Alles über Triumph TR 6
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Günstige Roadster: Buy British

Noch sind die Preise für englische Roadster eher im Keller. Noch gibt es große Namen wie Triumph TR 6, Austin-Healey Sprite, MG Midget und Triumph Spitfire für verhältnismäßig kleines Geld. Aber was heißt das: kleines Geld?

Um sich einen britischen Roadster zuzulegen, braucht es keine guten Gründe. Die Autos selbst sind Grund genug. Maximal offen, schrullig und anders, machen sie alles, was man sich von einem Auto wünschen kann: Sie bieten viel Fahrspaß und immer mal wieder Gelegenheit, sich gründlich über sie zu ärgern.

Schon für 4.000 Euro gibt es britische Roadster

Mit so einem britischen Roadster bekommt man stets ein Auto, um das man sich liebevoll kümmern darf, eines, das gut ist für eine innige Beziehung. Und nur wer diese Beziehung pflegt, wird auf die Dauer behaupten, dass es eine gute ist. Wobei die Pflege der Beziehung mit ihrem Beginn, sprich, dem Kauf des Autos, anfängt.

Immer noch sind einige Roadster von der Insel im Vergleich zu vielen anderen Modellen günstig zu haben. Nicht selten kosten gerade die späteren Triumph Spitfire, MG Midget oder Austin-Healey Sprite nur zwischen 4.000 und 7.000 Euro, Triumph TR 6 unter 10.000. Darunter sind eine Menge Rechtslenker, die in der Regel ohnehin weniger kosten als Modelle, die das Steuer auf der anderen Seite tragen. Das Angebot ist groß, der Markt allerdings auch das, was sich die meisten nicht einmal für ihren Schwenkbraten wünschen: Er ist sehr durchwachsen.

Auf preislich zuerst verlockende Angebote einzugehen, braucht zweierlei: Sachkenntnis und die Bereitschaft zu viel Eigenleistung. Nur dann kann auch ein so billiges Auto ein günstiges bleiben. Ansonsten könnte gerade der seit Jahren niedrige Einstiegspreis zum Bumerang werden - weil lange schon nur geflickt statt repariert, nur improvisiert statt restauriert worden ist, wenn Vorbesitzer die Autos als Möglichkeit missverstanden, für nix Oldtimer fahren zu können. "Was soll das?", fragt Michael Schmidt von www.classic-line.org . "Die Sache soll doch Spaß machen. Macht sie aber nicht, wenn ich ein billiges Auto kaufe und merke, dass ich es am Ende zwei oder drei Mal bezahlen oder zusehen muss, dass ich es wieder loswerde."

Viele Mogelpackungen unterwegs

Wer sich vergreift, wird Ärger haben, garantiert. Und wer in erster Linie darauf aus ist, ein billiges Exemplar zu ergattern, wird sich vergreifen, garantiert. "England und günstig, das ist ein heißes Thema", sagt auch Christoph Dorscheid. "Es gibt gerade im unteren Preisbereich viele Mogelpackungen, die dazu beitragen, den Ruf einer ganzen Modellreihe zu ruinieren. Dass einige Briten für kleines Geld zu haben sind, stimmt nur auf dem Papier. Gute Exemplare haben ihren Preis."

Allerdings sei der immer noch relativ moderat. Selbst ein MG Midget für 10.000 Euro kann ein sehr günstiges Angebot sein. "Ein Tauschmotor ist um die 1.200 Euro zu bekommen, und nach kaum einem Ersatz- oder Verschleißteil muss groß gesucht werden", sagt Dorscheid. "Wer einen Fiat 124 nimmt, steht anders da." Michael Schmidt, auch er seit Jahren spezialisiert auf die Autos aus Großbritannien, sieht das genauso. "Billige Exemplare treiben die Folgekosten meist in eine Höhe, die anständige nie erreichen. Günstig kaufen heißt einmal kaufen, dann aber richtig und nicht von Geiz bestimmt."

