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Goodwood Revival 2008

Foto: Michael Schröder 46 Bilder

Am vergangenen Wochenende fand die zehnte Ausgabe der wohl größten Rennveranstaltung für klassische Fahrzeuge statt: das Goodwood Revival. Vermutlich wird nirgendwo sonst so hingebungsvoll Benzin in alten Autos und Motorrädern verbrannt wie in diesen Tagen im Süden Englands.

22.09.2008 Michael Schröder Powered by

Zwei einmotorige Spitfire-Kampfflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg donnern im Tiefflug vorbei, steigen senkrecht in den blauen Himmel, liefern sich ein Scheingefecht. Im selben Moment erwecken 32 Piloten die Triebwerke ihrer historischen GT-Boliden, spielen nervös mit dem Gas, als wollten sie sich selber Mut machen und gleichzeitig den Gegner einschüchtern. Wenige Sekunden später infernalisches Brüllen, als die Rennwagen endlich von der Leine dürfen.

Die bereits zehnte Ausgabe des Goodwood Revival läuft auf Hochtouren. Laut Veranstalter sind in diesem Jahr rund 150.000 Besucher in den Süden Englands gekommen, um das inzwischen wohl bedeutendste Autorennen für klassische Fahrzeuge bis Baujahr 1966 zu erleben. Die skurrilste Veranstaltung in diesem Bereich ist das Goodwood Revival auf jeden Fall: Eine Kleiderordnung schreibt allen Besuchern ein Outfit aus den 40er, 50er und 60er Jahren vor. Das Beste: Nahezu alle halten sich daran.

Kein Kindergeburtstag trotz Verkleidung

Wer das Gelände betritt, taucht mit einem Schlag in die Welt eines seit seiner Kindheit vollkommen dem Motorsport verfallen Adligen ein: Lord March. Dessen Großvater hatte 1948 diese Rennstrecke auf den eigenen Ländereien direkt vor der Haustür angelegt. Goodwood wurde damals in einem Atemzug mit Silverstone genannt und durfte sich mit den Titel "Heart of the British Motorsport" schmücken. Bis die Fahrzeuge zu schnell für den 2,4 Meilen langen Kurs wurden - 1966 fand das letzte Rennen satt.

1998 begann eine neue Ära. Der Lord hatte das gesamte Areal wieder so hergerichtet, wie es einst ausgesehen hatte und dabei stilsicher Wert bis auf das kleinste Detail gelegt. Wenn so jemand dort dann Rennen für klassische Automobile veranstaltet und eine Kleiderordnung ausspricht, sollte man nicht in Allerweltsklamotten erscheinen.

Mit Kinderfasching, wie viele nun vielleicht vermuten, hat dieser Event dennoch nichts zu tun. Es geht darum, Rennen zu fahren. Und zwar in zwölf Klassen auf einer ultraschnellen, 2,4 Meilen langen Strecke. "Hier wird mit wesentlich härteren Bandagen um Positionen gerungen als anderswo bei ähnlichen Veranstaltungen," erklärt Max Werner, der zusammen mit Claudia Hürtgen den Ferrari 250 GT SWB "Breadvan" in der GT-Klasse für Fahrzeuge ab Baujahr 1960 bis 1964 bewegt. Der Goodwood-Novize fällt besonders durch spektakuläre Drifts in der Schikane vor der Start-Ziel-Geraden auf. Das Team belegt nach zwei Trainingsläufen schließlich den siebten Startplatz für das Rennen am Sonntag.

Formel 1-Haudegen kämpfen hart um Positionen

Die Gegner: Mario Franchitti und Nick Mason (Ferrari 250 GTO) Derek Bell (Jaguar E-Type) und Martin Brundle, der ebenfalls einen E-Type um den Kurs scheucht. Allerdings einen, der von Formel-1-Designer Adrian Newey vorbereitet wurde. Werner und Hürtgen brennen förmlich darauf, sich mit diesen Fahrern in Goodwood zu messen. Doch das Schicksal meint es in diesem Jahr nicht sonderlich gut mit den beiden: Bereits in der ersten Rennrunde streikt die Kupplung des Ferrari.

Tatsächlich kommt es in allen Fahrzeugklassen zu überaus leidenschaftlichen Duellen auf der Strecke, was vom Publikum dankend registriert wird. Der Preis für den spektakulärsten Abflug geht in diesem Jahr an John Fitzpatrick, der seinen Austin Westminster in der Klasse der "Saloon Cars" in der bereits erwähnten Schikane nach Fremdkontakt auf dem Dach ausgleiten lässt. Kurz darauf lang anhaltender Szenenapplaus, weil niemand verletzt wurde und Sir Stirling Moss, Derek Bell und Emanuele Pirro den Schrotthaufen unbeschadet umfahren konnten.

In diesen Klasse hätte allerdings auch der Schweizer Marc Surer mit einem BMW 502 V8 an den Start gehen sollen. Doch der Wagen war nach einen technischen Defekt im Training auf die Schnelle nicht zu reparieren, so der Rennfahrer. Kurz davor hatte Surer jedoch im "Madgwick Cup" auf einem Lotus-BMW 23B den neunten Platz belegt. "Mit einem Tag mehr Vorbereitung wäre sicher ein Platz ganz vorn drin gewesen," erklärt Surer. Der ultraleichte Wagen mit seinem zwei Liter-Triebwerk sei ein Fahrzeug für Bergrennen, so dass die gesamte Abstimmung nicht zu den Anforderungen an eine Rundstrecke passen würde. Der Trip nach Goodwood hat sich dennoch für ihn gelohnt: "Die Atmosphäre ist einzigartig und durch nichts zu überbieten."

Weitere Infos: www.goodwood.co.uk

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