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High Tech Modellautos

Der Mini-Champ

Foto: Reinhard Schmid 38 Bilder

Martin Taxis baut Auto-Modelle im Maßstab 1:87 aus Metall, die mit ihrer Detailtreue den großen Brüdern in 1:18 nur wenig nachstehen. Seine Firma heißt High Tech Modell und bietet noch vieles mehr.

26.09.2013 Franz-Peter Hudek Powered by

Martin Taxis sollte keinen Schnupfen haben. Auch starker Kaffeegenuss und zittrige Hände würden seine Firma auf Dauer ruinieren. Sogar ein nur für Sekunden geöffnetes Fenster, das einen Taifun über dem Fabrikgelände entfacht, könnte die Produktion ins Stocken bringen. Denn dann wirbeln Türen, Sitze, Motoren, Scheinwerfergläser, Scheibenwischer und Bremspedale durch die Luft, die zum Teil kaum größer sind als die Krümel eines Spekulatius-Gebäcks. Sie gehören zu Modellautos im Maßstab 1:87, die Martin Taxis baut, komplett und im Alleingang, aus schwerem, lackiertem Weißmetall.

Automodelle aus Weißmetall statt Kunststoff

Seine Firma heißt High Tech Modell und befindet sich in den Kellerräumen eines Einfamilienhauses im schwäbischen Albstadt. Gerade arbeitet Taxis an einer Serie weißer Porsche 911 Carrera RS von 1973, die vor ihm in einer Reihe auf dem Arbeitstisch stehen. Sie warten auf das Anbringen der charakteristischen "Carrera"-Schriftzüge und Zierstreifen. Die Mini-Karosserien erhielten ihren weißen Einbrenn-Lack im Autolackierer-Fachbetrieb. Auch die Nass-Abziehbilder bis hin zur winzigen "2.7"-Hubraum-Angabe lässt Taxis bei einer Spezialfirma nach eigenen Vorlagen anfertigen, die er jetzt mit ruhiger Hand und ohne Lupe oder Vergrößerungsglas punktgenau auf die kleinen Karosserien anbringt.

Der Maßstab 1:87 ist auch als HO (gesprochen H-Null)-Modelleisenbahn-Maßstab bekannt, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein etablierte. Es folgten bald Modellautos in 1:87. Besonders die Marke Wiking genießt bis heute einen hervorragenden Ruf und trotzt einer enorm gewachsenen Konkurrenz von Herstellern wie Brekina, Busch, Herpa und anderen.

Doch im Unterschied zu deren Produkten sind die Modellautos von Martin Taxis aus schwerem Weißmetall. Außerdem entstehen sie fast komplett in Eigenregie und beeindrucken durch ihre hohe Detailtreue und Präzision. So bestehen seine Standard-Modellautos (Personenwagen) aus durchschnittlich 60 bis 70 Einzelteilen – mehr als doppelt so viele wie bei den Kunststoff-Autos der großen Modell-Marken. Allein jedes Rad besteht aus vier verschiedenen Komponenten.

Mit gelochten Pedalen und sechsteiligen Felgen

Eines der Glanzstücke aus Taxis‘ Serienproduktion, die vornehmlich aus historischen Porsche-Typen besteht, ist der Maserati Tipo 61 "Birdcage" mit seinem filigranen Gitterrohr-Rahmen, der auch im Fahrer-Cockpit deutlich zu sehen ist. Der Birdcage ist daher eine beliebte Vorlage für Rennwagen-Modelle im Maßstab 1:18, weniger im Maßstab 1:87.

Doch Martin Taxis gelang der Kraftakt: "Mich hat es natürlich gereizt, ob ich den Rohrrahmen des Maserati in diesem kleinen Maßstab hinkriege." Er hat es hingekriegt, als hauchdünnes Foto-Ätzteil erkennt man deutlich das Rohrgeflecht mitsamt dem braunem Lenkrad, Schalthebel und gelochten Pedalen. Jedes aus Aluminium gedrehte Rad besteht sogar aus sechs Komponenten einschließlich des Zentralverschlusses aus goldfarbenem Messing.