Meist einfach zu reparieren

Wer also einen Triumph TR 6 unter 10.000 Euro findet, soll sich nicht wundern, wenn das Auto beim Händler weit hinten steht und auch schon etwas länger, weil sich, wer ihn vorher entdeckte, die Arbeit nicht antun wollte oder die Rettung nicht leisten konnte. Bei www.classiccars-fn.de wohnt so ein hellblauer Triumph in direkter Nachbarschaft eines Camaro Z28 E Targa für 2.499 Euro. Das stellt Verhältnisse klar, bevor Beziehungen entstehen. Und bevor die Fantasien von offenen Alpenüberquerungen blühen dürfen, tut das der Rost, nicht nur auf der Stoßstange.

Die Aussicht, mit dem Wagen in den nächsten Wochen zur ersten Ausfahrt zu starten, sind so trübe wie der Blick durchs Heckfenster aus Kunststoff. "Das Blech", kommentiert Andreas Voss von classiccars-fn.de, "ist sicher nicht drastisch schlecht. Und im Hinblick darauf, dass so ein TR 6 relativ einfach zu restaurieren ist, muss man auch so ein Exemplar nicht aufgeben." Tut das vielleicht aber mit sich selbst, wenn man nicht viel Freude am Schrauben hat und die Gewissheit, dass man diese Freude nicht verliert, egal welche Überraschungen der Wagen parat hält.

Eine MoT-Bescheinigung sagt wenig aus

Es könnten einige sein. "Ich hatte mal einen da", erzählt Christoph Dorscheid, "der hatte einen MG B mit frischer MoT-Prüfung für 3.600 Pfund gekauft. Der freute sich genau so lange an dem Auto, bis er in der Autobahnabfahrt geradeaus in die Leitplanke knallte. Beide Spurstangenköpfe abgerissen. Totalschaden." MoT ist nicht gleich TÜV, und was in England als Zustandsbeschreibung zum Auto verfasst wurde, sollte eher als unterhaltsame Geschichte gelesen werden.

"Man muss wissen, wie Formulierungen zu übersetzen sind", sagt Dorscheid. "Restauriert vor fünf Jahren" könne heißen, jemand hat das Auto gewaschen, die Ventildeckel bunt angemalt und einen Teppich so auf den Boden geklebt, dass niemand mehr das Blech darunter sieht. "Rostfrei", kann bedeuten, dass vom Blech nicht mehr viel übrig ist. Viel Regen und maue Blechqualität brachten in England große Spachtelkünstler hervor, und die fragen gern ganz im Ernst, was denn falsch sei an Spachtelmasse? Sie roste doch nicht. "Bekanntermaßen misst der Engländer mit einem anderen Maß", sagt Andreas Voss. "Was dort als Zustand 1 durchgeht, ist bei uns allenfalls Zustand 3."

So in etwa qualifiziert sich auch der braune TR 6, den er für 14.999 Euro anbietet. Rechtslenker, Einspritzer, kein Concours-Mobil, aber ein Daily-Driver mit solidem Rahmen und gutem Blech. Für weniger wird man kaum ein Exemplar finden, das nicht entweder Baustelle oder Blender ist.

Vierzylinder ab etwa 6.000 Euro

Für Vierzylinder beginnen die Preise niedriger. Bei triumph-spitfire.de, wo man für den Roadster viele Informationen und auch eine sehr detaillierte Kaufberatung bekommt, taxiert man einen Zustand 2 mit 6.000 bis 8.000 Euro, will das aber als sehr grobe Wertangabe verstanden wissen und setzt saubere Technik, Optik und Historie mit zwei- bis dreitausend Euro höher an. "Topwagen können auch einige tausend Euro darüber liegen." Dasselbe gilt für Midget und Sprite. Der Spitfire sei schon seit einiger Zeit dabei, leicht im Wert zu steigen, beobachtet Joachim Gunst, der aber auch dann, wenn die Autos preislich noch zulegen sollten, eine simple Rechnung aufmacht: "Ab einem fünfstelligen Betrag gibt es guten Spaß ohne Probleme."

