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Hockenheim-Chef

"Werden nicht betteln"

Foto: Hockenheimring

Im Kampf um das Überleben des hoch verschuldeten Hockenheimrings wollen die Verantwortlichen alle Hebel in Bewegung setzen. "Wir gehen nicht nur auf Institutionen, sondern auch auf Personen zu", sagte der Oberbürgermeister der Stadt, Dieter Gummer (SPD), am Freitag (31.12.).

30.12.2005

Der Vorsitzende der Hockenheimring GmbH dürfte insgeheim wohl auch auf mögliche Hilfe der deutschen Formel-1-Stars um den siebenmaligen Weltmeister Michael Schumacher hoffen. "Wir betteln aber nicht", betonte Gummer.

Allerdings plagen den Hockenheimring, auf dem am 30. Juli 2006 der Große Preis von Deutschland ausgetragen werden soll, zum Ende dieses Jahres 26 Millionen Euro Schulden. Demgegenüber stehen Einnahmen von 25 Millionen Euro. "Es liegt daran, dass wir kurzfristig hohe Beträge getilgt haben und dann die Einnahmen heftig eingebrochen sind", sagte der Chef der Hockenheimring-Gesellschaft. So soll die Karten-Nachfrage für das Rennwochenende um fast ein Drittel zurückgegangen sein. "Man spricht davon", sagte Gummer, ohne die Zahlen konkret bestätigen zu wollen.

Schumi-Boom lässt spürbar nach

Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft errechnete in einem noch nicht veröffentlichten Gutachten sogar einen Fehlbetrag für das kommende Jahr von 1,5 Millionen Euro. Den Gesellschaften der Hockenheimring-Gruppe drohe bereits heute kurzfristig die Zahlungsunfähigkeit, warnten die Prüfer. Hilfe bot indirekt der eigentlich konkurrierende Nürburgring an, der ebenfalls nicht auf Rosen gebettet ist.

So kam aus der Eifel der Vorschlag, jeweils nur noch einen Grand Prix im Jahr in Deutschland auszurichten. "Man muss schlicht und ergreifend darüber nachdenken, wo man welche Wertschöpfung erzielen kann", sagte Gummer, nachdem der Hockenheimring vor fünf Jahren für rund 65 Millionen Euro um- und ausgebaut worden war. Auch und vor allem für die Formel 1. "Sie spielt unbestritten eine große Rolle, sie ist aber auch die große wirtschaftliche Gefahr", meinte Gummer. Der Vertrag der Badener mit Formel-1-Chef Berni Ecclestone läuft noch bis einschließlich 2008. Allerdings macht sich der nachlassende Boom um Schumacher & Co bemerkbar, viele Zuschauer sind nicht mehr bereit, die teilweise satten Kartenpreise zu bezahlen.

Einstellen auf die Nach-Schumi-Ära

"Wir müssen die Diskussion über die Zukunft aber auch etwas losgelöst von der Formel 1 sehen", stellte Gummer klar und verwies auf die gesamte Angebotspalette der beiden Strecken. Kritischen Stimmen von Seiten der Grünen im baden-württembergischen Landtag wegen einer möglichen Finanzspritze durch das Land entgegnete der Oberbürgermeister: "Wir erfüllen ja auch allgemeine öffentliche Aufgaben. Wir schultern das allein, das wird irgendwann einfach zu viel."

Zudem weiß Gummer auch, dass das Wohl und Wehe der deutschen Rennstrecken auch von der weiteren Karriere Schumachers abhängt. Der 36-Jährige will Mitte nächsten Jahres eine Entscheidung über eine mögliche Fortsetzung fällen. "Er ist eine Integrationsfigur; man sieht rot", sagte Gummer in Anspielung auf die in Ferrari-rot gekleideten "Schumi"-Fans bei den Rennen. "Ich vergleiche das immer mit dem deutschen Tennis und der Zeit nach Steffi Graf und Boris Becker: Darauf müssen wir uns ebenfalls einstellen."

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