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GTI-Treffen am Wörthersee

Willkommen in der Hölle

GTI-Treffen Wörthersee, Audi E-Bike Foto: Markus Stier 39 Bilder

Beim GTI-Treffen am Wörthersee machen nicht nur die VW-Fans reichlich Rabatz, sondern auch die Hersteller. Wir haben uns auf den Ständen der VW-Konzern-Welten umgesehen.

18.05.2012 Markus Stier

Es ist Mittag in Reifnitz und die Hitze steigt nicht nur in der Sonne. Am VW-Stand heißt das Motto sprachübergreifend Heaven pus Höll und mit reichlich Trockeneis-Qualm vom Bühneneingang wird angekündigt, dass gleich ganz sicher nicht der Himmel losbrechen wird.

Es sammelt sich allerlei Prominenz wie Konzernchef Winterkorn, Konzern-Patriarch Ferdinand Piech, Audi-Chef Stadler, die Entwicklung-Oberen Hackenberg (VW) und Dick (Audi) und DJ Mousse T (Is it ‚cos I’m cool) , was dem der Rest der Meute schnell signalisiert, dass sich hier gleich was tut.

Mancher Golf-Geile beißt sich auf die Zunge

Tatsächlich rollt zwischen Himmel und Hölle das neue Golf GTI-Cabrio auf die Bühne, das sich die Schau aber schnell vom lauteren und viel breiteren Polo WRC stehlen lassen muss. Ulrich Hackenberg hat die Sprache des einfachen Volkes geübt und spricht mit fester Stimme: "Ich glaube, da ist uns ein geiles Teil gelungen." Mancher Golf-Geile beißt sich verzweifelt auf die Zunge. Eigentlich ist so ein Polo ja nur Kleinvieh, aber 18-Zoll-Räder, mächtige Karbon-Heckflügel, Allradantrieb und 300 Turbo-PS, dass lässt auch den Hardcore-Golfer nicht kalt.

Himmlisch kühl wirkt im Backround die Studie Concept White, die mit mattem, weißen Lack durchaus Interesse weckt, aber nie in Serie gehen wird (viel zu empfindlich). Zwischen Himmel und Hölle steht Moderatorin Rebecca. An Haaren und Kurven hat der Herrgott hier nicht gespart, anscheinend aber an der Festplatten-Kapazität. Die technischen Daten des vorzustellenden Golf Black Dynamic, den herausragende Lehrlinge bei VW selbst entwickelt haben, muss sie vom Blatt ablesen. 19-Zoll-Räder, matt- und lackschwarzes Gewand, das Interieur in rotem und schwarzem Leder, unter der Haube 360 PS. "Nicht standfest", gesteht einer der ausgezeichneten VW-Mechatroniker, aber was soll’s? Der Motor des knapp 60 PS schwächeren Polo WRC nebenan muss auch alle 1.000 Kilometer zur Revision.

Ursula klatscht fröhlich zu "I’m horny"

Rebecca hat sich jetzt warm moderiert und kündigt den Showteil an. Mousse T wird sich ans Mischpult begeben und seine besten Stücke zum Besten geben. Sein allerbestes Stück hat er auch dabei. In schwarzer Lederkorsage und anrasierter Schläfe, rückenfrei mit Tätowierung ist Emma Lanford eine erstaunliche Mischung aus Liebreiz und Furchteinflößung. Rebecca kündigt sie als Emma Tompson, an, die nicht kaffeebraun, sondern eher bleich ist, nicht dunkelhaarig sondern blond, die schon Oscars gewonnen hat, aber nicht allzu gut singt und vor allem nicht da ist. Lanford lässt sich die Laune nicht verderben und heizt das Publikum mit "Sex Bomb" an

Ferdinand Piechs Gattin Ursula klatscht fröhlich zu den Klängen von "I’m horny", aber auch wenn Österreichs inoffizielle First-Lady Ursula mit König Ferdinand gekommen ist, das Gesprächsthema Nummer eins in der Alpenrepublik an diesem Wochenende bleiben ein paar 13-Jährige, die bei einer Polizei-Razzia im Puff aufgegriffen wurden. Sie hatten den Freudenhaus-Besuch von ihren Patenonkeln zur Firmung geschenkt bekommen. Nun ja, was wundert Ihr Euch. Am Audi-Stand können Eltern Bobby Cars mit FC-Bayern-Beklebung oder "Pickerljäger" (auf Deutsch: Vignetten-Kontroll-Polizei) erstehen. Kein Wunder, dass Österreichs Jugend aus dem Ruder läuft.

Da neue Audi A drah is a hamma!

Ein paar Hardcore-Anhänger führen Audi-Luftballons spazieren. "Mia san Audi-Fehns. Da neue A drah is a hamma." Das von Audi-Chef Rupert Stadler liebevoll vorgestellte Elektro-Bike dagegen steht eher unbemerkt in einer Ecke. 3,1 PS und 80 km/h Topspeed hauen die GTI-Gemeinde nicht vom Stuhl. Was sie dagegen schon beeindruckt sind die 26-Zoll Räder in Voll-Karbon. Gibt’s die auch in Größe 235/45?

100 Meter weiter sieht sich der Seat-Stand eingekeilt zwischen dem Wummern der Bässe am Gummiplatz und dem Einpeitscher am Skoda-Pavillon. Während sich waghalsige Girlies mit grünen Bobby Cars eine Schanze runterstürzen, haben sich Marketing-Chef Axel Schröder mit Rallye-Werksfahrer Jan Kopecky bereiterklärt, sich von den Hinterrädern eines eingematschten Yeti mit ordentlich Matsch bewerfen zu lassen. Nach anschließender Schlauchdusche verkündet Schröder: "Das musst du unbedingt auch mal machen." Der Sprecher am Mikrofon vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass hier umweltbewusst und gut verträglich mit Bio-Erde geworfen wird.

Schade, dass bei so viel Show der eigentliche Star ein bisschen untergeht. Aus dem Mikro-Van Citigo haben die Tschechen mit angeklatschten WRC-Kotflügeln und wüsten Spoilern ein echtes Tier hingestellt. Apropos Untergang: Zurück zu Seat, wo eine hübsche Studie eines Ibiza Cupra auf einem Drehpodest in der Ecke ein unscheinbares Dasein fristet. Er kann ja gar nichts dafür, aber zwischen all dem wilden GTI-Getier sieht er einfach viel zu zivilisiert aus – noch dazu, wenn am anderen Ende der Leon Supercopa mit Mega-Diffusor und orangefarbenem Überrollkäfig die deutlich markanteren primären Geschlechtsmerkmale hat.

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