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GT Sprint und Blancpain Series 2013

Vorschau auf den GT3-Neustart

Startaufstellung, Le Mans, Zuschauer Foto: Dole 63 Bilder

Der Sport mit GT3-Rennwagen dominiert im FIA-Bereich. Zwar wird die GT-WM für 2013 durch die Sprint Series abgelöst, doch GT-Promoter Stéphane Ratel bleibt der große Strippenzieher im GT3-Sport. Wie steht es um seine Pläne für die Saison 2013?

09.04.2013 Marcus Schurig Powered by

Man sollte Stéphane Ratel nie abschreiben. Seit 20 Jahren organisiert der Franzose als Promoter Rennen mit GT-Fahrzeugen. Stets verfolgte er dabei ein strategisches Ziel, nämlich den WM-Titel für den GT-Sport. Als er den Titel 2010 endlich bekam, war er im siebten Himmel. Als er den Titel Ende 2012 wieder verlor, war er auch im siebten Himmel - denn die Kosten einer WM waren für ihn schlicht nicht refinanzierbar.

Bühne für Profis im GT3-Rennsport

Und natürlich gibt Stéphane Ratel nicht auf. Er ist die einzige fixe Größe im GT3-Rennsport, und die meisten Teams vertrauen ihm. Neben den zahllosen nationalen GT-Meisterschaften organisieren Ratel und seine Firma SRO Motorsport zwei große internationale GT-Rennserien: Die Blancpain Endurance Series, die primär an Privatfahrer adressiert ist, und - neu für 2013 - die GT Sprint Series, die die gescheiterte WM ersetzen und eine. Bühne für professionelle Teams und Fahrer im GT3-Rennsport bieten soll.

Die Informationen zur GT Sprint Series sind noch spärlich und nicht durchweg ermutigend: Die ursprüngliche Deadline für die Einschreibung (31. Januar 2013) musste verlängert werden. Momentan sind nur 17 Wagen für die volle Saison eingeschrieben. Der Kalender wurde auf sechs Rennen zusammengestrichen, und der Ort des Saisonfinales ist immer noch nicht benannt. Von einem Hauptsponsor ist keine Rede mehr, und das TV-Paket steht auch noch nicht.
 
Das alles ficht Ratel nicht an. Er glaubt, dass das finanzielle Fundament der neuen GT Sprint Series gesünder sei als noch zu WM-Zeiten, weil die Kosten niedriger sind. Er rechnet mit 22 bis 24 Autos. Und er verspricht, der Fernsehvertrag mit einem großen europäischen TV-Kanal stünde kurz vor dem Abschluss - wenn die beteiligten Hersteller und Sponsoren denn mitziehen.

13 GT3-Hersteller beim Einstufungstest

An Herstellern herrscht ja wahrlich kein Mangel: 13 GT3-Hersteller traten Anfang Februar zum großen Einstufungstest der FIA auf dem Michelin-Testgelände in Ladoux an, mit Bentley wird im Laufe der Saison noch eine 14. Marke dazustoßen.
 
Also alles rosa, Herr Ratel? „Ich habe meinen Traum von der WM beerdigt und bin wieder in der Realität angekommen“, gibt Ratel zu. „Alles, was jetzt zählt, ist die Zukunft. Die Blancpain Series läuft tadellos, wir sind mit über 50 Autos für 2013 komplett überbucht. Die GT Sprint Series wird nicht ganz so stark sein, aber wir hatten für diese Meisterschaft auch nie das Ziel, 50 Autos in die Startaufstellung zu locken. Die GT3-Klasse ist mit 14 Herstellern insgesamt absolut gesund.“

Änderungen bei der Balance of Performance

Das große Gesprächsthema im GT3-Sport bleibt die Leistungsanpassung der Fahrzeuge, die sogenannte Balance of Performance. Hier gibt es für 2013 Änderungen: Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo die Privatfahrer-Bühne der Blancpain Series mit einer speziellen Form der Leistungsanpassung arbeitete, die auf die Fahrkünste der Gentleman-Driver zugeschnitten war, kommt in diesem Jahr für beide Serien die gleiche Balance of Performance zum Einsatz, die von der FIA ausgeknobelt wird.
 
