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Historisch wertvoll

Interview mit Klaus Werner

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Mit dem neuen Historisch-Technischen Wagenpass der FIA könnten künftig Replikas an Rennen teilnehmen. Keine gute Idee, befindet Rennwagen-Spezialist Klaus Werner.

14.01.2007 Hans-Jörg Götzl Powered by

Herr Werner, mit der Einführung des Historisch-Technischen Wagenpasses will die FIA den Veranstaltern künftig freistellen, Replikas zu historischen Rennen zuzulassen – und erklärt als Begründung, es gäbe eine steigende Zahl von Nachbauten. Zudem sei die FIA dazu da, Motorsport zu ermöglichen und nicht, ihn zu verhindern. Was halten Sie davon?

Werner: Ich finde es überhaupt nicht in Ordnung, die Dinge zu verwässern. Wenn Originale und Replikas zusammen auf der Rennstrecke fahren, dann hat das nichts mehr mit historischem Rennsport zu tun.

Warum nicht, wo liegen die Unterschiede?

Werner: Mit einem echten historischen Rennwagen - womöglich noch mit originaler Karosserie - geht man üblicherweise anders um. Man fährt zwar am Limit, weicht aber Kollisionen nach Möglichkeit aus. Der Fahrer einer Replika dagegen hält drauf, ihm kann ein Unfall oder Abflug im Prinzip egal sein: Nach ein paar Stunden Arbeit sieht der Wagen aus wie vorher. Das originale Material aber wäre unwiderruflich beschädigt.

Steht dann nicht zu befürchten, dass bald immer mehr Nachbauten unterwegs sein werden und die echten Fahrzeuge in geschützten Sammlungen verschwinden?

Werner: Das glaube ich nicht. Es gibt genug Veranstaltungen und Rennserien wie den historischen Grand Prix von Monaco, Goodwood oder die Ferrari Maserati Challenge, bei der wohl auch künftig nur Originale zugelassen sein werden.

Könnte die neue Regelung dennoch Auswirkungen auf die Preissituation haben? So ist zum Beispiel die Replika eines Maserati 300 S (derzeit einer der teuersten Rennsportwagen auf dem Markt) für weniger als ein Fünftel zu haben – bei theoretisch gleichem Fahrspaß?

Werner: Auch diese Befürchtung teile ich nicht. Zum einen wollen die Leute lieber bei Veranstaltungen wie Monaco fahren. Zum anderen kamen etwa in den achtziger Jahren auf einmal jede Menge Nachbauten von Ferrari GTO oder AC Cobra auf den Markt. Auch damals wurde vermutet, dass die Originale dadurch entwertet würden – passiert ist es nicht. Es ist eben wichtig, dass die Veranstalter aufpassen und keine Mischrennen zulassen.

Gibt es denn Nachbauten, bei denen Sie ein Auge zudrücken würden?

Werner: Nur wenige. Wenn von einem Fahrzeug wie dem Maserati 250 F knapp 30 Exemplare gebaut wurden und noch genug existieren, sehe ich keine Notwendigkeit, eine Replika davon zuzulassen. Anders sieht es bei Autos aus, von denen keine fahrbereiten Originale mehr vorhanden sind wie dem Lancia D50. Hier könnte man einen Nachbau zulassen, um den Zuschauern den Wagen zu präsentieren.

Während der Historisch-Technische Wagenpass nur die technische Spezifikation bescheinigt, soll die Originalität künftig über das so genannte Heritage Certifikate dokumentiert werden. Nach welchen Kriterien vorgegangen wird, steht offenbar noch nicht in allen Details fest. Wie sollte die Ausstellung des Nachweises Ihrer Meinung nach aussehen?

Werner: Jedes Fahrzeug und dessen Papiere sollten von mindestens zwei Experten begutachtet werden, die sich auf dem Gebiet wirklich auskennen wie etwa Jean Sage bei Ferrari. Und nur zweifelsfreie Fahrzeuge sollten ein Heritage Certificate erhalten.

Was bedeutet der Begriff „zweifelsfrei” genau?

Werner: Wesentliche Teile des Fahrzeugs wie Chassis, Motor und Achsen müssen nachvollziehbar original sein. Allerdings darf man es auch nicht zu eng sehen, beispielsweise beim BMW 328-Getriebe – mit der originalen Schaltbox fährt eben niemand.

Rennsport hat immer auch mit Weiterentwicklung zu tun. Wie viel Tuning sollte erlaubt sein?

Werner: Das kommt darauf an, ob es sich um einen Vorkriegswagen oder einen Supersport handelt, der näher am modernen Motorsport angesiedelt ist. Bei Vorkriegsfahrzeugen und Rennsportwagen der Fünfziger ist klassisches Tuning mit zehn Prozent mehr Leistung als früher tolerierbar. Darüber wird es nicht nur albern, sondern sogar gefährlich.

Letzte Frage: Würden Sie mit Ihren Fahrzeugen an einem gemeinsamen Lauf mit Replikas teilnehmen?

Werner: Nein. Und falls ich es zu spät merken würde, weil der Veranstalter es nicht explizit ausgeschrieben hat, würde ich zur Not noch im Training meine Nennung zurückziehen.

Zur Person
Klaus Werner, Jahrgang 1950, handelt seit 1979 mit klassischen Automobilen ein nicht unerheblicher Teil der heute eingesetzten Rennwagen ging irgendwann durch seine Hände. Das Hauptaugenmerk des Wuppertaler Kaufmanns liegt auf Renn- und Sportwagen der dreißiger bis fünfziger Jahre, nach Möglichkeit mit italienischem Stammbaum. Privat geht Werner selbst gern auf die Jagd nach schnellen Rundenzeiten.

Dabei kann er zwischen einem Alfa 8C Monza und einem Maserati 300 S wählen, der wegen seiner Historie (Sieger des 1000 km-Rennens 1956) und seines einmaligen Originalzustands als bester 300 S überhaupt gilt. Inzwischen tritt Sohn Maximilian in die Fußstapfen des Vaters und verblüfft die Konkurrenz regelmäßig mit beeindruckenden Leistungen.

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