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Goodwood Festival of Speed 2013

Goodwood United

Festival of Speed, Rauno Aaltonen, Mini Cooper S Foto: Stefan Warter, Markus Leser 24 Bilder

Das Goodwood Festival of Speed wird ein Mal im Jahr zum Sehnsuchtsort für Motorsportfans. In diesem Jahr feierte das Festival in Südengland sein 20-jähriges Bestehen.

21.12.2013 Dirk Johae Powered by

Adam Tyrrell blickt mit Genugtuung in den Rückspiegel, der an drei Streben weit über die königsblaue Karosserie nach außen ragt. Diese auffällige Anordnung entsprach dem Wunsch des Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart. Der Schotte feierte alle drei Titel im Team von Adams Großvater - der königsblaue Monoposto mit den großen "elf"-Lettern ist das erste Auto, welches Tyrrells Namen trug.

Viele Erinnerungen leben auf

Viele Fahrer, die hier beim Goodwood Festival of Speed am Vorstart in ihren Autos sitzen, werfen zufrieden einen Blick in den Spiegel: Sie denken an große Siege, schöne Momente, manchmal auch tragische Ereignisse, die sich meist weit weg von dem kleinen südenglischen Flecken Goodwood zugetragen haben.

Bei Adam Tyrrell ist alles ganz nah. Es geschah am 12. Juni 1998, dem Freitag des fünften Goodwood Festivals. Da gewann der heute 47 Jahre alte Spross der englischen Rennfamilie Tyrrell aus der Grafschaft Surrey den Kampf gegen den mächtigsten Mann der Formel 1. Für wenige Minuten entwickelte sich die sonst so unbeschwerte Familienfeier der Motorsportwelt zu einem erbitterten Kampf um ein Erbstück. "Wir hatten beschlossen, dieses Auto zu kaufen und damit der Familie zu erhalten", erinnert sich Adam Tyrrell und fügt an: "Mein Opa wusste nichts davon."

Kampf mit Bernie Ecclestone ums Familiensilber

Seinen Rennstall hatte Ken Tyrrell zu diesem Zeitpunkt schon an British American Racing verloren. Jetzt ging es um die Sammlung ehemaliger Formel-1-Autos, darunter auch jener Tyrrell 001, der 1970 die Ahnenreihe eigener Chassis eröffnet hatte.

Robert Brooks rief das Auto als erstes Lot aus der Sammlung auf. "Ich habe damals für meine Familie geboten", erzählt Adam von einem der dramatischsten Ereignisse der Tyrrell-Tradition. Er liefert sich ein heftiges Bietergefecht gegen einen offenbar zahlungskräftigen Interessenten am Telefon. Nach der Auktion kam heraus: Der gegnerische Bieter war Bernie Ecclestone.

Der Kampf ums Familiensilber schien verloren zu sein, Adams Schwester brach in Tränen aus. Aber Adam Tyrrell blieb ruhig und erhielt den Zuschlag: Für rund 155.000 Pfund, damals 450.000 Mark inklusive Gebühren, blieb 001 in Familienbesitz. Und 15 Jahre später kann der Enkel selbst beim Festival of Speed den Rennwagen fahren, der seinen Nachnamen trägt.

Nelson Piquet im Campingstuhl

Als wäre es ein Stück aus der eigenen Familie: Auch die BMW-Mechaniker, die schon vor 30 Jahren trotz aller Widerstände und Rückschläge ihren Turbo-Vierzylinder zur Weltmeisterreife brachten, verbindet mit dem blau-weißen Brabham-BMW eine innige Liebe. Während der Vorbereitungen am Auto sitzt Nelson Piquet, der BMW 1983 den Fahrerweltmeistertitel bescherte, mit fast aufreizender Entspanntheit in einem Campingstuhl unter dem Fahrerlagerzelt und schwingt für die Fans mit dem Edding ein Autogramm nach dem anderen. Der Brasilianer erledigt alles mit einem freundlichen Lächeln und einer Lässigkeit, die wahre Champions auszeichnet.

