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Tops und Flops der Retro Classics

Highlights der Retro Classics 2015 Foto: Franz-Peter Hudek 45 Bilder

Was muss man sehen, was sollte man sich ersparen - die Motor Klassik-Redaktion stellt die Tops und Flops der Retro Classics vor.

30.03.2015 Dirk Johae, Franz-Peter Hudek, Benjamin Köbler-Linsner, Kai Klauder Powered by

Top und Flops von Michael Schröder

Die Kollegen hatten sie ja bereits erwähnt - die erdrückende Mercedes- und Porsche-Dominanz bis in den letzten Hallenwinkel. Und wer dachte, dass die Preise im vergangenen Jahr schon hoch waren, wurde (eigentlich erwartungsgemäß) eines Besseren belehrt. Allerdings schein man bereit, die bisweilen absurd hohen Preise zu bezahlen, anders lassen sich die vielen "Verkauft"- Schilder, die schon am Samstagnachmittag viele Autos zierten, nicht erklären. Nun denn, die Szene brummt, und wer ohne Elfer-Brille durch die Hallen schlenderte, stolperte hier und da über ein paar nette Auto-Highlights, zu denen in meinem Fall gleich drei US-Cars zählen.

Top 1: Okay, ein Mercedes sei gestattet. Weil dieser rote 124er TE so herrlich unschuldig in Halle 6 auf einen Neubesitzer wartete. Der Erstbesitzer hatte den Kombi beim Kauf 1986 wahrhaftig nur ein Extra spendiert: Ve0rzurrösen im Kofferraum, ansonsten handelt es sich um eine absolute Basis-Version mit derzeit nur 49300 Kilometer auf der Uhr. Irgendwie bestechend charmant. Der Preis: 12.900 Euro.

Top 2: Ein Datsun 260 Z 2+2 aus der Schweiz, Jahrgang 1976, erste Hand, 50000 Kilometer für 14.900 Euro. Ein tolles Auto im Originalzustand, einzig das lackierte Dekor im 80iger-Style wurde nachträglich aufgebracht, aber damit könnte ich mich arrangieren.

Top 3: Chevrolet Chevelle SS-Coupé mit einem 7,4-Liter-Aggregat (454 cui) in Mulsane-Blau. Preis: 59.950 Euro. Ich gebe zu, dass ich noch immer ziemlich empfänglich für Rallye-Streifen bin...

Top 4: Renault R5 Turbo 2. Wann ich zuletzt einen dieser wilden Heckmotor-Sportler gesehen habe? Keine Ahnung. Umso größer meine Begeisterung für dieses Exemplar in Halle 1. Die Eckdaten: Jahrgang 1984,  160 PS, 66800 Kilometer, Preis 64.950 Euro (fraglich, ob sich für diesen Betrag jemand findet, aber man kann es ja versuchen).

Top 5: So ein Jeep Wagoneer zählte zu den ersten Autos, die ich während eines Schüleraustauschs in den USA im Jahr 1980 selbst fahren durfte - so etwas vergisst man natürlich nicht. Dieses im Jahr 1981 in die Schweiz ausgelieferte Modell mit einem 162 PS starken 5,9-Liter-V8 besticht zudem durch seinen absoluten Originalzustand und Vollausstattung inklusive Panoramaglasdach, Lederpolsterung oder Tempomat. Der Preis: 36.500 Euro.

Top 6: Und noch ein US-Car, dass mir in Halle 5 aufgefallen ist: ein Pontiac Grand Safari, Jahrgang 1973. Riesiger, vollausgestatteter Kombi mit neun Sitzen und dem größten verfügbaren Pontiac-Triebwerk unter der Haube (7,3 Liter). Toller Zustand, der Preis: 24.500 Euro.  Genau das richtige Auto, um mit der Familie an den Baggersee zu fahren...

Flop: Eindeutig das absurd hohe Preisniveau.

Tops und Flops von Franz-Peter Hudek

Wieder einmal dominieren in Stuttgart das Porsche-Modell 911 und viele gepflegte Mercedes-Youngtimer, die auf mich wie Gebrauchtwagen aus der dritten Reihe wirken. Dennoch gab es einige Höhepunkte, die ich während eines Schnelldurchgangs am Donnerstag-Nachmittag gesichtet habe. Vor allem amerikanische Klassiker, die nicht immer ein Mustang, Charger oder Corvette sein müssen, bieten viel Stil und zumindest bis etwa 1965 auch atemberaubende Interieurs.

Top 1: Zwei sündhaft teure, aber einfach überzeugende Italiener in Halle 1: Alfa Romeo 1900 CSS Touring von 1954, Matching Numbers, 2004 auf Neuzustand restauriert, 115 PS, 188 km/h, Mille Miglia tauglich, stramme 199 900 Euro. Auch der originale Lancia Fulvia HF 1.6 von 1969 aus zweiter Hand ist mit 89 000 Euro kein Schnäppchen, bietet aber mit 114 PS sicher viel Fahrspaß.

