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Goodwood Revival Meeting 2011

Kampfstern Galaxie-Rennen

Goodwod Revival 2011 Foto: Eisele 22 Bilder

Unter der Regie des Earl of March bot auch die 14. Auflage des Goodwood Revival Meetings historischen Rennsport der Extraklasse. Viele Fahrerstars und erlesene Starterfelder von den Formel-3-Flitzern der frühen 1950er Jahre bis zur RAC TT Celebration mit wertvollen GT-Fahrzeugen lockten rund 150.000 Zuschauer nach West Sussex in Südengland.

19.09.2011 Dirk Johae Powered by

Der zweite Revival-Tag eröffnete mit einem der spannendsten Autorennen aller Zeiten. Dafür sorgte mit Frank Stippler auch ein deutscher Pilot. Der 36-jährige Rennprofi aus Bad Münstereifel startete im Maserati 8CM (Baujahr 1934), einem ehemaligen Auto des Earl Howe, in der Goodwood Trophy. Auf der regennassen, 3,8 Kilometer langen Piste kämpfte der Deutsche im Auto aus der Sammlung von Willi Balz über die gesamte Renndistanz an der Haftgrenze. Seite an Seite mit Michael Gans im ERA B-Type (Baujahr 1935) driftete Stippler durch Madgwick, Lavant und Woodcote.

"Wir haben vor dem Rennen neue Reifen aufgezogen, die nicht eingefahren waren", verriet Frank Stippler. "Deshalb habe ich auch am Start gleich einige Plätze verloren". Mit dem dunkelblauen Grand-Prix-Wagen, dessen 280 PS starken Reihenachtzylinder im Stil der Zeit vorn eingebaut ist, büßte Stippler seine dritte Startposition ein, kämpfte sich aber mit sehr guter Fahrzeugbeherrschung wieder in die Spitzengruppe und wurde Dritter nur 0,7 Sekunden hinter Julian Majzub in einem Alfa Romeo 308 C (Baujahr 1938), in der Dreiliter-Formel erfolgloser Herausforderer der Silberpfeile. Majzub betreibt übrigens eine Firma, die auf historische Rennreifen spezialisiert ist.   Mit Mac Hulbert sorgte ein ERA-Fahrer für den Auftaktsieg, der angemessene Start in das britische Rennwochenende.

Motosport der Spitzenklasse in Goodwood

Erstklassige Duelle, die vom fachkundigen Publikum in Goodwood bejubelt wurden, lieferten sich die Rennprofis im ersten Teil der St. Marys Trophy. Unter diesem Namen starteten auch in den 1960er Jahren die Tourenwagen-Kämpen auf dem Goodwood Circuit. „Meinen Ford Lotus Cortina hat Jimmy Clark gefahren“, sagte Emanuele Pirro mit glänzenden Augen. Im Rennen allerdings half der legendäre Vor-Fahre dem mehrfachen Le Mans-Sieger und begeisterten Fahrer im historischen Motorsport nicht. Während sich Paul Radisich im Ford Galaxie, Jackie Oliver im BMW 1800 Ti/SA, Tom Kristensen im Ford Lotus Cortina und Darren Turner in einem Mini Cooper S 1300 mitreißende Duelle lieferten, rollte Pirro in der zweiten Runde aus.

Das sehenswerteste Duell war der Generationen-Kampf zwischen dem dreifachen Tourenwagen-Weltmeister, BMW-Werksfahrer Andy Priaulx (37), im BMW 1800 Ti/SA und Renn-Legende Richard Attwood (71) im rotgoldenen Alan Mann-Ford Lotus Cortina um die sechste Position. Rennfuchs Attwood musste Priaulx ein Mal passieren lassen, fand aber kurz vor Rennende den Weg am weißen BMW vorbei und kreuzte mit 0,4 Sekunden Vorsprung die Ziellinie. Auch Robb Huff, der Zweite in der aktuellen Tourenwagen-Weltmeisterschafts-Tabelle, lieferte im Mini Cooper S ein beherztes Rennen und musste sich äußerst knapp mit 0,3 Sekunden hinter Eddie Cheever in einem weiteren BMW 1800 Ti/SA geschlagen geben. Huff wurde Neunter, während der Neuseeländer Paul Radisich, als Ford-Werkspilot zweifacher Tourenwagen-Weltcup-Sieger,  im Galaxie mit dem mächtigen Siebenliter-V8 vor Jackie Oliver gewann. Im zweiten Lauf der St. Marys Trophy, in dem die Amateur-Piloten der historischen Renntourenwagen am Steuer saßen, drehte Jackie Olivers Teamkollege Richard Shaw im BMW den Spieß um und passierte die Zielflagge vor James Wood im Ford Galaxie und Nick Swift im Mini Cooper S. Auch in der Gesamtwertung aus der Addition beider Rennen behielte Shaw und der ehemalige Le Mans-Sieger Jackie Oliver die Nieren-Nase der Neuen Klasse vorn.

