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Google-Datenbrille im Check

Direkter Weg zur Seele?

Google-Brille, Alexander Mankowsky Foto: Daimler 6 Bilder

Datenbrillen erobern künftig das Auto-Umfeld. Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky hat deshalb Google Glass mit Redakteurin Birgit Priemer getestet.

24.12.2014 Birgit Priemer

Nicht erst seit der NSA-Affäre geht die Angst vor dem Verlust der eigenen Privatsphäre um. Auch Errungenschaften wie die Google-Datenbrille lösen durchaus Misstrauen aus. Dabei experimentieren auch die Autohersteller nach der Einbindung des Smartphones mit Datenuhren und -brillen. Was das bringt? Eine Erweiterung des Navigationssystems zum Beispiel. Kann ich mein Ziel nicht komplett mit dem Auto erreichen, sondern muss den Rest zu Fuß gehen, übernimmt die Brille die Navigation der letzten Meter. Ein weiterer Baustein neuer Mobilitätskonzepte, zumal ich mir hier auf Zuruf alternative Verbindungen mit Bus und Bahn anzeigen lassen könnte – oder mich über eine entsprechende App über den Ladezustand des Fahrzeugs, Reichweite oder den aktuellen Aufenthaltsort informieren kann.

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Datenbrille im Check Google Glass im Alltag
auto motor und sport 25/2014
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Zusammen mit Daimler-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky nutzt auto motor und sport in Mountain View unweit der Google-Zentrale die Gelegenheit, die Brille auszuprobieren. Der kleine Mini-Computer sollte längst zu Preisen um 1500 US-Dollar im Handel sein, ist aber immer noch nicht serienreif. Was Diskussionen auslöst: Die Brille bietet die Möglichkeit, unauffällig die Umgebung des Trägers auszuspähen – was durchaus stimmt: "Take a picture" – diesem Befehl folgt das 54 Gramm schwere Gerät problemlos. Google Glass funktioniert nur mit der Anbindung an ein iPhone oder Android, was am ersten Abend unseres Versuchs fehlschlägt: "Ein ganz schön persönliches Device", murmelt Zukunftsforscher Mankowsky, als er versucht, Brille und iPhone zu koppeln.

Erweitertes Navigationssystem

Am nächsten Morgen klappt das im Mercedes-Forschungsstudio Sunnyvale besser – und wir wollen wissen, ob die Brille uns zu einem gewünschten Ort führen kann: "O.k. glasses", diktiere ich, "go Palo Alto." Kurze Berechnungszeit, und dann zeigt sie mir auf, dass es exakt 7,60 Meilen sind, die wir zu Fuß in zweieinhalb Stunden zurücklegen könnten. Mankowsky und ich marschieren los – und fühlen uns ein bisschen wie Soldaten, die den sehr knappen Anweisungen des Systems folgen müssen: "Es fehlt irgendwie der Spaß, oder?", kritisiert der Zukunftsforscher. Stimmt, aber das System schafft unseren Kurztest mit Bravour.

Wir lassen uns die Außentemperatur anzeigen, akzeptieren Werbeeinblendungen und fragen nach den Himmelsrichtungen. Funktioniert einwandfrei, wenn man den Druckpunkt des kleinen, in den Brillenarm integrierten Touchpads erwischt hat. "Wenn man die Hände voll hat, ist so eine Brille natürlich gut", attestiert Mankowsky, der sein Misstrauen noch nicht abgelegt hat. Schon im nächsten Jahr wird es aber Hersteller geben, die eigene Datenbrillen mit den Kamerasystemen des Autos kombinieren und so das Sichtfeld des Fahrers erweitern. Das kann Google Glass noch nicht.

Beim Laufen vibriert die Brille

Dafür aber Verkehrsinformationen und die neusten Nachrichten einblenden: "Amerikaner in Jerusalem getötet" spiegelt uns die Brille in die Gläser ein. "Wer will das denn wissen?", fragt sich Mankowsky, der für sich beschließt, dass ihm "die Sache zu nahegeht: Ich habe gerne eine gewisse Distanz zu den Dingen und überlege mir als Zukunftsforscher ganz genau, welche Informationen etwas bringen."

Ich laufe mit der Brille über die Straße, wobei die Gläser leicht anfangen zu vibrieren, was meinem Magen nicht guttut. Es gibt ein Argument von Mankowsky, das mich besonders überzeugt: "Das Auge ist direkter Eingang zur Seele. Soll ich den einer hellsichtigen Brille überlassen?" Zweifel sind in der Tat angebracht.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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