Great Wall : Erster China-Autobauer mit EU-Werk

Great Wall

Der Autobauer Great Wall baut als erster chinesischer Hersteller ein Werk in der Europäischen Union.

Erstmals laufen chinesische Auto in Europa vom Band. Konzerne aus dem Reich der Mitte kaufen angeschlagene europäische Edelmarken wie Volvo. Wie einst die Japaner und die Koreaner haben die ersten Chinesen den langen Marsch auf Europas Automärkte aufgenommen.

"Wir nehmen unser Montagewerk in Bulgarien im Februar in Betrieb", sagte der Marketing Direktor des privaten Autoherstellers, Wang Shihui, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Fabrik sei so gut wie fertig.

Aus dem Standort in der Stadt Lowetsch wolle das Unternehmen auch andere Länder beliefern, darunter Rumänien und die Türkei. Im ersten Jahr sollen 8.000 Fahrzeuge verkauft werden.

Great Wall will zunächst Schweden und Norwegen erobern

Von Osteuropa aus werde man dann in den Norden vorstoßen, kündigte Wang in der FAZ an. 2015 wolle die Gesellschaft in Schweden und Norwegen präsent sein, danach in Großbritannien. Deutschland sei wegen des starken Wettbewerbs und der hohen Anforderungen der letzte europäische Markt, den Great Wall anpeile. "Aber wir wollen dahin, je schneller, umso besser", sagte Wang.

Zwar brauchen die Hersteller aus dem Reich der Mitte noch Zeit, aber Europas Autobosse werden sich auf die ehrgeizigen Chinesen einstellen müssen. Das erste chinesische Autowerk in Europa hat gerade der Autokonzern Great Wall in Lowetsch in Bulgarien fertiggestellt. Vor einer Woche lief dort mit dem "Great Wall Voleex C10" das erste chinesische Auto Made in Europe vom Band. Auch sollen die Geländewagen Hover H5 und Steed gebaut werden. Anfang nächsten Jahres beginnt die Serienproduktion - "zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen", wie die bulgarische Nachrichtenagentur Sofia befand.

Auf der Internationalen Automesse im südchinesischen Kanton messen sich diese Woche die aufstrebenden chinesischen Produzenten schon sehr selbstbewusst mit ihren großen internationalen Konkurrenten. Noch exportieren sie meist Billigwagen nach Russland und Osteuropa, den Nahen Osten oder Afrika, haben aber auch die USA, Westeuropa und letztendlich auch Deutschland im Blick. Das neue Great Wall-Werk hat eine Kapazität von 50.000 Autos, die nicht nur für Bulgarien, sondern auch für andere europäische Länder bestimmt sind.

Chinesische Autohersteller sollten nicht unterschätzt werden

Das Schicksal chinesischer Marken wie BMW-Partner Brilliance, der schon beim europäischen Crash-Test gegen die Wand gefahren war, soll sich nicht wiederholen. Auch in punkto Sicherheit wollen die Chinesen jetzt mithalten. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt Chinas Autohersteller zwar "heute noch schwach" ein, warnt aber davor, sie zu unterschätzen: "Great Wall, Chery, Geely, Foton und andere lernen schnell laufen." In Russland hätten chinesische Autobauer wie Lifan und Chery mit 150 Prozent die größten Zuwachsraten, sagte der Direktor des Centers für Centers Automotive Research (CAR).

Die Strategie sei klar: "Erst China und die Märkte der Schwellenländer gewinnen und dann die dicken Brocken im Export knacken", verweist Dudenhöffer auf die USA und Westeuropa mit Deutschland. Nach dem Erwerb der schwedischen Traditionsmarke Volvo könnte sich Geely als "einer der bald aggressiveren" Wettbewerber entpuppen, sagte Dudenhöffer. Durch die Übernahme angeschlagener europäischer Autounternehmen wollen sich die Chinesen auch nötige Technologie sichern. Etablierte Konzerne halten dagegen. So blockt der US-Konzern General Motors gerade den Verkauf des schwedischen Autobauers Saab nach China. Um zu verhindern, dass seine Technik den Chinesen in die Hände fällt, will General Motors seine Lizenzen für Saab-Bauteile nicht verlängern.

Möglichkeiten in China viel größer als in Europa

Wann mit ernster Exportkonkurrenz aus China zu rechnen ist, vermag aber noch niemand zu beantworten. Immerhin ist der Automarkt in China selbst der größte der Welt und wächst trotz einer Abkühlung noch so stark, dass die Möglichkeiten für Chinas Hersteller auf dem vertrauten Heimatmarkt viel größer sind als im stagnierenden Europa. "Ich denke, sie werden eines Tages dahinkommen, aber nicht so schnell", sagte auch Volkswagen-China-Chef Karl-Thomas Neumann. "Ich tendiere zu fünf bis zehn Jahren. Sie brauchen noch mehr Zeit."

Die Chinesen werden nicht aufzuhalten sein, ist sich Professor Dudenhöffer sicher. "Das geht Stück für Stück." Durch Exporte und chinesische Fabriken dürften chinesische Autos schon 2015 auf den Straßen Osteuropas klar erkennbar sein. "Was heute die Koreaner, sprich Hyundai und Kia, sind, wird in spätestens 15 Jahren Geely, Great Wall oder Chery heißen", sagte Dudenhöffer. "Also, die VWs dieser Welt sollten die Chinesen sehr, sehr ernst nehmen."

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dpa

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