Auf den achtmaligen Le-Mans-Sieger Tom Kristensen, der in der St. Marys Trophy mit Prinz Joachim von Dänemark ein Team bildete, wartete am Renn-Sonntag eine große Aufgabe. Gemeinsam mit dem Schweden Kenny Brack, dem Indy 500-Sieger von 1999, startete er als Pole Setter in einem Shelby Cobra Daytona Coupé (Baujahr 1964) in der Royal Automobile Club Tourist Trophy Celebration, eine Hommage an das TT Rennen, das vor 47 Jahren in Goodwood als Weltmeisterschaftslauf ausgetragen wurde. Damals gewann Graham Hill das Rennen in einem Ferrari 330P vor David Piper in seinem Ferrari 250 LM und Dan Gurney in einem AC-Cobra.

Berger verunfallt in AC Cobra

Beim Revival Meeting bewies das skandinavische Spitzenduo seine Klasse und gewann vor Martin Brundle und Mark Hales im Ferrari 250GTO aus der Sammlung von Nick Mason sowie dem erstmals in einem historischen Rennen eingesetzten Maserati Tipo 151, gefahren von den US-Amerikanern Derek Hill und Joe Colasacco. Das Coupé aus Bologna war das erste Auto, das in Le Mans die Spitzengeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde erreichte. Überschattet wurde die RAC TT Celebration durch einen Trainingsunfall am Freitag. Dabei kam Gerhard Berger im AC Cobra von Grahame Bryant von der Strecke und rutschte in einen Begrenzungswall. Berger blieb unverletzt, das Auto wurde aber so stark beschädigt, dass es neu aufgebaut werden muss.

Bereits am nächsten Tag startete der Österreicher im Jaguar E-Type Lightweight Coupé von Formel-1-Konstrukteur Adrian Newey in der Fordwater Trophy, die zum 50-jährigen Geburtstag der englischen Sportwagen-Ikone für die E-Types reserviert war. Berger führte überlegen, bis er das an Newey übergab und dabei genau eine Safetycar-Phase erwischte. Newey konnte sich erst am Ende Feldes einreihen und verlor das Rennen nach einem leichten Ausrutscher gegen Martin Stretton und Jon Minshaw. Jochen Mass und Chris Stahl kamen mit dem ehemaligen Minshaw-E-Type mit Low Drag Karosserie in dem stark besetzten Feld auf den neunten Rang.

Unfälle gehören leider dazu

Die ultraschnelle Rennstrecke in Goodwood sorgte bei wechselnden Streckenbedingungen, hervorgerufen durch einige Regenschauern, für einige Unfälle. Am schlimmsten erwischte es den Belgier Hubert Fabri, der mit seinem Aston Martin DBR4, einem Formel-1-Auto von 1959, am Ende der Lavant-Geraden in die Begrenzungsmauer prallte. Das Rennen wurde hinter dem Safety-Car abgewunken.

Das Goodwood Revival Meeting ist neben dem nur alle zwei Jahre ausgetragenen Grand Prix Historique von Monaco die prestigeträchtigste historische Rennveranstaltung der Welt. Rennfahrzeuge (Autos und Motorräder) der Extraklasse und eine Vielzahl bekannter Fahrer machen Besuch in Goodwood jedes Jahr zu einem unvergesslichen Erlebnis. Doch mit dem Prestige eines Erfolgs auf der historischen Strecke weckt auch den Ehrgeiz einiger Fahrer. „Es sollte hier weniger ums Gewinnen gehen sondern um die Freude mit den historischen Autos“, meinte der Italiener mit der großen Leidenschaft für historische Rennwagen. Da hatte seine Teamkollegin Desiré Wilson wohl gerade weggehört. Den in der Fordwater Trophy drehte sich die ehemalige Formel-1-Fahrerin mit dem E-Type, den sie gerade von Pirro übernommen. Kurze Zeit später knallte sie mit dem ehemaligen Auto von Graham Hill in die Begrenzung der Schikane und verformte die runde Frontpartie heftig.

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