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Grand Prix Historique Monaco

Rush Hour

Foto: Dino Eisele 15 Bilder

Der Grand Prix Historique von Monaco zählt zu den Golden Events im historischen Motorsport. Ein Startplatz in dem nur alle zwei Jahre ausgetragenen Rennen gilt in der Szene als Ritterschlag.

04.08.2008 Dirk Johae Powered by

Für ein goldenes Jubiläum erwartet man gemeinhin eine stilvollere Bühne als eine ins Felsmassiv eingelassene Tiefgarage fernab vom Hauptfahrerlager - doch die Fahrer der historischen Formel Junior, die gerade das 50-jährige Jubiläum der Rennserie feiern, sind froh, überhaupt noch einmal im Fürstentum von Monaco starten zu dürfen. Denn eigentlich hatte der Automobil Club von Monaco erstmals einen Lauf für historische Formel-3 vorgesehen. Woraufhin Formel Junior-Impressario Duncan Rabagliati, im Hauptberuf Rechtsanwalt im Londoner Vorort Wimbledon, großes Verhandlungsgeschick aufbieten musste, um die Monegassen noch einmal umzustimmen: "Unsere Jubiläumstournee ohne Monaco - undenkbar!" Er dankt es mit einem Feld von erlesenen Formel-Junior-Rennwagen in der ursprünglichen Gestalt mit Frontmotor und überwiegend italienischer Abstammung.

Auswahl der historisch wertvollsten Rennwagen

Für einen der wenigen britischen Farbtupfer sorgt der Deutsche Heinz Stege: Der 71-Jährige rollt mit seinem Elva-BMC an den Start auf dem Boulevard Albert Premier. "Es ist ja wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, mit meinem Auto hier dabei zu sein." Die ergriff auch Simone Stanguellini, der 36-jährige Enkel des Rennwagenkonstrukteurs aus Modena. Der Familienbetrieb baute vor 50 Jahren den ersten Formel-Junior- Rennwagen. Mit einem solchen Modell gewann der Schweizer Michel May im Jahr darauf den ersten Formel Junior-Grand Prix vor dem Großen Preis von Monaco.

Eine Wiederholung des historischen Erfolgs scheint aber schon nach dem Training in weiter Ferne zu liegen. Zu deutlich beherrschen Monaco-Veteran Tony Goodwin im Gemini-Ford und Professor John Monson im BMC, einem amerikanischen Fabrikat, das Geschehen im fürstlichen Leitplankenkanal.

Der Andrang der Starter beim Grand Prix Historique ist so groß, dass die Organisatoren nur die historisch wertvollsten Rennwagen zulassen können. Darunter ein schwarzer Maserati 6CM: Vor zwei Jahren noch feierte Stefan Schollwoeck mit diesem Auto den Gesamtsieg im Rennen der Vorkriegs-Monoposti. Als er das Auto an Willi Balz verkaufte, ging auch gleich der Startplatz an den neuen Eigner über. "Ich saß vor vier Jahren da oben auf der Tribüne", erzählt der 48-Jährige mit glänzenden Augen: "Jetzt bin ich selbst dabei."

Im Training stellt der Monaco-Neuling den hochbeinigen Rennwagen auf die vierte Position. Die Reihe der anerkennenden Gratulanten reißt nicht ab. "Das Auto ist wirklich sehr gut und verzeiht Fehler", ordnet der Windanlagenbauer seine Leistung ein. Ins Rennen startet der Schwabe mit überraschender Routine, im Kampf um die Spitze aber kann und will Balz nichts ausrichten.

Die spannende Entscheidung machen Julian Bronson im ERA und Matt Grist im Alfa P3 unter sich aus. Der Alfa trägt noch die Originalkarosse von 1934, als Louis Chiron damit Zweiter wurde. Das hindert Grist nicht daran, den in Führung liegenden ERA über die gesamte Renndistanz unter Druck zu setzen. Letztlich aber bleibt es beim zweiten Platz - wie schon vor 74 Jahren. Im Fahrerlager spendet Vater Paul Trost: "Hauptsache, du hast dich und das Auto heil ins Ziel gebracht."

Willi Balz wird Dritter und nimmt mit dem Stolz eines kleinen Jungen im Gesicht auf dem Ehrenbalkon den Pokal entgegen. "Ich habe Glück gehabt, dass einige Mitstreiter ausgefallen sind." Dazu zählt auch Landsmann Rüdiger Ott, der nach einem verpatzten Start bei der bravourösen Aufholjagd seinen ERA unsanft an der Leitplanke parkt.

Jackie Ickx ist fasziniert von 16 Zylindern

Wesentlich mehr Muße gönnt sich Jacky Ickx. Der Belgier ist im Auto Union Typ C mit dem 16-Zylinder-Motor die 3,34 Kilometer lange Strecke für ein paar Runden ganz allein. "Es war eine einmalige Gelegenheit, dieses unglaubliche Auto hier zu fahren", schwärmt selbst ein ehemaliger Formel-1-Fahrer und sechsfacher Le Mans-Sieger. Er ergänzt: "Man muss sich klarmachen, dass Fahrer wie Bernd Rosemeyer, Hans Stuck oder Achile Varzi damals bei einem Rennen hier über dreieinhalb Stunden am Steuer saßen."

Weit kürzer ist das Vergnügen der Piloten in den Rennen des GP Historique. Rund 25 Minuten hetzen die Rennwagen aus der bald 80-jährigen wechselvollen Geschichte des exklusiven Grand Prix durch den Leitplankenkanal. Der Amerikaner Duncan Dayton ist dabei der ungekrönte Herrscher des Kurvengeschlängels im Fürstentum: In diesem Jahr sichert er sich die Siegerpokale sieben und acht. Nach dem Erfolg mit seinem Lotus 16 Climax gegen Joaquin Folch trifft er auch im Formel-1-Rennen auf den Spanier. Dayton behauptet von der besten Startposition aus 15 Runden lang die Führung im Brabham BT33-Ford. Folch, der sich im McLaren M23-Ford nicht abschütteln lässt, fehlen im Ziel nur 0,2 Sekunden.

Das Rennen der Formel-1-Fahrzeuge bis 1978 geht an eine rein amerikanische Paarung. Paul Edwards dominiert im Penske PC3-Ford ab dem ersten Training das Geschehen. Der 30-jährige Rennprofi hat noch eine Rechnung offen: Vor zwei Jahren rutschte er beim Kampf um die Spitze in der letzten Runde in die Leitplanke. Sein Gegner war damals Martin Stretton, der sich bei jenem Rennen mit dem Tyrrell P34-Ford den dritten Monaco-Erfolg sicherte. In diesem Jahr dagegen scheiterte der schnelle Brite an einem Defekt in der Benzinzufuhr des sechsrädrigen Monoposto.

Einen Blick zurück wirft auch Heinz Stege. "Vor vier Jahren war ich zum letzten Mal hier", erinnert sich der Fahrer des Elva Formel Junior. "Damals habe ich den Start verpatzt und bin in der letzten Runde in St. Devote von der Strecke gerutscht." Dieses Mal hat Heinz Stege Glück, passiert die Zielflagge als Fünfter und schließt seine Monaco-Erinnerungen mit einem Happy End. Das gelingt schließlich auch Simone Stanguellini. Mit dem dritten Platz rettet er die Familienehre der Formel- Junior-Geburtshelfer im vielleicht letzten Rennen der ehemaligen Nachwuchsserie auf den Straßen von Monte-Carlo.

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