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Der größte Lego-Technik Bausatz

Die Lust an der Lego-Last

Lego-Technik, Modell, Kran Foto: Dino Eisele 24 Bilder

Es ist alles andere als Kinderkram, das komplexeste Lego Technic-Modell aller Zeiten aufzubauen. Aber zum Schluss siegt die kindliche Freude, aus mehr als 2.600 Teilen etwas wirklich Großes erschaffen zu haben.

10.01.2014 Martin Häußermann Powered by

Es herrscht eine entspannte Atmosphäre im Konferenzraum. Drei der vier Teilnehmer sind schon da, die Getränke stehen auf dem Tisch, der ansonsten aber blitzblank ist. Und das ist gut so. Schließlich wird hier heute nichts besprochen, sondern gebaut. Anlass war eine rhetorische Frage auf der Homepage des dänischen Spielwarenproduzenten Lego: „Bist du bereit für das größte und komplexeste Technic-Modell aller Zeiten?“ Na klar! Wer sich tagtäglich mit Autos und deren Technik beschäftigt, für den können 2.606 Einzelteile, die sich zu dem Modell 42009 eines mobilen Schwerlastkrans zusammenfügen lassen, ja nun nicht das ganz große Problem sein. Zumal sich der Autor im Rahmen mehrerer Reportagen schon mit den großen Vorbildern unseres Lego-Modells beschäftigt hat. Das muss ein Liebherr-Kran sein, vermutlich ein LTM 1130-5.1.

Lego Technic mit verständlicher Bauanleitung

Die Erfahrung mit Lego Technic allerdings beschränkt sich auf kleine Hilfsarbeiten, als der ältere, damals 15-jährige Sohn einen großen Abschlepp-Truck aufbaute.

Macht der große Karton, den der Fotograf gerade abgelichtet hat, schon Eindruck, wird’s nach dem Öffnen desselben noch imposanter. Ein beeindruckender Haufen transparenter Plastiktüten breitet sich über dem Tisch aus. Bedruckt ist die Folie mit den Ziffern 1, 2 und 3, was den Baugruppen Fahrgestell, Kranhaus und Ausleger zuzuordnen ist. Dazu gesellt sich die Anleitung: ein sechsbändiges Werk mit jeweils rund 80 Seiten. Heft 1 bis 3 betreffen das Fahrgestell und sind damit für den Autor als Projektverantwortlichen reserviert, die Bände 4 und 5, die den Aufbau des drehbaren Kranhauses beschreiben, gehen an den Volontär Luca Leicht, sein Kollege Max Hilger nimmt sich des Auslegers (Band 6) an.

Die Aufbauanleitungen nötigen allen Beteiligten Respekt für die Konstrukteure ab: „Das ist wirklich klar und eindeutig“, lobt Max, der nach eigenem Bekunden „früher mal Lego gespielt“ hat, aber mit Lego Technic keinerlei Erfahrung hat. Luca ergänzt: „Die Farbcodes der Teile sind super, da kann man eigentlich nichts verwechseln.“ Aber nur fast. Mit den drei Zahnrädern unterschiedlicher Größe, aber selber Farbe bekommen alle Aufbauhelfer im Laufe des Tages noch ihre Probleme.

Der Autor hätte sich außerdem noch gewünscht, dass die verschiedenen Tüten den einzelnen Bänden der Bauanleitung zugeordnet wären. Das wäre der Ordnung auf dem Tisch enorm zuträglich gewesen und hätte vermutlich auch die Aufbaugeschwindigkeit erhöht. So aber müssen immer wieder neue Tüten aufgerissen werden, sodass sich anfangs ein großer Mischmasch an Teilen unterschiedlichster Größe aufhäuft. Aus diesem Konglomerat immer das gerade passende Element herauszufinden, ist zunächst die größte Herausforderung. In weiser Voraussicht haben die drei Lego-Bauer ihre Reviere klar abgetrennt, was ein totales Chaos verhindert.