Für Ratel ist das ein wichtiger Punkt: „Als kommerzieller Ausrichter wurden wir in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, dass wir Hersteller bevorzugen würden. Daher ist es wichtig, dass die FIA als unabhängige Instanz die Leistungsanpassungen vornimmt.
 
Die FIA arbeitet mit wissenschaftlichen Simulationen und Kalkulationen. Aber weil trotzdem immer einige Teams unzufrieden sind, haben wir für 2013 eine Kommission eingesetzt, in der alle Hersteller vertreten sind. Dort kann jeder seine Beschwerden oder Änderungswünsche vortragen. Das soll die Einstufung transparenter machen.“
 
Die meisten Teams stehen hinter dem Konzept der Leistungsanpassung, doch gleichzeitig hat Stéphane Ratel gerade deshalb auch wichtige Mitspieler wie das französische McLaren-Team Hexis Racing oder Piloten wie Mike Hezemans verloren.
 
Auch die Performance von Audi und BMW gab im vergangenen Jahr bei einigen Rennen Anlass zu Diskussionen. „Wir waren im letzten Jahr mit dem Audi R8 auf den Geraden einfach zu langsam, und zwar wegen der Leistungsanpassung“, moniert beispielsweise Audi-Pilot Oliver Jarvis, der hofft, 2013 wieder mit dem Audi-Team WRT an den Start gehen zu können.
 
„Manchmal standen wir im Zeittraining weit vorn, aber das hatte weniger mit dem Auto zu tun, sondern war dem Umstand geschuldet, dass andere Teams mit schwächeren Piloten besetzt waren und deshalb im Zeittraining frühzeitig ausschieden. Wenn wir weiter hinten starteten, konnten wir wegen der schlechten Topspeeds nur sehr schwer überholen.“

Alle müssen mit 80 Prozent fahren

Der größte Kritiker des gegenwärtigen Systems ist Mike Hezemans, der nach über einem Jahrzehnt im GT-Sport Ende 2011 ausstieg - wegen der Balance of Performance. „Ich habe mit dem ganzen politischen Bullshit abgeschlossen“, wettert Hezemans. „Die Wahrheit ist doch, dass man bei keinem Rennen mit voller Leistung fährt. Alle müssen mit 80 Prozent Gaspedalstellung fahren, sonst wird einem für das Saisonhighlight, dem 24h-Rennen in Spa, der Hahn abgedreht.“
 
„Somit weiß man nie, wie gut das eigene Auto ist - oder wie gut die Gegner sind. Ich habe in Spa selbst erlebt, was es ausmacht, wenn ein Ingenieur seinen Laptop auf das Dach deines Autos stellt: In der nächsten Runde bin ich acht Zehntel schneller gefahren. Die Konsequenzen sind klar: Man baut ein GT3-Auto, das zwei Sekunden schneller ist als alle anderen, dann dreht man den Hahn zu und stopft so viel Ballast-Mist ins Auto, dass es kaum noch um die Ecke fährt. Wenn die wichtigen Rennen kommen, nimmt man den Ballast-Mist ganz vorsichtig wieder heraus ...“

Immerhin sieht Ratel die Probleme: „Im letzten Jahr wurde Audi angegriffen, weil sie angeblich Sandbagging betrieben haben sollen, also ihre wahre Performance beim Einstufungstest verschleierten. Doch bei den Langstreckenrennen hatten sie die besten Fahrer, die beste Strategie und das beste Setup - das entschied das Rennen in Spa. Bei BMW lag der Fall etwas anders, glaube ich. Die hatten einfach über die Saison Fortschritte bei der Elektronik und der Traktionskontrolle gemacht. Über die gesamte Saison betrachtet hat das Bild aus meiner Sicht aber gepasst.“

Rateil ist optimisitsch für die Zukunft

2013 sind die Voraussetzungen für eine faire Anpassung noch besser: Beide Serien - Blancpain Series und GT Sprint Series - nutzen dieselbe Einstufung durch die FIA, und in beiden Serien fahren die GT3-Autos auf Pirelli-Reifen. „Vermutlich benötigen wir nur noch minimale Anpassungen, weil im Kalender der Blancpain Series mehr schnelle Strecken stehen als bei der GT Sprint Series“, sagt Ratel. Und fügt leise an: „Ich bin optimistisch für die Zukunft.“ Man sollte den Mann besser nicht abschreiben.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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