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Gran Premio Nuvolari

Dreier mit Ansage

Gran Premio Nuvolari, BMW 328, Sienna Foto: René Photo Collection 19 Bilder

Motor Klassik ist mit einem BMW 328 unterwegs, diesmal beim Gran Premio Nuvolari, der zweitwichtigsten Oldtimerrallye Italiens. Auf den Beifahrersitz haben wir ein 328-Urgestein gebeten: Uli Sauer.

23.10.2012 Dirk Johae Powered by

Einen besseren Beifahrer für den BMW-Sportwagen kann es nicht geben: Seit 42 Jahren fährt der Iserlohner selbst einen BMW 328. Sauer hat mit dem offenen Sportwagen schon alles erlebt: Mille Miglia, Rallye Monte-Carlo Historique, Prix Maritim an der Ostsee - und 40 mal den AvD-Oldtimer-Grand-Prix.

1.077 km in 25 Stunden

25 Stunden sitzen wir gemeinsam im Auto, verteilt auf drei Tage, legen von Mantua nach Rimini und retour beim Gran Premio Nuvolari insgesamt 1.077 Kilometer zurück. Die Oldtimerrallye für Autos bis 1969 ist die jüngere Schwester der Mille Miglia, gilt als wesentlich entspanntere Variante und folgt in der Rangfolge der italienischen Veranstaltungen auf dem zweiten Platz: "Nach der Mille Miglia kommt direkt der Gran Premio", bestätigt Giuliano Cané, der die nach dem italienischen Rennfahrer Tazio Nuvolari benannte Rallye schon sechs Mal gewonnen hat.

Statt mit einem offenen BMW 328 MM-Roadster wie bei der Mille Miglia stellt er sich gemeinsam mit seiner Frau diesmal in einem geschlossenen Lancia Aprilia von 1938 der hauptsächlich aus Italien stammenden Elite der Teams, die die Gleichmäßigkeitsprüfungen beherrschen wie niemand anders auf der Welt. Dabei sind einige der historischen Autos im Fahrgastraum mit elektronischen Hilfsgeräten gespickt, wie ein Düsenjet: Sie sollen helfen, die Druckschläuche zur Zeitmessung in den Prüfungen auf die Hundertstelsekunde genau zu treffen. Gegen den elektronischen Firlefanz komme ich mir mit unserer mechanischen Stoppuhr vor wie ein Pferdekutscher in der Rushhour einer Großstadt.

1938 holt der BMW 328 bei der Mille Miglia den Klassensieg

Uli Sauer ist die mechanische Uhr gewohnt, aber das Gleichmäßigkeitsfahren ist nicht sein Metier. "Fahrerisch ist das doch anspruchslos", meint er. "Ich hab‘ dich ja gewarnt: Mit Gleichmäßigkeiten hab ich es nicht so." Dennoch hat der 70-jährige BMW-Fan die Einladung begeistert angenommen, denn während unserer Tour durch Italien steht letztlich nur eine Zahl im Vordergrund: 328.

Als dieser niedrige und leichte Sportwagen BMW 328 mit der sehr modernen Karosserieform 1936 zum ersten Mal beim Eifelrennen in der Öffentlichkeit zu sehen war, fuhr Tazio Nuvolari auf einem Alfa Romeo Grand-Prix-Wagen, hatte aber gegen Bernd Rosemeyer im Auto Union keine Chance. Ob der Mantuaner, den viele für den besten Rennfahrer aller Zeiten halten, von dem deutschen Sportwagen damals Notiz nahm, ist nicht überliefert.

Spätestens aber bei der Mille Miglia 1938 in seiner Heimat dürfte Nuvolari den Sechszylinder-Sportwagen bemerkt haben, auch wenn er damals selbst nicht startete: Als Gesamtachte gewannen die Engländer Fane/James auf BMW 328 die Klasse der Sportwagen bis zwei Liter Hubraum.

Uli Sauer kaufte seinen BMW 328 für 8.000 Mark

Uli Sauer sah den ersten BMW 328 in den 1950er Jahren: "Ich war hin und weg - die Form, die Kraft und der Sound. Das war mein Traumauto." 1970 kann er sich endlich einen kaufen. Nach dem Hinweis eines Freundes bezahlt er beim Händler in Osnabrück 8.000 Mark, der Neupreis eines VW 1302 LS Käfer Cabriolets. Seither fährt er den weißen BMW 328, bis heute unrestauriert. Deshalb möchte er im Exemplar von BMW Classic auch selbst ein Stück des Gran Premio Nuvolari fahren. So sitzt er auch der richtigen Seite, als während der Schlussetappe hinter Ferrara ein Stück der Route über einen Deich entlang des Po führt. Es ist eine der schönsten Passagen der ganzen Strecke.

