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Golf-Qualitätsmängel

Krisensitzung bei VW?

Foto: Achim Hartmann

Kurz vor der an diesem Montag geplanten Betriebsversammlung, die ein wichtiger Stimmungstest für den künftigen Sparkurs sein soll, haben Presseberichte über Qualitätsprobleme bei der Golf-Produktion im Stammhaus Wolfsburg für Aufsehen gesorgt.

02.09.2005

Wie die "Braunschweiger Zeitung" am Freitag (2.9.) berichtete, soll es bereits mehrere "Krisensitzungen" gegeben haben.

Der Grund: Mehr als 900 Neufahrzeuge wurden dem Bericht zufolge in der vorigen Woche wegen qualitativer Probleme nachgearbeitet. Im Durchschnitt seien einer aktuellen Untersuchung des Werksmanagements zufolge nur 88 von 100 Fahrzeugen aus Wolfsburger Produktion fehlerfrei. Im Verhältnis zu den anderen Golf-Standorten in Brüssel und Mosel soll das Wolfsburger Stammwerk damit massiv ins Hintertreffen geraten sein.

Probleme mit der Arbeitsdisziplin

Probleme gebe es überdies mit der Arbeitsdisziplin, meldete das Blatt unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung. Werkleiter Dietmar Korzekwa habe an seine Mitarbeiter appelliert, stärker auf Pünktlichkeit zu achten und Krankheiten rascher zu melden. VW wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren: "Spekulationen zu internen Zahlen aus der Produktion kommentieren wir grundsätzlich nicht", hieß es lakonisch aus Wolfsburg. "Wir haben hohe Ansprüche an die Qualität, die wir absolut ernst nehmen."

Wulff ruft zu schneller Einigung auf

Die neuerlichen Spekulationen treffen den VW-Konzern mitten in einer Auseinandersetzung um den Fertigungsstandort für den neuen VW Golf Geländewagen - also zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn der Streit um den Produktionsstandort für den neuen Geländewagen - Arbeitstitel Marrakesch - hatte bereits in den vergangenen Tagen für viel Ärger gesorgt. "VW will Milliarden einsparen, der kleine Arbeiter darf es ausbaden", machte unter anderem ein VW-Arbeiter seinem Zorn in den "Wolfsburger Nachrichten" Luft.

Der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hatte dem Betriebsrat ein Ultimatum gestellt: Entweder Lohnzugeständnisse oder Verlagerung der Produktion nach Portugal. Bis 26. September sollen die Arbeitnehmervertreter entscheiden, ob sie dem Vorschlag zustimmen, den Marrakesch in die Produktion des Touran zu integrieren, also in die Auto 5000 GmbH. Dort verdienen die Arbeiter im Durchschnitt ungefähr 20 Prozent weniger. Auf der Betriebsversammlung Ende Juni vor den Werksferien war Bernhard von den Beschäftigten noch mit Beifall bedacht worden. So viel positive Resonanz dürfte er bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg diesmal wohl nicht zu erwarten haben.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) rief mit Blick auf die Arbeitsplätze beide Seiten zu einer schnellen Einigung noch vor der Betriebsversammlung auf. Mindestens 1.000 Jobs würden mit einer Produktionsverlegung im Wolfsburger Stammwerk in akute Gefahr geraten, weitere Rutschbahneffekte werden befürchtet. Der neue Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh kündigte an, dass die Gespräche erst nach der mit Spannung erwarteten Betriebsversammlung weitergehen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Insbesondere die Markengruppe VW (VW, Skoda, Bugatti, Bentley) steckt tief in den roten Zahlen. Bernhard hatte kürzlich ein gut sieben Milliarden schweres Sparprogramm angekündigt, um die angeschlagene Traditionsmarke wieder nach vorn zu bringen. Dabei sieht die Unternehmensspitze einen wichtigen Sparposten bei den Arbeitskosten. Die jetzt laufenden Auseinandersetzungen dürften erst der Anfang sein.

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