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GTI-Treffen Wörthersee

Die Ausweitung der Kampfzone

GTI-Treffen Wörthersee 2012 Foto: Markus Stier 25 Bilder

Wer den wilden Trubel auf dem Seeufer von Reifnitz hinter sich lässt und in ruhigeren Eckchen die Ohren spitzt, erfährt so manches Interessante. Zum Beispiel, dass Korso und Gummiplatz unten am See ja total alte Hüte seien, und das wahre Leben einen runden Kilometer weiter oben am Plaschischen am Keutschacher See tobe. Nix wie hin.

19.05.2012 Markus Stier

Kreisverkehr, Imbiss, Campingplatz und Devotionalienstände, das sind die Zutaten, mit denen sich bei einem GTI-Treffen ganz schnell die erwünschte kritische Masse herstellen lässt. Aber irgendwie scheint die Luft schon raus. Auf den Bierbänken sitzen nur ein paar Versprengte, am Campingplatz herrscht Aufbruchstimmung und auf der Bank am Straßenrand haben zwei Jungs andere Sorgen. Sie sitzen da in Bayern-Trikots und trinken sich Mut gegen Chelsea an. "Zwei Null", brüllt der eine rüber, dann prostet man sich zu. Klar, wer im dunklen Wald Angst hat, fängt auch laut an zu singen.

Ein paar Kilometer weiter am Keutschacher Seeufer singen die Vorderräder eines schwarzen Golf. Ein findiger Geschäftsmann hat einen mobilen Leistungsprüfstand mitgebracht. Beim Spiel: Zeigt her eure Hufe, können die wenigsten widerstehen.

Am See verpasst man alles

Wir ziehen weiter nach Velden, wo es abermals einen Kreisverkehr gibt, diesen aber mit angeschlossener Tankstelle. Die Shell-Station Mischkulnig kennt jeder GTI-Fan und jedes Kind am Wörthersee. Früher traf man sich hier zu Burnout –Partys, aber die Polizei hat am Freitag jede einzelne Zufahrt mit Radarfallen vermint, und so ging es gesitteter zu als sonst.

Eher gering ist die Aufmerksamkeit bei den drei blonden Grazien gegenüber vom Kreisverkehr. Warum sitzt man an einem schönen Samstagmorgen an einem Verkehrsknotenpunkt mit dem Spar-Parkplatz im Rücken? "Was sollen wir den sonst tun? Wir müssen ja warten, bis unsere Jungs ihren Rausch ausgeschlafen haben?" lautet die bestechende Antwort. Ja, aber man könnte doch auch auf einer Wiese sitzen, oder am See. "Ja, aber da verpasst man ja alles", sagt die Nächste, und sie meint allen Ernstes Autos. So lässt sich die Aufmerksamkeit der jungen Damen auch nur kurz fesseln, denn ein vorbeieilender Audi A5 in Matt Schwarz muss eilends begutachtet und beurteilt werden.

Die große Masse ist schon abgezogen, aber ein Häuflein Unentwegter hockt immer noch am Straßenrand um zuzusehen, wie die GTI-Truppen zum Tanken, Waschen und Föhnen fahren. Man rüstet sich für die Heimfahrt oder macht sich noch einmal schick für das letzte Schaulaufen.

Gummi bleibt Wegzoll

Der Tankwart ist seit 30 Jahren im Dienst und schätzt, dass 2011 mehr los war. Aber die Tanke kommt nicht aus der Mode, Zeche Prellen dagegen schon. "Da musst aufpassen wie a Schießhund", meint der Tankmann.

Ein Glück, es ist ja doch noch was los. Hinter einer Kuppe am Hafnersee lauern Wegelagerer. "Gummi oder schwul“, heißt auf dem Pappschild die Forderung, über deren Konsequenzen die Banditen besser noch einmal nachgedacht hätten. Was ihnen an Grammatik fehlt, machen sie aber mit Wagemut wett. Der Rädelsführer wirft sich selbst Wohnmobilen tapfer entgegen, um sie zum Stehen zu bringen. Entschlossen halten tut aber vor allem die berittene Schutzpolizei. Nach kurzer Dienstbesprechung verschwindet das Schild im Graben - aber nur, bis der Schupo am Horizont verschwunden ist. Sofort wird die Straßensperre wieder aufgebaut.

Das Risiko lohnt sich. Keine drei Minuten später hält ein roter Golf zwei, bereit, den Tribut zu entrichten. Sofort packen vier Mann vorn am Radhaus an, liften die Nase und schon legt auch eine 110-PS-Möhre einen 1A-Burnout ohne Kupplungsschaden hin. Verbrannt ist am Ende nur die hinterlassene Erde.

Schmuckstücke vor blauer Horde in Sicherheit gebracht

Das gilt auch für die Campingplätze. Das Hotelgewerbe beklagt in diesem Jahr trotz steigender Zuschauerzahl sinkende Einnahmen. Die Bauern graben den Hoteliers das Wasser ab, indem sie dem weniger betuchten VW-Volk für wenig Geld gemähte Wiesen überlassen. Da müssten die Kühe, die das Gras fressen schon goldene Milch geben, um den Umsatz zu überbieten. Das Wegräumen leerer Bierflaschen und zerstörter Zelte lässt sich da locker verschmerzen.

Von Pein verzerrte Gesichter machen in diesem Jahr die Peniblen und die Technikfreunde. Jeden Nachmittag haben sie in Reifnitz ihre Schmuckstücke eilig in Sicherheit gebracht, bevor die allzu blauen Horden anrücken. Ein Fotograf, der seit zwei Jahrzehnten dabei ist beklagt: "Da kommen jetzt immer mehr Gruppen nur zum Saufen." Einen GTI hat das Partyvolk in den eher seltenen Fällen. Viele rücken mit Kleintransportern voller Bierpaletten an. Die etwas Wohlhabenderen kommen mit Wohnmobilen.

Am Samstag haben die GTI-Puristen längst das Weite gesucht. Vielleicht kommen sie nächstes Jahr eine Woche früher, so wie es die Hardcore-Fraktion schon seit einiger Zeit vollführt. Einige Insider raunen verschwörerisch, dass das Treffen der wahren GTI-Freunde schon vor dem eigentlichen Festival stattfindet. Das heißt also, nur noch 358 Mal schlafen, bis es wieder losgeht. Wir werden da sein.

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