Top 2: Das ist mal ein Mercedes-Youngtimer mit Stil: 560 SEC als Koenig-Umbau (1987). Selbstverständlich mit allen Extras und 279 Kat-PS. Als Verhandlungsbasis dient der Gutachten-Schätzwert von 25.000 Euro. Auf der Empore in Halle 1.

Top 3: Man muss in Halle 4 etwas suchen, um den noch immer genial schönen Opel CD zu entdecken, der auf der IAA 1969 gezeigt wurde. Daneben steht eine interessante Machbarkeitsstudie im Maßstab 1:1, die zeigt, wie die Technik mit dem Diplomat-V8 unter der engen Außenhaut funktioniert.

Top 4: Wunderschöner Chevrolet Impala von 1964, V8-Motor mit 195 PS. Ein diskreter, eleganter Ami, der bei jeder Rallye gern gesehen wird. Steht in Halle 5 und kostet nur das Viertel eines frühen Elfers: 35.950 Euro.

Top 5: Und so sieht der Impala innen aus: Neue Verkleidungen und Polster, ordentlich viel Chrom und ein hypermodernes Armaturenbrett im spacigen Kunststoff-Look. Steht in Halle 5.

Top 6: Klassische(r) Maserati für 11.000 Euro. Von 1953 bis 1961 gab es Motorräder mit dem Dreizack. Hier eine 125er Turismo Lusso mit 4,8 PS und nur dem allernötigsten, was ein Motorrad braucht. Auf der Empore in Halle 1.

Top 7: Echtes Kulturgut: Ein schlichter, viertüriger Golf C von 1982 aus dem letzten Modelljahr des Golf I. Wenn irgendwann nur echte und falsche GTI-Zweitürer übrig sind, wird dieser Basis-Golf zum Star. Empore in Halle 1, 9.990 Euro.

Top 8: Und noch ein interessanter Ami aus Halle 5: De Soto (gehörte zu Chrysler) Custom Club Coupé von 1949. Ein Auto wie eine Burg und mit mehr Chrom im Kühler als ein aktueller Audi A8. Dr 3,9-Liter-Sechszylinder bringt 112 PS, 29.950 Euro.

Flop 1: Porsche 911 als UFO, gebaut von Tuner Strosek. Es heißt Mega S Cabrio. Darunter steckt tatsächlich ein Porsche Carrera 2 Cabrio (993) von 1995. Das Hardtop ist abnehmbar, 79.999 Euro in Halle 6.

Flop 2: Trockener Garagenfund aus Kalifornien in Halle 1, seit 30 Jahren stillgelegt. Deshalb unfallfrei. Braucht Total-Restaurierung bis zu den drei Kurbelwellenlagern. Wahrscheinlich ist der Preis für das Fundstück sogar angemessen: 49.000 Euro. Trotzdem: lieber nicht, schon gar nicht 190 SL.

Flop 3: Dodge Stealth von 1991 mit 225 Frontantriebs-PS. Eigentlich ein Mitsubishi, der bei uns als 3000 GT mit fast 300 PS und Allradantrieb für Furore sorgte. Aber ein Dodge Stealth? Das kann man ja kaum trocken aussprechen!

Flop 4: Ob dem Osterhasen das Ostermann-Coupé auf VW Käfer Basis gefallen könnte, ist wohl zu bezweifeln. Mit dem heißen Hotrod-Umbau von 1981 wird es Meister Lampe schwer fallen, unbemerkt seine Eier zu verstecken. 1,6-Liter-Einspritzer mit 65 PS, 14.500 Euro in Halle 6.

Tops und Flops der Retro Classics von Dirk Johae

Um es vorweg zu erwähnen: Aus dem riesigen Angebot einer Klassiker-Messe je drei Tops und drei Flops auszuwählen, ist immer ein ungerechtes Unterfangen. Es liefert einen sehr subjektiven Ausschnitt aus den ausgestellten Fahrzeugen, der gut und gerne auch anders hätte ausfallen können. Hier also die Wertungen der "Jury Johae", ausnahmsweise mal ohne Rennwagen – na ja, fast:

Top 1: Delahaye MS135 Cabriolet Viotti (1948). Einen raren Traumwagen der späten 40er Jahre zeigt der Schweizer Christian Traber (Graber Sportgarage) in der Halle 1. Es ist ein Cabriolet mit der Karosserie der italienischen Firma Viotti – von diesem Modell wurden nur drei Autos gebaut. Der Rahmen und die Antriebstechnik stammt von der französischen Marke Delahaye. Das von Traber angebotene Cabrio hat nur zwei Vorbesitzer. Eine echte Überraschung der Retro Classics, die nicht viele Worte braucht.

Top 2: Neoplan Cityliner (1971). Seit dem Rossfeld Revival begeistere ich mich für historische Busse: Zwischen den Läufen für die Rennwagen transportiert dort eine ganze Armada unterschiedlicher Modelle die Besucher aus dem Fahrerlager in den Zielbereich und wieder zurück. Bei der Retro Classics sind Busklassiker in der Halle 8 zu sehen. Mein Top ist ein Exponat, das in der zweiten Reihe gezeigt wird: ein Neoplan (Auwärter) Cityliner aus dem Jahr 1971. Der Reisebus wurde an ein Unternehmen in Harsewinkel ausgeliefert und von der Firma überdurchschnittlich lange eingesetzt. Heute gehört der 18. je gebaute Cityliner dem Auwärter-Museum.