Rechne man den Gegenwert, also wie viel Auto es fürs Geld denn gebe, seien die englischen Autos schwer zu schlagen, meint auch Peter Ille von classiccars-online.de. Selbst wenn ein anständiger Triumph TR 4 eigentlich nicht unter 25.000 Euro den Besitzer wechsle, sei das kein teures Auto. Allein die Erwähnung eines Mercedes 190 SL oder einer Pagode sortieren die Summen da ein, wo sie hin gehören. Im Vergleich immer noch am unteren Ende der Skala. "Sie bekommen robuste Technik und müssen in ein gutes Auto keine Unsummen investieren", sagt Ille. "Erwarten darf man außerdem einen stabilen Wert. Diese Autos sind langsam aber kontinuierlich gestiegen und nie abgestürzt."

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Ersatzteile problemlos zu bekommen

Was die offenen Engländer als günstigen Einstieg in die Welt der Klassiker qualifiziert, sind mithin weniger spottbillige Angebote, sondern eher die Tatsachen, dass sie erstens gar nicht so steinalt sein müssen, um sich richtig alt zu fahren, und dass sie zweitens mit überschaubarem finanziellen Aufwand zu bewegen sind. Weil viele Teile problemlos und billig zu beziehen sind, weil Wartungsarbeiten Zollschlüssel, aber keinen schrauberischen Genius verlangen, und weil viele Clubs viel Unterstützung bieten. "Im Großen und Ganzen sind die Autos unkompliziert, da kann man viel selbst dran machen", räumt Joachim Gunst ein. Weil er in seiner Werkstatt für britische Autos tatsächlich viel selbst macht, weiß Gunst aber auch, dass "alle ihre Bereiche haben, die nicht einfach sind. Beim Spitfire zum Beispiel die Hinterachse oder die Einstellung von Motor und Vergaser."

Und dass ein Auto einfach aufgebaut ist, bedeutet ja gerade nicht, dass es keine regelmäßige Pflege und sorgsamen Umgang bräuchte. "Unkompliziert aufgebaut heißt nicht billig oder im Unterhalt zu vernachlässigen", formuliert Gunst eine Warnung, die nicht nur ihm am Herzen liegt. Folgen solcher Verwechslungen sehen dann gerne so aus wie der Austin-Healey Sprite, der für 6.900 Euro bereits seit über einem halben Jahr auf einen Interessenten wartet. Eine Spinne fand seinen Außenspiegel zumindest so reizvoll, dass sie ihr Netz daran sponn, auf dem Beifahrersitz liegt ein Wartungshandbuch, und die dem Thema Vorderradaufhängung gewidmeten Seiten sehen sehr danach aus, als habe man sich mit schwer verölten Fingern schon mal intensiv diesem Bereich gewidmet. Auch dem Erhalt der Karosse, durchaus.

Bei Teilen auf die Qualität achten

Hat man denn wissen können, dass die verspachtelten Massen einmal hässliche Risse bekommen, Überlackierungen Blasen werfen und die Rostpickel irgendwann Löcher in Blechspitzen fressen würden, groß genug, um der Spinne mit dem Netz am Spiegel Rückzug zu bieten? Man hätte. Aber der Wagen war so günstig. Wie günstig? Genau so, dass man später nicht fand, es lohne sich, ihn ernsthaft und fachgerecht auf Vordermann zu bringen. Ein Problem, vor dem viele Käufer zu billiger Autos früher oder später stehen.