Auch vom BMW aus dem Jahr 1937 ist Sauer begeistert: "Der fährt besser als meiner", sagt er mit zufriedener Miene und gibt noch bisschen mehr Gas, während der heftige Seitenwind einige Seiten des bibeldicken Bordbuchs in Flugblätter verwandelt.

780 kg leichtes Sportgerät

Aber das Finden der Route ist gar kein Problem: Die Organisatoren von Mantova Corse haben wirklich jede Kreuzung, jeden Kreisverkehr und jeden Abzweig mit einem Richtungspfeil versehen. Es ist fast unmöglich, sich zu verfahren. Der größte Unterschied zur Mille Miglia sind aber die fehlenden Zuschauer. Nur vereinzelt stehen sie an der Strecke, sind jedoch ebenso begeistert und winken euphorisch den Klassikern zu. Mit dem rauchig-heiser tönenden Sechszylinder scheint der schwarze Deutsche genauso beliebt zu sein wie eine heimische bella macchina.

Den größten Fahrspaß bietet der 780 Kilogramm leichte Zweisitzer auf den kurvigen Bergstraßen, mit denen die zweite Etappe gespickt ist, die von Rimini zum Wendepunkt Siena und wieder zurück führt. Dabei spielt der BMW 328 seine Stärken aus. Nur die Bremsen verlangen einen soften Versteher, der das Auto bergab lieber im Schiebebetrieb rollen lässt.

Wie schon am Vortag endet die Etappe auf der Rennstrecke von Misano, die nach dem 2011 tödlich verunglückten Motorradrennfahrer Marco Simoncelli benannt ist. Für die Zweirad-Teams, die auf der 4,2 Kilometer langen Piste ihr Wochenende verbringen, sind die rund 250 historischen Autos des Gran Premio eine willkommene Abendunterhaltung.

In Misano werden 11 Prüfungen gefahren

Gleich 11 Gleichmäßigkeitsprüfungen sind innerhalb von 2 Runden zu absolvieren, ein Siebtel von insgesamt 77 des Gran Premio. Das sind rund 50 Prozent mehr als bei der Mille Miglia.

Weiterer Unterschied: Es gibt keine Tabelle mit den festgelegten Koeffizienten für die einzelnen Modelle, sondern es wird mit Hilfe des jeweiligen Baujahrs ein Koeffizient gebildet. Je älter das Auto ist, umso kleiner fällt der Multiplikator für die Strafpunkte aus. Mit 1937 liegen wir da gar nicht schlecht, mit unserer Handstoppuhr, die gefühlt aus dem gleichen Jahr stammen könnte, hingegen schon. Also genießen wir die Landschaft und besonders die letzten Kilometer des Tages über die Strandpromenade entlang der Adria.

Historisches Vorbild

Wie die Mille Miglia hat auch der Gran Premio Nuvolari ein historisches Vorbild: Nach dem Tod des Rennfahrers 1953 wurde eben bei diesem Straßenrennen für den Abschnitt von Cremona über Mantua bis nach Brescia eine zusätzliche Wertung mit diesem Namen eingeführt.

Seit 1991 gibt es die Oldtimerrallye, die bis auf eine Ausnahme stets von einem italienischen Team gewonnen wurde. Diese Tradition setzen dieses Mal Andrea Vesco und Andrea Guerini fort, die mit dem Fiat 508 S von 1934 ihren Erfolg von 2010 wiederholen. Sie fahren zwar eines der ältesten Autos mit einem der kleinsten Motoren im Feld, aber mit einem generalstabsmäßig organisierten Begleitservice inklusive einer eigenen Benzinversorgung sind sie die Größten. Wir landen schließlich auf dem 163. Gesamtplatz - aber da klingt doch 328 wirklich viel schöner.

Ergebnis Gran Premio Nuvolari 2012

21. bis 23. September 2012, Streckenlänge 1.077 km mit 77 Wertungsprüfungen

1. Vesco/Guerini (I) Fiat 508 S (1934)
2. Cané/Galliani (I) Lancia Aprilia (1938)
3. Sisti/Gregori (I) Riley Sprite (1936)
4. Salivinell/De Marco (I) Alfa R. 6C 1500 SS (1928)
5. Gamberini/Fabbri (I) Alfa R. 6C 1750 GS (1930)
6. Lenzi/Cadoppi (I) Alfa R. 1900 Super (1955)

Alle Ergebnisse unter www.gpnuvolari.it

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