Das Roll-Out des gerade restaurierten Weltmeisterautos nahm Piquet auf der Start- und Landebahn eines nahen englischen Flugplatzes im luftigen Polohemd vor. Er schaut so glücklich genießend aus dem Brabham-Cockpit, als wollte er jede Millisekunde seines Erlebnisses unvergänglich auf eine Festplatte aufzeichnen. Das Geheimnis des Goodwood Festivals liegt in dieser überbordenden Mischung aus Motorsportbegeisterung, einzigartigen Fahrzeugen und Fahrern aus der ganzen Welt.

Lord March wünschte sich einen Auto Union Silberpfeil

Das Who is who im Gästebuch von Goodwood House lässt selbst international erfolgreiche und weit gereiste Lenkradartisten staunen: "Ich musste immer wieder auf die Liste schauen, um mich zu vergewissern, dass die wirklich alle da sind", schwärmt der Italiener Gabriele Tarquini, der für den Arbeitgeber Honda seine Festival-Premiere als Dirigent des mit 14.000 Umdrehungen singenden Formel-1-V12 von 1965 feiert.

Ähnlich wie der Italiener strahlt auch Nick Mason wie ein kleiner Junge. Der 69-jährige Schlagzeuger der Rockgruppe Pink Floyd startet aber nicht etwa mit einem Rennwagen aus seiner eigenen, beträchtlichen Sammlung, sondern mit der Replika des Auto Union Typ C von 1936. Es ist der einzige fahrbereite Typ C, den sich Lord March ausdrücklich für das Jubiläums-Festival gewünscht hat. "Nach der Überarbeitung des Fünfganggetriebes fährt sich das Auto jetzt am besten von allen Auto Union-Rennwagen", meint Mason begeistert und schickt hinterher: "ein wunderbares Auto".

Mason, Mass und Stuck in Silberpfeilen

Die Audi-Traditionsabteilung ist sehr wählerisch, wenn es um das Vergeben der klassischen Cockpits geht. Mason gilt dafür als erste Wahl, ebenso wie Jochen Mass gleich nebenan bei Mercedes-Benz. Zwar werden die silbernen Monoposti nicht in den Kampf um die Bestzeit, sondern nur als Demo-Lauf auf die Bergrennstrecke geschickt. Doch die Technik, gleich ob beim originalgetreuen Nachbau aus Ingolstadt oder dem authentischen W154 von 1938 aus Stuttgart, ist so aufwendig und wertvoll, dass nur kundige und gefühlvoll agierende Fahrer das große Lenkrad in die Hand bekommen.

Auch Hans-Joachim Stuck gehört eigentlich zum kleinen Kreis der Fahrer, die einen der silbernen Rennwagen aus den 30er Jahren bewegen dürfen. Schließlich gehörte sein Vater ab 1934 zur Auto Union-Werksmannschaft. In diesem Jahr jedoch schwingt er sich lieber in den Audi 200 Quattro Trans-Am, mit dem er vor 25 Jahren gemeinsam mit Hurley Haywood und Walter Röhrl die amerikanische Trans-Am-Serie gewann. "Eine tolle Zeit, an die ich gern zurückdenke", meint Stuck und betont: "Am besten waren die Rennen zusammen mit Walter Röhrl, wo wir es der Konkurrenz so richtig gegeben haben."

Porsche zeigt in Goodwood Le Mans-Wagen

Dann wechselt Stuck hinüber zu Porsche, um dort bei einer Sitzprobe über den nächsten Festival-Auftritt zu entscheiden. Die Stuttgarter haben alle Autos aufgeboten, die entweder Le Mans-Geschichte geschrieben haben oder das große 911-Jubiläum mit Leben erfüllen. "Die ganze Porsche-Geschichte auf einen Blick", bemerkt der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller stolz. An der Seite von Technikvorstand Wolfgang Hatz schwingt er sich im 936 sowie in dem vorerst letzten Le Mans-Siegerauto seiner Marke, dem 911 GT1 von 1998, auf den großen Le Mans-Werkseinsatz 2014 ein.

Typisch Goodwood: Ein Blick in den Rückspiegel öffnet die Aussicht in die Zukunft. Das ist auch Lord March gelungen. Sein Festival of Speed ist ebenso wie das seit 1998 veranstaltete Revival Meeting auf der historischen Rennstrecke ein Kassenschlager: Das Festival war an allen drei Tagen mit 185.000 Besuchern ausverkauft. Besser kann man ein Jubiläum nicht feiern.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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