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Große Namen im Automobilbau

Béla Barényi und Bruno Sacco - Teil 1

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Béla Barényi, Vater der Passiven Sicherheit im Automobilbau, und Bruno Sacco, Designer-Ikone und jahrzehntelanger Stilistik-Chef bei Mercedes-Benz, wurden am 6. März in Genf auch in die European Hall of Fame aufgenommen. Rückblick auf zwei einzigartige Karrieren. 

15.01.2009 Harry Niemann Powered by

Sicherheit und Schönheit prägen die Marke mit dem Stern. Und immer sind es Menschen, die hinter den Markenqualitäten stehen. Nicht selten sind es Einzelne und ihre Ideen, die Geschichte machen. Oftmals im Widerspruch zu Meinung und Wollen der Zeitgenossen, denen bisweilen der Tellerrand den Blick in die Zukunft versperrt. Einer dieser besonderen Gattung war zweifellos Béla Barényi.

Was ist falsch konstruiert? - Alles!

Er wird am 1. März 1907 im heutigen Tschechien geboren, damals noch Teil der österreichischen Monarchie. 1939, noch als Sachbearbeiter, nimmt Barényi seine Tätigkeit in Sindelfingen auf. Dies mit Wissen und Segen des Vorstandsvorsitzenden Dr. Wilhelm Haspel. Karl Wilfert, langjähriger Leiter der Karosserieentwicklung, hatte dieses recht ungewöhnliche Gespräch für seinen ehemaligen Arbeitskollegen vermittelt.
Dass er sich allerdings so radikal und undiplomatisch gegenüber dem Generaldirektor äußern würde, damit hatte Wilfert nicht gerechnet. Auf die Frage, was an den Autos seiner Meinung nach falsch konstruiert sei, antwortete Barényi: "Alles!"

Dann erläuterte er im Detail, wie eine moderne Fahrgestell und Karosseriekonzeption in seinen Augen auszusehen habe. Vorausgegangen war solcherlei Selbstbewusstsein das Studium an einer technischen Lehranstalt in Wien, das er 1926 mit Auszeichnung abschloss.

Der Titel seiner Diplomarbeit "Sechszylinder-Benzinmotor für eine Leistung von 50 PS bei 3.600 U/min" hört sich im Vergleich zu seinen frühen Konzepten wenig spektakulär an. Im Rahmen seines Studiums hatte er bereits eine Grundlagenkonzeption für einen Volkswagen vorgelegt - lange bevor Ferdinand Porsche mit seinen Arbeiten begann. Barényis Volkswagen verfügt über eine stromlinienförmige Karosserie, einen Zentralrohrrahmen sowie einen Boxermotor im Heck.

Erfinder des Volkswagen-Grundkonzeptes

Sein Entwurf erhält sogar als herausragendes Detail eine Sicherheitslenkung mit Vierspeichen-Lenkrad. Die Urheberschaft der Volkswagen-Grundkonzeption wird ihm in den fünfziger Jahren sogar in einem Gerichtsprozess gegen Horst Mönnich und Richard von Frankenberg, die den Volkswagen zur Porsche-Erfindung erklärt hatten, bestätigt.

Die Patentkammer des Landgerichts Mannheim stellt im Juli des Jahres 1955 fest, dass Barényi die entscheidenden Konstruktionsmerkmale des Volkswagens vor Porsche erfunden hatte. So ist Barényi zusammen mit Hans Ledwinka im Deutschen Museum als Erfinder der Volkswagen-Grundkonzeption ausgewiesen.

Nun ist Barényi der "Vordenker" bei der Daimler-Benz AG, der Weltfirma, wie er sie - je nach Stimmungslage respektvoll oder ironisch - zu nennen pflegt. Schon früher hat sich Barényi mit Chassiskonstruktionen und den damit verbundenen Problemen der Schwingungs- und Geräuschisolierung befasst, aber auch mit Zellenfahrzeugen. Seine erste Konstruktion für Mercedes-Benz ist denn auch gewissermaßen ein Partisanenprojekt.

Sicherheit beginnt schon bei der Bodengruppe

Er soll eine neue Rahmenkonstruktion für das Cabriolet der Baureihe W143 konzipieren, da bei dem Wagnerschen X-Ovalrohrrahmen in der offenen Version Schüttelschwingungen auftreten. Die von ihm präsentierte Bodengruppe vermeidet nicht nur diese unerwünschten Schwingungen, sondern ist auch hinsichtlich des Seitenaufprallschutzes die bessere Lösung.

Nach 1945 beginnt die kreativste Phase seiner Arbeit. Es ist eine kleine Abteilung, der Barényi vorsteht, aber er will auch nicht mehr Mitarbeiter. Das Prinzip, dem er huldigt, lautet "Klasse vor Masse". Es sind so kompetente Mitarbeiter wie Bruno Sacco und Paul Bracq, die zu seinem Team gehören. Die Projektstudien "Terracruiser", bei der der Fahrersitz zentral angeordnet ist, und "Concadoro" enthalten dabei schon wesentliche Elemente der Überlegungen, die 1952 in dem DBP 854157, dem Patent zur Sicherheitszelle mit Knautschzonen, festgeschrieben werden. Mit der Baureihe W 111 geht dieses Patent dann in die Serienproduktion bei Daimler-Benz ein.

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