere Materialkosten signifikant senken und gleichzeitig die Qualität nochmals verbessert konnten.

Wie wird sich die Ertragsseite des Astra gestalten?

Forster: Wir gehen fest davon aus, dass wir mit dem neuen Astra unseren Modell-Mix verbessern können. Höhere Ausstattungen werden natürlich auch das Ergebnis pro Auto wachsen lassen.

Geben Sie Ihre neu gewonnenen Kostenvorteile an den Kunden weiter? Sprich: Wird der Astra einen günstigeren Einstiegspreis bekommen?
Forster: Opel ist schon immer die Marke der deutschen Mitte. Deswegen werden wir auch mit dem Astra erreichbar bleiben. Der neue Astra wird besser ausgestattet sein und qualitativ noch hochwertiger, ohne dass wir den Einstiegspreis von derzeit rund 16.900 Euro erhöhen werden. Für Menschen, die sich etwas zusätzlich gönnen wollen, haben wir aber auch einiges Mehr im Angebot.

Welche Varianten planen Sie vom Astra - neben dem Drei- und Fünftürer?
Forster: Ganz klar auch ein Kombi-Modell. Der Astra als Kombi ist eine Erfolgsstory, die wir weiter schreiben wollen. Wir haben da sehr interessante Ideen - lassen Sie sich überraschen.

Und eine Coupe-Variante des Dreitürers, sprich quasi einen Calibra-Nachfolger?
Forster: Das möchten wir heute noch nicht verraten.

Welchen Astra würden Sie sich zulegen?
Forster: Ich mag’s immer mit viel Durchzug - egal ob beim Diesel oder mit Turbo-Benziner.

Wird es - am anderen Ende der Motorenpalette - eine Astra-Variante unter 100 Gramm CO2 geben?
Forster: Der grüne Star in der Kompaktwagenklasse wird der elektrisch betriebene Ampera, der auf der Astra-Plattform basiert. Ab 2011 werden wir damit ein Kompaktmodell im Angebot haben, das weniger als 40 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert. Wir haben natürlich beim neuen Astra ein besonderes Augenmerk auf den Spritverbrauch gelegt, der für den Kunden aber auch bezahlbar bleiben muss. Noch nicht vom Marktstart an, aber schon bald darauf wird ein Start-Stopp-System zum Einsatz kommen.

Und wenn GM eine Restrukturierung nach Chapter 11 anmeldet?
Forster: Nach Chapter 11 stünde ein geordnetes Restrukturierungsverfahren an, aus dem das Unternehmen mit einer gestärkten Bilanz hervor geht. Das amerikanische Chapter 11 Verfahren zielt auf den Erhalt und die Restrukturierung der Unternehmen unter gerichtlicher Aufsicht ab. Insbesondere ist es Ziel eines solchen Verfahrens, eine Einigung mit den wesentlichen Gläubigergruppen über die weitergehende Restrukturierung zu erreichen. Es ist davon auszugehen, dass Opel in Europa nicht in ein Chapter 11 Verfahren inkludiert wäre und seine Geschäftstätigkeit unverändert fortsetzt. Opel Europa würde weiterhin uneingeschränkten Zugriff  auf Technologien und Architekturen haben.

Ist auch ein kleiner Opel - unterhalb des Corsa geplant?
Forster: Ein solches Fahrzeug haben wir im Auge - aber nicht in unmittelbarer Zukunft. Denn Priorität hat für uns nun die anstehende Phase, in der wir alle Kernprodukte von Opel  in den kommenden drei, vier Jahren rundum erneuern.
 
Werden Sie dann den kleinen Einstiegs-Opel unterhalb des Agila auf Chevrolet Spark-Plattform aufbauen?
Forster: Das wäre eine logische, GM-interne Lösung. Aber warten wir mal, was die mittelfristige Zukunft bringt. Vielleicht bringt auch ein zukünftiger Partner eine interessante Plattform ein.

Wo wird der Astra denn überall produziert - und ab wann?
Forster: Den Start wird das Werk Ellesmere Port diesen Sommer machen. Weitere Werke werden folgen.

Der Zafira soll künftig laut Medienberichten aus Gliwice abgezogen und nur noch in Bochum produziert werden. Heißt dies gleichzeitig, dass Bochum den Astra verlieren wird und mehr Astra aus Rüsselsheimer Produktion kommen werden?
Forster: Über künftige Produktionsbelegungen zu sprechen ist derzeit noch zu früh. Es ist durchaus möglich, dass wir im Rahmen der neuen Opel Europa-Organisation mit Hilfe eines neuen Investors einige Änderungen vornehmen werden. Außerdem sind die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern erst angelaufen. Erst wenn die abgeschlossen sind, können wir die Werksbelegungen final festzurren.

Womit wir beim wichtigsten Thema sind: Magna, Fiat und Ripplewood gelten als aktuelle Interessenten für einen Einstieg bei Opel. Wen würden Sie bevorzugen?
Forster: Zuerst einmal bin ich der Verschwiegenheit verpflichtet und rede nur über Investoren, die Ihr Interesse selbst publik gemacht haben. Es gibt aber weitere Interessenten. Hier kann ich nur sagen, dass wir keine Präferenzen haben. Wir legen uns nicht im Vorfeld der Verhandlungen fest. Wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Aufbauarbeit geleistet - und müssen uns jetzt strategisch sauber aufstellen.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen? Wie lange ist Ihre Liquidität gesichert?
Forster: Unsere Liquidität haben wir vom zweiten bis ins dritte Quartal gestreckt. Ein Investorenprozess wird sich aber möglicherweise bis ins vierte Quartal hinein ziehen, denn es handelt sich um einen komplexen Verkaufsprozess, dessen rechtswirksame Umsetzung eine Vielzahl von zu regelnden Sachverhalten und Verträgen umfasst. Die Ausgestaltung und Umsetzung dieser Verträge dauert bei solch komplexen Unternehmenstransaktionen üblicherweise mehrere Monate. Dafür brauchen wir dann sicher eine Kreditlinie, worüber mit der Bundesregierung verhandelt wird. Eine Treuhandlösung für das Europageschäft wird geprüft - aber ich kann ihnen heute nicht sagen, ob das die Lösung sein wird.

Wie hoch sind die Überkapazitäten von Opel/Vauxhall in Europa? Angeblich haben Sie drei Werke zuviel.
Forster: Ja, wir haben Überkapazitäten, so wie die gesamte Branche.

Wie viele Arbeitsplätze wird die erneute Restrukturierung kosten? Stimmt die Horrorzahl von 18.000 Mitarbeitern, die im Falle eines Investments von Fiat bei beiden Marken abgebaut werden müssten?
Forster: Es werden sicherlich auch Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Wie viele und wo kann ich noch nicht sagen. Das hängt davon ab, zu welchen Lohnzugeständnissen die Arbeitnehmer bereit sind. Der Betriebsrat will sich hier erst äußern, sofern klar ist, wer der neue Investor wird. Unser Ziel bleibt es aber, die Arbeitskosten um 1,2 Milliarden Dollar zu senken. Wir haben da viele Ideen und Möglichkeiten.

Abschlussfrage: Was hat es mit den Spekulationen um die Wiederbelebung der Marke Wartburg auf sich?
Forster: Wir überprüfen gerade alle Möglichkeiten, für den Standort Eisenach etwas zu tun.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden