Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

H-Kennzeichen bei Gebrauchtwagen

Bedingungen müssen stimmen

Detail, Kühlergrill, Oldtimer Foto: Beate Jeske 10 Bilder

Die Ü30-Generation unter den Autos ist angesagt. Pünktlich mit Vollendung des dritten Jahrzehnts kann ein Oldtimer das H-Kennzeichen bekommen. Vorausgesetzt, alles andere passt auch.

04.07.2011 René Olma

Es ist fast eine Begnadigung. Während Vater Staat sein Bestes gibt, Besitzer alter Autos mit hoher Kfz-Steuer und Fahrverboten in Umweltzonen zu drangsalieren, zeigt er sich bei Oldtimern großzügig.

Sobald ein H-Kennzeichen ein Auto zum Klassiker adelt, wird die Last geringer. Nun gilt freie Fahrt in Umweltzonen und ein pauschaler Kfz-Steuersatz von 191 Euro im Jahr, wovon vor allem Besitzer hubraum- und abgasstarker Modelle profitieren.

Fahrzeug muss Bedingungen des Anforderungskatalogs erfüllen

Soweit die Vorteile der seit 1997 geltenden Regelung, doch bevor ein H das Nummernschild ziert, muss das Auto die TÜV-Hürde nehmen, um als Oldtimer zugelassen zu werden. Die Sachverständigen-Organisation hat zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Motorveteranen-Clubs e.V. (DEUVET) einen Anforderungskatalog entwickelt. Darin ist festgehalten, welche Bedingungen der mindestens 30 Jahre alte Wagen erfüllen muss, um als schützenswertes historisches Kulturgut anerkannt zu werden.

Autos mit starken Gebrauchsspuren haben da kaum eine Chance, oder in Bewertungsstufen ausgedrückt: Unter Zustand drei geht nichts. Darunter versteht man ein Auto, das normale Verschleiß- und Alterungsspuren aufweisen darf. Es gilt das Motto: nicht schön, aber fahrbereit.

Welches Auto ist nach 30 Jahren noch im Originalzustand?

Kleinere Mängel sind kein Manko, Durchrostungen hingegen schon. Ist dieser Punkt erfüllt, wird es jedoch schwieriger. Klar ist: Ein Auto im Originalzustand nimmt die Hürde mit Leichtigkeit, doch welches Auto blieb 30 Jahre lang unangetastet? Folglich gibt es Spielräume, die der TÜV Süd im Anforderungskatalog (Download unter www.tuev-sued.de ) zusammengefasst hat.

Erlaubt sind zum Beispiel zeitgenössische Umbauten inklusive Tuning. Darunter fällt der Umbau eines MG B, bei dem die späteren Gummi-Prallflächen durch die früheren Chromstoßstangen ersetzt wurden. Ebenfalls zulässig sind Umbauten, die mindestens 20 Jahre zurückliegen. Tolerant reagieren die Prüfer auf eine Modernisierung der Bremsen bei Vorkriegsmodellen von Seilzug- auf Hydraulik-Systeme oder von Ein- auf Zweikreisbremsanlagen.

Entscheidung oft von einzelnem Gutachter abhängig

Ebenso darf die elektrische Versorgung von den früher üblichen sechs auf zwölf Volt umgestellt werden. Trotz der scheinbar eindeutigen Vorgaben entdecken Oldtimer-Fans jedoch immer wieder Klassiker, deren Ausstattung zumindest Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihres H-Status aufkommen lassen. Harald Henninger vom Oldtimer-Spezialisten Arthur Bechtel im Stuttgarter Meilenwerk moniert, dass "meist nur die Kompetenz des Gutachters darüber entscheidet, ob Veränderungen akzeptiert werden".

Oft trägt aber auch so manche zumindest optisch fragwürdige Erscheinung das "H" zu Recht. So sind abweichende Farbtöne – abgesehen von Effektlacken und Airbrush – kein Manko, auch Farb- und Materialwahl innen sind weitgehend frei. Selbst der Austausch von Sitzen gegen andere des Herstellers aus einem jüngeren Modell ist möglich.

Doch was passiert, wenn die Oldtimer-Zulassung offensichtlich zu Unrecht erteilt wurde? Spätestens bei der alle zwei Jahre anstehenden Hauptuntersuchung kann das zum Problem werden, so Philip Puls, stellvertretender technischer Leiter beim TÜV Süd: "Eine AC Cobra mit der Achse eines BMW Dreier E36 ist definitiv nicht original und somit ein erheblicher Mangel, der behoben werden muss. Das dürfte schwer sein." Die H-Zulassung ist man so jedenfalls los.

Freie Hand beim Radio

So schön der Motorensound im Klassiker auch sein mag: Auf Verkehrsmeldungen oder Musik möchten nur wenige Oldtimerfans verzichten. Wer statt eines zeitgenössischen Radios ein modernes Gerät oder gar Navigationssystem einbauen will, kann auf die Einwilligung der Sachverständigen hoffen. Es spricht also nichts gegen den Einbau eines aktuellen Modells, abgesehen von der optischen Erscheinung. Immerhin: Porsche-Fahrer haben die Möglichkeit, ein auf alt getrimmtes Gerät zu erwerben. Alle anderen verstecken es ohnehin meist dezent im Handschuhfach.
 

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden