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Goodwood Festival of Speed 2013

Goodwoods heimlicher Star

Goodwood, Festival of Speed, mokla, 0713 Foto: BMW/Hardy Mutschler 10 Bilder

Die Sensation des Festival of Speed in Goodwood war ein amerikanischer Rennwagen aus dem Jahr 1917. Unglaublich: Das Gold-Stück verfügt bereits über eine Stromlinienkarosserie aus dem Windkanal.

17.07.2013 Dirk Johae Powered by

Das "goldene U-Boot" liegt im Trockendock, sein baumlanger „Kapitän“ entspannt daneben in einem Campingstuhl. Das Fahren mit dem Torpedo auf Rädern, das nur durch enge Sehschlitze den Blick nach draußen ermöglicht, ist unbequem und anstrengend. Es ist der erste Rennwagen des Harold Armenius Miller aus Los Angeles.

Weiter Weg aus Michigan

Der "Kapitän" heißt Robert Boudeman und hat mit dem goldenen Rennwagen den weiten Weg aus seiner US-amerikanischen Heimat in Michigan nach Südengland zum Goodwood Festival of Speed angetreten. "Das Auto besitze ich seit rund 40 Jahren“, erzählt Boudeman in breitem Amerikanisch. "Ich liebe das Festival of Speed. Für ist es die beste Veranstaltung der Welt."

Stromlinien-Pionier und kultische Verehrung

Festival-Chef Lord March hatte den goldenen Stromlinien-Rennwagen Mitte der 90er Jahren beim Concours d’Elegance in Pebble Beach entdeckt. Miller-Besitzer Boudeman erinnert sich: "Ich nahm an den historischen Rennen in Laguna Seca teil. Dort wurden einige Rennwagen ausgesucht, die beim nur wenigen Meilen entfernten Concours gezeigt wurden und mein Miller gehört dazu." Dort wurde Lord March auf den Miller aufmerksam und lud den Besitzer samt "Golden Submarine" zum nächsten Festival of Speed ein.

Der Erbauer des auffälligen Rennwagens genießt vor allem in den USA nahezu kultische Verehrung. "Miller war schlicht und einfach die größte und kreativste Figur in der Geschichte der amerikanischen Rennwagen", schrieb der US-Autohistoriker und Journalist Griffith Borgeson über den Sohn eines deutschen Einwanderers aus Aschaffenburg. Das Miller Aerodynamik Coupé "Golden Submarine" war sein erster Rennwagen. Harry A. Miller baute ihn gemeinsam mit seinem Fred Offenhauser für den Rennfahrer Barney Oldfield.

Aluminium-Karosserie und fortschrittlicher Motor

Zur Entwicklung der windschlüpfigen Karosserie aus Aluminium nutzten die Rennwagenbauer einen Windkanal. Auf ausdrücklichen Wunsch von Barney Oldfield, der durch seine Rekordfahrten mit dem Blitzen-Benz auch in Deutschland bekannt wurde, erhielt der Miller-Rennwagen eine geschlossene Karosserie einschließlich einer Überrollvorrichtung.  Oldfields Wunsch entstand nach dem tödlichen Unfall seines Rivalen Bob Buurman, nachdem er sich bei einem Rennen mit einem offenen Auto überschlagen hatte.

Aber nicht nur die Karosserie war seiner Zeit weit voraus. Auch der 136 PS starke, langhubige Vierzylindermotor verfügt über viel fortschrittliche Technik. Die Ventile des Aluminiumaggregats mit 4,7 Litern Hubraum werden über eine obenliegende Nockenwelle betätigt. "Die Ventile sind zwangsgesteuert wie zum Beispiel bei dem Mercedes-Formel-1-Wagen dort drüben", erzählt Boudeman. "Außerdem hat der Motor eine Doppelzündung."

Miller-Bilanz: 54 Rennen, 20 Siege

Die Worte des US-amerikanischen Festival-Freunds und Miller-Besitzers prasseln nur so auf den Reporter ein, der seine liebe Mühe hat, alle Details zu notieren. "Ich muss Ihnen noch etwas erzählen", meint Boudeman. "In der Entwicklungsphase stellte Miller mehrfach fest, dass die ursprünglichen Motoren zu groß und das Auto damit zu schnell war." Also verkleinerten Harry A. Miller und Fred Offenhauser den Vierzylinder so lange, bis die Leistung zum rund 730 Kilogramm wiegenden "Golden Submarine" passte.

Insgesamt wurde der erste Miller-Rennwagen bei 54 Rennen eingesetzt, von denen er 20 gewann. "Am besten fährt sich der Miller auf Dirt Tracks. Er hat noch kein Differential an der angetriebenen Hinterachse", weiß Robert Boudeman. Auf der Rundstrecke mit losem Untergrund schlug Barney Oldfield gleich beim zweiten Renneinsatz des Autos Ende Juni 1917 seinen Erzrivalen Ralph de Palma. Gut 96 Jahre später ist das goldene U-Boot der heimliche Star des Goodwood Festival of Speed in "Good Old Europe".

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