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Hartes Urteil gegen McLaren

Foto: McLaren F1 53 Bilder

McLaren-Mercedes muss wegen der Spionage-Affäre in der Formel 1 eine Geldstrafe von 100 Millionen Dollar zahlen. Zudem werden dem britisch - deutschen Team alle Punkte in der Konstrukteurs-WM der laufenden Saison aberkannt.

13.09.2007 Michael Schmidt Powered by

Nach einer neuneinhalbstündigen Sitzung des FIA-Weltrates in Paris fiel kurz vor 19:00 Uhr die Entscheidung - die größte Strafe in der F1-Geschichte: McLaren werden alle Punkte für den Konstrukteurspokal in diesem Jahr abgezogen. Zusätzlich muss der englische Rennstall eine Strafe von rund 60 Millionen Dollar bezahlen. Die Summe berechnet sich aus folgender Formel: 100 Millionen Dollar minus den Betrag, den McLaren aus Bernie Ecclestones TV-Kasse bekommen würde, hätten alle Punkte gezählt.

Fahrer behalten die Punkte

Da bekommt man als Weltmeister zwischen 40 und 50 Millionen, als Zweiter zwischen 30 und 40. Man muss kein Mathematiker sein, um auszurechnen: Die Strafe ist in Summe trotzdem 100 Millionen Dollar, denn McLaren bekommt das Geld für den Konstrukteurspokal nicht. Das ist die höchste Strafe, die es je in der Formel 1 gegeben hat. Tyrrell wurde 1984 einmal komplett ausgeschlossen, weil man mit Bleikugeln im Tank mit dem Gewicht betrogen hatte.

Die Strafen beziehen sich zunächst nur auf die Saison 2007. Der Weltrat drohte McLaren jedoch an, dass der Rennstall eine komplette Dokumentation des 2008er Autos vorlegen müsse. Erst wenn sich dann herausstellt, dass keine Komponente von den bei Chefdesigner Mike Coughlan gefundenen Dokumenten abgeleitet ist, bekommen die Silberpfeile grünes Licht für 2008. Da die FIA schon bei dem aktuellen McLaren MP4-22 keine Übereinstimmung gefunden hat, ist das für den 2008er McLaren auch kaum anzunehmen.

Die einzig gute Nachricht ist: Die Fahrer behalten die Punkte und können weiter um den WM-Titel kämpfen. Die FIA begründete den Schritt damit, dass die Fahrer mit ihren Aussagen zur Aufklärung des Falles beigetragen hätten. "Wir haben ihnen dafür Immunität zugesichert", hieß es.

Ferrari ist kampflos Weltmeister

Ferrari ist mit diesem Urteil freilich automatisch und kampflos Team-Weltmeister, was sich auch in der Auszahlung der TV- und Antrittsgelder aus Ecclestones Klingelbeutel niederschlagen wird. Ein doppelter Sieg sozusagen. Felipe Massa und Kimi Räikkönen haben noch vier Rennen Zeit ihre McLaren-Konkurrenten Lewis Hamilton und Fernando Alonso auf der Strecke einzuholen. Massa Rückstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton beträgt 23 Punkte, Räikkönen 18 Zähler.

Mit dem Urteil hat der FIA-Weltrat versucht, es allen Parteien Recht zu machen. Zirkusdirektor Bernie Ecclestone kann sich auf ein spannendes Finale freuen. Das heißt: Die TV-Quoten bleiben hoch. Ferrari hat mit dem Urteil sein Gesicht gewahrt. Zuletzt haben sich Gerüchte verdichtet, dass das Schicksal von Rennleiter Jean Todt von der Entscheidung des Weltrates abhängt. So hat der Franzose wenigstens einen Teilsieg erreicht. Hamilton und Alonso gehen unbeschadet aus der Affäre hervor. Sie trifft keine Schuld.

Haug: "Ein Schock für das Team"

Ob das Urteil für McLaren-Mercedes gerecht ist, steht auf einem anderen Blatt. Prozessbeobachter behaupten, dass die sogenannten neuen Beweise (E-Mail Verkehr der Fahrer, Auflistung der Telefongespräche zwischen Nigel Stepney und Mike Coughlan) nicht ausreichen, um so eine Strafe auszusprechen. Ein Teammitglied urteilte: "Wir haben heute nichts Neues gelernt. Man bewegt sich weiter im Bereich von Vermutungen." Den Verlust des Geldes mag McLaren-Mercedes verschmerzen. Der Rennstall gibt pro Jahr eine Summe jenseits von 300 Millionen Dollar aus. Frank Williams gibt zu bedenken: "Ein Team wie Spyker lebt von so einer Summe eine Saison."

Mercedes-Sportchef Norbert Haug zeigte sich erschüttert: "Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und wie die Reaktionen der Medien und der Formel 1-Anhänger zeigen auch für weite Teile außerhalb. Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit auf der Rennstrecke, um Antworten zu geben wie zuletzt in Monza und neben der Rennstrecke vor Gericht, um Gerechtigkeit zu finden." Mit anderen Worten: McLaren geht in Berufung. Ob parallel auch eine Zivilklage gegen die FIA angestrengt wird, darüber soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Es ginge dann um eine Schadensersatzklage in dreistelliger Millionenhöhe.

Der Weltverband will am Freitag (14.9.) seine Entscheidung im Detail begründen.

Aktualisierte Kontrukteurs-Wertung (13 von 17 Rennen):

1. Ferrari - 143 Punkte
2. BMW Sauber - 86 Punkte
3. Renault - 38 Punkte
4. Williams - 25 Punkte
5. Red Bull - 16 Punkte
6. Toyota - 12 Punkte
7. Super Aguri - 4 Punkte
8. Honda - 2 Punkte


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