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Engelbert Möll

Herz in der Garage

Foto: Wolfgang Wilhelm 6 Bilder

Der Schweizer Engelbert Möll, 69, fuhr einst Abarth-Werkswagen. Ein Unfall stoppte die Rennkarriere, nicht aber die Passion. Bilder einer einzigartigen Sammlung.

14.01.2007 Malte Jürgens Powered by

Das freie Training zum Lauf der kleinen GT-Klasse auf der Stuttgarter Solitude lief 1963 ohne die Werkswagen von Carlo Abarth - Fertigstellung und Transport hatten sich drastisch verzögert. Erst beim allerletzten Training zum GT-Lauf am 28. Juli wurden die 1300er-Simca-Abarth abgeladen.


Die drei Werkspiloten Teddy Pilette, Hans Herrmann und Engelbert Möll mussten ab der ersten Runde Vollgas geben, um noch eine brauchbare Zeit zu erzielen. Herrmann donnerte vorneweg - in seinem Schatten der gerade erst zur Abarth-Equipe gestoßene Schweizer Engelbert Möll. Der 28-Jährige hatte zuvor bereits zusammen mit dem Belgier Pilette das Zwölf-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen und galt als großes Sportwagentalent.

Die schnelle Biegung am Streckenabschnitt Frauenkreuz wird Möll zum Verhängnis: Der GT bricht blitzartig aus, vermutlich wegen eines Defekts des neuerdings von Abarth verwendeten 80-Prozent-Sperrdifferenzials.Er touchiert einen Streckenposten, prallt gegen einen Baum und wirft seinen Motor noch 30 Meter weit in den Wald.

Ein paar Wirbel zertrümmert

Möll findet sich schwer verletzt im Stuttgarter Marienhospital wieder. Der Aufprall hat dem Schweizer ein paar Wirbel zertrümmert und zwingt ihn später an den Stock. Anderthalb Jahre im Krankenhaus folgen, aber Möll sagt: "Jetzt gerade." Ein Attest von den besten Luftwaffen-Ärzten des Landes schreibt ihn wieder tauglich für Rennen mit Autos - wenn sie über eine Automatik verfügen.

In der Folge zirkelt Möll bei Tourenwagenrennen große Amerikaner um die Kurse, bevorzugt von Pontiac. Ende der Sechziger ist Schluss – das eigene Opel-Geschäft und die General-Motors-Vertretung absorbieren alle Kräfte. Die Abarth-Leidenschaft aber absorbieren sie nicht. "Carlo", erinnert sich der sympathische Haudegen und klopft zur Bekräftigung mit einer der beiden Geh-Hilfen auf den Boden, "Carlo war einfach ein geniales, liebenswertes Schlitzohr."

Leistungskurven seiner Motoren verbarg er zum Beispiel sorgfältig vor den Kunden. Niemand außer ihm sollte wissen, wer ein paar PS mehr oder weniger bekommen hatte. Und noch ein Trick: Fahrer von Werkswagen, die unerlaubterweise den Drehzahlmesser öffneten und mit dem Zurückstellen des verräterischen Schleppzeigers ihr Überdrehen der Maschine vor Abarth verbergen wollten, erkannte man oft daran, dass sie am blutenden Zeigefinger lutschten.

Superstarke Permanentmagneten

Der Patron hatte die abgekniffene Spitze einer Nähnadel versteckt von hinten an den Verschluss des Instruments gelötet. Damit war erst Schluss, als der Holländer Toine Hezemanns mit einem winzigen, aber superstarken Permanentmagneten die Schleppzeiger von außen zurückdrehte.

1972 kreuzte unvermutet ein abgewirtschafteter Fiat Abarth Bialbero den Weg von Möll. Die alte Liebe brach sich Bahn, und seit nunmehr 32 Jahren trägt der Schweizer zusammen, was vier Räder hat und Abarth heißt. Die Sammlung umfasst mittlerweise 35 der wildesten und wichtigsten Renn- und Sportwagen aus dem Turiner Corso Marche 40, flankiert von Mölls einzigartiger Motorenkollektion.

Manisch besorgt um seine Schätze ist Möll dabei nicht. Als Motor Klassik die Garage seines Herzens betrat, schlug er vor: "Sucht einen aus und fahrt mal damit. So bekommt man das beste Gefühl für einen Abarth."

Die Wahl fiel auf den OT 2000 im 850er-Kleid. Der hat nämlich keinen Schleppzeiger im Drehzahlmesser.

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