Hinzu kommt, dass Ersatzteile zu finden, für TR 6, Spitfire, Midget und Sprite tatsächlich kein Problem darstellt, die Ersatzteile selbst aber unter Umständen schon. Die Qualität, sowohl von Blechen als auch von technischen Bauteilen, schwankt immens. Wenn also ein neuer Zündverteiler heute funktioniert, heißt das nicht, dass er das morgen ebenfalls tut. Und wenn der erste Frontkotflügel so verzogen war, dass er zurückging, heißt das nicht, dass der daraufhin gelieferte zweite sich ohne Zuhilfenahme von Gewalt anpassen ließe.

Nicht am falschen Ende sparen

Auf den ersten Blick vielleicht als teuer empfunden, kann also ein 1980er Spitfire, wie ihn Michael Schmidt in Bietigheim-Bissingen für knapp 15.000 Euro anbietet - original, rostfrei, gleichmäßige Spaltmaße, neue Bremsen, neues Overdrive-Getriebe, neue Reifen -, auf mittlere und lange Sicht das günstigere Auto sein. Nicht nur was den finanziellen Einsatz betrifft. Denn die einfachste Möglichkeit, sich den Spaß an einem günstigen Auto wie einem englischen Roadster zu verderben, ist, am falschen Ende zu sparen.

Checkliste Roadster-Kauf

  • Finden Sie, dass Macken den Charakter prägen und kleine Mängel ein Auto erst sympathisch machen? Gut, denn perfekt sind englische Roadster – eben weil sie es konstruktionsbedingt sind – nicht.
  • Budgetfrage klären: Vierzylinder gehen auch für vierstellige Beträge, ein TR 6 in dem Rahmen eher nicht.
  • Geht RHD oder muss es LHD sein? Rechtslenker sind tendenziell günstiger.
  • Gerade Autos am unteren Ende der Preisskala sollten ganz genau inspiziert werden, um böse Überraschungen zu vermeiden: Klopfproben am Blech, stimmen die Spaltmaße?
  • Wo kommt das Auto her, wie ist es bewegt und gepflegt worden? Bei Exemplaren mit Wartungsstau kann die Instandsetzung schnell ein Vielfaches über dem Zeitwert liegen.
  • Hand aufs Herz: Wie viel können Sie selbst machen? Alles andere verdient einen Spezialisten, nicht irgendeinen, sondern einen für englische Autos.
  • Viele Verschleiß- und Ersatzteile gibt es zwar nachgefertigt zu moderaten Preisen. Doch leider ist die Qualität oft nicht besonders.
Import aus Grossbritannien

Viele Anbieter, eine große Auswahl an Autos und Preise, die im Vergleich oft weit unter dem liegen, was hier aufgerufen wird: Warum nicht selbst auf der Insel nach einem Roadster suchen? Prinzipiell gibt es keinen Grund, die Sache sein zu lassen, denn die Einfuhr eines Klassikers innerhalb der EU ist problemlos.

Es fallen keine Steuern oder Zoll an, und für die Zulassung braucht es nur Originalpapiere, Eigentumsnachweis und Vollgutachten (für Autos nach Juli 1969 auch AU-Bescheinigung). Attraktiv ist der Kauf besonders dann, wenn das Auto auf eigener Achse reisen kann, weil so Transportkosten um die 800 Euro zu sparen sind. So weit, so gut. Aber: Gesunde Skepsis ist bei der Suche in GB ein besserer Ratgeber als Begeisterung, wenn man nicht später der Verzweiflung begegnen will.

"Günstig ist relativ", sagt Christoph Dorscheid zu Preisen, die zunächst begeistern. Zustandsbeschreibungen sind mit Vorsicht zu lesen, weil die Ansichten darüber, was ein gutes Auto ist, weiter auseinanderliegen als Berlin und London. Lesen Sie etwa die Formulierung: "Seit 20 Jahren unbenutzt" in einem Inserat, ergänzen Sie im Geiste: "Du kannst der zweite sein, der herausfindet, warum."

Autor

Foto

Arturo Rivas

Datum

20. Dezember 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft Motor Klassik 11/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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