Historie Land Rover und Lada Niva: Altrad-Antriebe

Eine kleine Geschichte über Land Rover und Lada Niva - zwei Autos, die noch für Weltreiche entwickelt wurden. Die Imperien sollten zerfallen, doch Landy und Niva blieben bestehen - der britische Geländewagen seit 60, der exsowjetische seit 30 Jahren. Wir gratulieren den Unverwüstlichen.

Der Legende nach tobt der Sturm, der den Land Rover hervorbringt, im Frühjahr 1946 drei Tage und drei Nächte über der Grafschaft Warwickshire. Er entwurzelt Baumschonungen und die Blumenzucht von Lady Thunderbeam, macht 14 Kühe obdachlos. Am vierten Morgen tritt Maurice Wilks auf den Hof von Blackdown Manor, um zu sehen, was der Orkan auf seinem Anwesen angerichtet hat. Vom Nachbarhaus trägt der nachlassende Wind die Worte Lady Thunderbeams herüber. "Die Geranien sind eine einzige Zumutung", haucht sie und fällt sogleich in eine angemessene Ohnmacht.

Rover baut ein Universalfahrzeug

Maurice Wilks’ feste Oberlippe bebt nur leicht, als er sich - die Ausmaße der Verwüstung feststellend - zu dem Nebengebäude durchschlägt. Dort steht ein Bergepanzer, den Wilks nach dem Krieg gefunden hat. Mit ihm beginnt er die Aufräumarbeiten. Wie es sich damals noch für die Arbeiterklasse gehört, eilt schnell ein Gärtner mit einem - ebenfalls gefundenen - Willys Jeep zur Hilfe. Wilks ist von dem US-Allradauto derart begeistert, dass er den Panzer gegen den Jeep eintauscht und Rover den Bau eines ähnlichen Universalfahrzeugs vorschlägt. Die Tatsache, dass Maurice technischer und sein älterer Bruder Spencer geschäftsführender Direktor bei Rover ist, verleiht dieser Idee den nötigen Nachdruck.

Ohne übertriebene Rücksicht auf das Jeep-Copyright entsteht binnen weniger Wochen ein Prototyp. Bei ihm sitzt das Lenkrad mittig. Weil Rover keinen Stahl zugeteilt bekommt, bedeckt eine Alukarosse schamhaft die vom Jeep abgespickte Technik. Das erste Serienmodell präsentiert Rover Ende April 1948 auf der Automesse Amsterdam - die Krönung des Königs der Geländewagen. Obwohl eigentlich als Arbeitsgerät für britische Landlords und Landwirte erdacht, wird der Land Rover mit einer größeren Aufgabe berühmt: Das Empire schickt ihn in die Kolonien. Anders als viele andere Botschafter Britanniens heißen ihn die erst entdeckten und dann unterworfenen Völker gern willkommen. Auch als das Empire längst untergegangen ist, dienen noch Generationen von Land Rover treu in Afrika. Wenn sie schließlich alt und krank sind, schleppen sie sich ein letztes Mal in die Steppe, um dort zu sterben.

Der Wagen erzieht den Fahrer zu einem echten Kerl

Moderne Fahrsicherheitstests dagegen ermüden den Defender, da legt er sich gern ein bisschen hin. Dem Niva erginge es wohl kaum anders. Auch er formt den Charakter seines Fahrers, erzieht ihn zu einem echten Kerl, der ein gefährliches Leben mit wenig Komfort sowie lautstarke und leistungsschwache Motoren schätzt. Die Federung leistet Schlaglöchern nur passiven Widerstand, und die Bremsen erwähnt die Preisliste zwar kurz nach dem Posten "Bordpapiere in Deutsch", sie halten sich aber sonst dezent im Hintergrund. Dafür legt der Inhalt des Niva-Bordwerkzeugs den Grundstock an Arbeitsmitteln für Existenzgründer im Kfz-Instandsetzungsgewerbe.

Den wahren Wert dieser beiden Autos entdecken ihre Besitzer in der Wildnis. Defender und Niva sind Wagen für echtes Gelände. Mit ihrem Fahrer bestehen sie jedes Abenteuer - oder scheitern in ewiger Treue gemeinsam daran. Das passiert an Orten, von denen man schleckigen SUV nicht mal erzählen darf, weil sie sonst nachts davon alpträumen und verstört aufschrecken. Der Land Rover sah das Empire untergehen, der Niva die Sowjetunion. Dass sie das nicht verhindern konnten, geht ihnen heute noch nach. Doch nun müssen sie sich um sich selbst kümmern und gemeinsam durchwühlen. Denn jetzt, da sich selbst ihr alter Kumpel, das Mercedes-G-Modell, zur schicken G-Klasse hat umoperieren lassen, sind sie ja nur noch zu zweit. Hey, Kopf hoch, ihr zwei alten Säcke: alles Gute. Und vergesst nicht: Man ist so alt, wie man sich wühlt.

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Land Rover | Lada

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Sebastian Renz

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