Filigrane Fotoätzteile

Der Grundwerkstoff von High Tech Modell ist Weißmetall, eine spezielle Zinnlegierung für den Modellbau, mit der die Karosserien und Bauteile bis zur Größe von Stoßstangen und Motoren gegossen werden. Die Urform fräst Taxis aus einem Stück Messing. Anhand von Fotos und Bauplänen hat sich der Miniatur-Autobauer selbst die Originalmaße der Vorbilder für den Maßstab 1:87 umgerechnet, sodass die Urform während des Entstehungsprozesses ständig vermessen wird.

Die geglättete und polierte Messingform wird schließlich in die noch weiche Gussform aus Silikon gepresst. So entsteht dort der Abdruck für den späteren Weißmetallguss. Hierzu muss die kreisförmige Silikonform unter Druck und bei Temperaturen von rund 200 Grad vulkanisiert werden. Nach der Entnahme der Messing-Urform steht die Silikonform für den Weißmetall-Guss bereit und kann im Idealfall bis zu 100 Mal verwendet werden.

Neben den Weißmetall-Gussteilen finden stets wie beim Maserati Birdcage noch Foto-Ätzteile aus Metall Verwendung: Scheibenwischer (auch schwarz lackiert), Fensterrahmen, Lampeneinfassungen, Rückspiegel, Türklinken und mehr. Oder am Porsche 911 im East African Safari Trimm die Haltegriffe, Tritt-stufen und Dachgepäckträger, während die vier Zusatzscheinwerfer und die rote Doppelhorn-Fanfare aus massivem Weißmetall-Guss bestehen.

Komplettmodell oder Bausatz

Martin Taxis ist Herr über eine komplette Miniatur-Automobil-Fabrik. Er konstruiert, produziert, koordiniert und macht das Marketing (Messe-Besuche) für derzeit 75 Oldtimer-Modelle, darunter zwei Porsche-Renntransporter von MAN und Mercedes-Benz. Die Preise für die Standard-Personenwagen liegen als Fertigmodelle zwischen 70 und 140 Euro, die anspruchsvollen Bausätze kosten etwa die Hälfte (www.hightechmodell.de ).

Der gelernte Bankkaufmann betreibt seit 1995 seine Miniatur-Automobilproduktion. Schon mit 8 Jahren entbrannte in dem heute 50-Jährigen seine Leidenschaft für den Automobil-Modellbau, damals noch mit den einschlägigen Plastik-Kits von Revell und Co. Doch dann entdeckte er sein Talent für den Bau von eigenen Metall-Modellen.

Zwei Dinge allerdings trüben den Spaß an der Automobilfabrikation: "Einer meiner Autotransporter wurde wohl nach China geschickt und kam von dort als 1:18-Modell nach Deutschland zurück", berichtet Taxis. Ebenso frustrierend ist es, wenn Bastler ihre halbfertigen, oft "vermurksten" 1:87-Metall-Bausätze nach Albstadt schicken, damit Taxis diese vollends zusammenbaut.

Mini-Werkzeuge in 1:87

Wer für die perfekt aufbereiteten Miniaturen einen dekorative, zeittypische Umgebung sucht, der wird ebenfalls bei High Tech Modell fündig, denn Martin Taxis ist auch ein begnadeter Dioramen-Bauer. Im Maßstab 1:87 passen diese locker auf eine Handfläche und zeigen so hübsche Details wie winziges Werkzeug und Zylinderkopfdichtungen auf einer Werkbank.

Einige Dioramen baut Taxis auch für Modellautos im Maßstab 1:43 und 1:18. Darüber hinaus bietet er in den beiden großen Sammlermaßstäben auch Werkstatt-Einrichtungen für Selbstbau-Dioramen wie Druckluft-Kompressor mit Schlagschrauber, Reifenwuchtmaschine, Transportwagen-Set, Motorhebekran und vieles mehr.

Natürlich besitzt der Oldtimer-Fan auch einige Autos im Maßstab eins zu eins: VW Brezel-Käfer, NSU Wankel-Spider und Ro 80 sowie einen Audi Quattro. So kamen der Wankel-Spider und das Sportprinz-Coupé bereits in das Porsche-lastige Modellauto-Programm. Auch einige Käfer-Typen sind unterwegs. Bleibt also das Warten auf den Quattro.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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