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Hightech-Uhrenbau bei Hublot

Goldene Magie

Hightech-Uhrenbau, Jean-Claude Biver, Hublot Foto: Häußermann 6 Bilder

Hublot nutzt beim Bau klassischer mechanischer Uhren moderne Materialien. Und wenn es das Gewünschte nicht gibt, wird es eben selbst erfunden und in der eigenen Hexenküche hergestellt. Da wird sogar Ferrari hellhörig.

22.03.2014 Powered by

Stahl ist out. Mit Stahl hat man den Eiffelturm gebaut, das ist ein Material von gestern, das haben wir ausgemustert", sagt Jean-Claude Biver. Er ist ein Mann klarer Worte. Und ein Mann, der konsequent entscheidet. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist er einer der erfolgreichsten Uhrenmanager der Welt und hat zusätzlich zu seinem Job als Hublot- Verwaltungsratsvorsitzender die Aufgabe des Verantwortlichen für das Uhrengeschäft des Mutterkonzerns LVMH (Louis Vuitton, Moët, Hennessy) übertragen bekommen.

Die Uhrengehäuse werden gebacken

"Als ernst zu nehmende Manufaktur sollte man sich mit Materialien auskennen", meint Biver, der die "Art of Fusion" - also die Kunst, Altes mit Neuem zu verbinden - zur Geschäftsgrundlage von Hublot gemacht hat. So ist Hublot mittlerweile in der Lage, klassisch konstruierte Bauteile für Uhrwerke oder ganze Uhrgehäuse aus Carbon zu fertigen. Das ist Kernkompetenz der Tochterfirma Profusion, die Hublot vor Jahren übernahm. Profusion fertigt die Rohlinge ihrer Uhrenkomponenten im selben Stil wie Formel-1-Rennställe ihre Monocoques. Lage für Lage werden mit Harz vorimprägnierte Matten in einer Form übereinandergelegt und anschließend gebacken. CNC-Maschinen fräsen aus dem Rohling das fertige Bauteil.

Kauf und Kooperation

Biver und sein Team setzen aber nicht nur auf Zukauf von Wissen, sondern auch auf die Kooperation mit der Wissenschaft. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne gelang es, das im Uhrenbau altbekannte Material Gold, das bekanntermaßen wenig kratzfest ist, mit knallharter Keramik zu kreuzen. Das Ergebnis heißt "Magic Gold", das eine Härte von 1.000 Vickers hat. Zum Vergleich: 18-karätiges Gold hat 400 Vickers, gehärteter Stahl 600.

Nur Diamanten sind härter als Magic Gold. So sind Diamantwerkzeuge und Laser unverzichtbar bei der Verarbeitung der rohen Gehäuse. Das berichtet uns Senad Hasanovic, ein Ingenieur der Materialwissenschaft, der die Entwicklung von Magic Gold an der ETH Lausanne maßgeblich mitverantwortete und heute für Hublot arbeitet. Auf dem Weg zum Magic Gold entdeckte er, quasi als Abfallprodukt dieses Forschungsprojekts, dass Keramik nicht schwarz sein muss, sondern zum Beispiel auch rot sein kann.

Forschung für Ferrari?

Basis für Magic Gold ist Borcarbid, auch "schwarzer Diamant" genannt, ein äußerst hartes Material. Es wird kalt mit 200 Bar in die gewünschte Rohform des späteren Teils gepresst. Bei dieser Form wird berücksichtigt, dass Keramik beim Sintern immer etwas schrumpft, wenn die Partikel bei 2.200 Grad Celsius und unter Druck gehärtet werden. Danach wird das verflüssigte reine Gold (24 Karat) mit 200 Bar Gasdruck bei 1.400 Grad in die Poren der Keramik eingebracht: Es entsteht ein neues, homogenes Material - 18-karätiges Magic Gold.

Magic Gold ist enorm verschleißfest und oxidiert nicht - Eigenschaften, die man auch im Automobilbau liebt. Weshalb derzeit die Metallurgen von Hublot-Kooperationspartner Ferrari die Materialentwickler in Nyon ab und zu besuchen. Denn hier wird gerade mit der Kreuzung von Keramik und Aluminium experimentiert. Erste Ergebnisse könnten schon auf der Baselworld 2014 zu sehen sein. Und vielleicht auch bald in einem Ferrari.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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