In 80 Seiten zum Fahrgestell

Max avanciert zum Liebling des Fotografen. Dieser lobt: „Bei dem geht wenigstens was vorwärts“, lichtet den Baufortschritt ab und macht damit Druck auf die Kollegen. Auch das Kranhaus, die „Schaltzentrale des Geräts“, wie es Luca bezeichnet, entwickelt sich. Nur beim Fahrgestell ist zunächst kaum ein Baufortschritt sichtbar. Zur Ehrenrettung des Autors sei gesagt, dass es sich über 80 Seiten Bauanleitung hinzieht, bis bloß einmal der komplette Rahmen mit seinen fünf Achsen – vier davon gelenkt – auf dem Tisch liegt.

Immer wieder schneien Kollegen herein, feixen ob der teilweise ratlosen Gesichter des Aufbauteams und geben vermeintlich gute Tipps. „Das kann doch nicht so schwer sein, ich hab’ früher auch schon damit gespielt“, ist die Quintessenz der schlauen Sprüche, die das Trio im Laufe des Tages zu hören kriegt. Aber ich war ja gewarnt. Vier Tage habe er für den Aufbau des Krans gebraucht, berichtete mir ein Kollege, der viel in der Uhrenbranche unterwegs ist und sich daher mit Zahnrädern und filigraner Technik auskennt.

Lego-Fans: Zwischen Genie und Wahnsinn

Die Äußerungen des Users „pauliseppl“ im Lego-Forum sorgten ebenfalls für Skepsis: „Konnte es kaum erwarten, bis Lego den Kran auf den Markt brachte. Habe gleich zwei Stück gekauft. Aus beiden Sets habe ich dann eine modifizierte Version gebaut. Bei meinem Modell werden alle acht Funktionen mit separaten Motoren über die Infrarot-Fernbedienung gesteuert. Habe den Fünfachser erweitert in einen Sechsachser. Dadurch konnte der Teleskoparm um zirka 20 cm verlängert werden und kann jetzt auf eine Länge von rund 1,2 Meter ausfahren.“ Der Typ muss wahnsinnig sein oder ein Genie. Oder beides.

Uns reicht die Herausforderung des Originalbaukastens restlos. Inzwischen wurde der 26-jährige Max, der noch einen weiteren Termin hatte, vom 12-jährigen Max abgelöst, der gleich nach der Schule ins Redaktionshaus eilte. Unbekümmert und mit großem Elan schiebt der kleine Max seinen Papa zur Seite: „Lass mich mal!“ Die Pause kommt dem Autor gerade recht. Steinchen sortieren und anreichen, das ist jetzt genau das Richtige. Leichte Erschöpfung macht sich breit. Der Chef betritt zum wiederholten Mal das Konstruktionsbüro und fragt besorgt nach einer „Exit-Strategie“. Aufhören? Jetzt? Unmöglich!

Ein großartiges Geschenk – auch für Erwachsene

Luca bekommt nun das, was Ausdauersportler als „zweite Luft“ bezeichnen, und modifiziert seine Pläne für den späten Nachmittag: „Eigentlich wollte ich heute ja noch meine V8-Geschichte fertig machen, aber das ziehen wir hier jetzt durch. Außerdem ist das Modell ja auch ein V8.“ Als es fast fertig ist, stellen wir fest, dass es irgendwo an der Kraftübertragung hakt, was Luca zu dem wohl wichtigsten Ratschlag für alle Lego Technic-Bauer führt: „Man darf nicht den Ikea-Fehler machen und versuchen, schlauer zu sein als die Anleitung.“ Den Fehler später zu identifizieren und auszumerzen, kostet weitaus mehr Zeit, als alles etwas langsamer und dafür genau nach Bauanleitung zusammenzusetzen.

So dauert es bis 19 Uhr, bis sich das Team abklatschen darf und der Fotograf das Schlussfoto mit dem aufgebauten Modell im Kasten hat. Netto 24 Mannstunden haben wir also gebraucht. Aber man muss nicht unbedingt zu dritt sein, wie Luca zum Schluss noch fast philosophisch anfügt: „Dann baust du halt alleine 14 Tage daran, jeden Abend nach der Arbeit ein bisschen. Das ist mindestens so entspannend wie ein Puzzle, aber viel cooler.“

Sein Fazit: „Ein großartiges Geschenk – auch für Erwachsene.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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