Top 3: Facel Vega Excellence (1959). Was für ein Auto: Die französische Firma baute parallel zum Coupé HK500 auch diese Luxuslimousine. Von 1958 bis 1964 entstanden nur 152 Autos, ausgerüstet mit US-V8-Motoren. Der Excellence, für den es auf Wunsch auch ein Autotelefon gab, war fast so teuer wie ein Rolls-Royce. Das in Halle 1 vom österreichischen Händler Car Collection Wittner gezeigte Exemplar ist mit einem 330 PS starken Chrysler Hemi mit 6,3 Litern Hubraum bestückt.

Flop 1: Servolenkungen für Klassiker. Mit dem Slogan "Der Wendepunkt für ihren Klassiker" wirbt der Anbieter für seine elektrische Servolenkung-Nachrüstung: Klassisch fahren – mit moderner Technik. Nicht mit mir, bietet das Fahren mit Klassikern für mich die Flucht aus der Zwangsjacke vor allem elektronischer Assistenz- und Unterstützungssysteme. Mein einziger Trost: Ein Rückbau auf den ursprünglichen Zustand ist jederzeit möglich.

Flop 2: Vorkriegs-"Specials". Diese nachträglich umgebauten, sportlichen Zweisitzer von Autos aus der Zeit vor 1945 gehen mir gewaltig auf den Nerv. Meist wurden Limousinen für solche Fantasieautos geopfert, welche sich schlicht besser vermarkten lassen. Ein sportlicher Zweisitzer mit ordentlich Qualm an der Kette wie der Chrysler Imperial 80 L "Big Six" Special ("Baujahr 1928") ist doch viel cooler als die vermeintlich langweilige Limousine, deren gekürzter Rahmen einst als Basis für den Special herhalten musste. "Dank synchronisiertem Getriebe und bequemer Sitzposition verblüffend leicht fahrbar" (Händler-Poesie): Das Ganze gibts für schlanke 129.000 Euro (kein Schreibfehler!).

Flop 3: "Autsch-Klassiker". Das sind sie, die bösen Sünden der 70er und 80er Jahre: ein BMW Barockengel mit Cabriolet-Karosserie von Baur, den einer der Vorbesitzer in eine Fa-Seifen-grüne Metalliclackierung getaucht hat. Vor 60 Jahren wurde dieser offene 501 als einer von insgesamt nur 44 Autos beim Stuttgarter Karosseriebauer mit der Sonderkarosserie versehen. Was ist nur aus dieser Rarität geworden? Der V8-Motor ist ein "upgrade" – auch der dezente Hinweis auf dem Verkaufsschild auf das Auktionsergebnis eines pro forma vergleichbaren Schwesterautos (341.000 US-Dollar) macht das grüne Seifenstück mit ziemlich abgerocktem Innenraum nicht wertvoller.

Tops und Flops von Benjamin Köbler-Linsner

Top 1: In Halle 5 steht ein originalgetreuer Nachbau des DeLorean aus dem Film "Zurück in die Zukunft". Die Lampen im Innenraum leuchten sogar. Die Aufbauten bestehen aus den verschiedensten Gegenständen. Nur bei sehr genauem Hinsehen erkennt man darunter Duschgitter, Eishockeypucks oder eine elektronische Kaffeemühle.

Top 2: In Halle 4 sind diverse Studienfahrzeuge ausgestellt. Die Styling-Studie CD von Opel ragt mit ihrer großen Glasfläche besonders heraus. Erstmals wurde die Studie CD 1969 vom damaligen Opel-Designchef Charles M. Jordan vorgestellt. Statt einzelner Fenster besitzt das Fahrzeug eine durchgehende Scheibe.

Top 3: Dem Toyota Land Cruiser lief ich zufällig in Halle 8 über den Weg. Er erinnerte mich an Namibia, wo diese Fahrzeuge heute noch zum Straßenbild gehören. Aus gutem Grund, denn viele Tourguides bezeichnen die Geländewägen aktueller Modellgenerationen als unzuverlässig. Hauptsächlich wegen der vielen Elektronik.

Top 4: Heute schon Wein getankt? In Halle 3 sind zahlreiche Zapfsäulen und Öldosenschränke aus der Vorkriegszeit ausgestellt. Dieses Ausstellungsstück wurde vom Aussteller "alte-tanksaeulen.de" zum Weinschrank umfunktioniert.

Flop 1: Brunold hat einen ziemlich großen Stand in Halle 4. Dass ein Teil der Fläche jedoch zur Präsentation von Neuwagen genutzt wird, verfehlt den Sinn der Retro Classics. Für solche Zwecke gibt es geeignetere Veranstaltungen.

Weitere Tops und Flops der Retro Classics zeigen wir in unserer Fotoshow.

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