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Hudson Terraplane bei Sachsen Classic

Erdflugzeug aus Montevideo

08/2013, Sachsen Classic, 2013, Hudson Terraplane Foto: Hardy Mutschler 17 Bilder

Ein Hudson Terraplane ist ja ohnehin schon ein seltener Anblick, doch das 1936er-Exemplar mit Startnummer 19 hat neben seinem Seltenheitswert auch noch eine bewegte Geschichte.

23.08.2013 Kai Klauder Powered by

Dieses Cabriolet macht Eindruck, schon wegen seiner schieren Größe - es überragt die meisten anderen Fahrzeuge der Sachsen Classic.. Die Motorhaube ist höher als ein Flügeltürer, der Kühlergrill ist eine Kunstwerk aus verchromtem Eisen und die ausladenden Kotflügel verdienen ihren Namen absolut zu Recht: Einmal in Fahrt gesetzt, scheint das große Cabriolet über den Boden zu schweben, die Kotflügel verstärken den Eindruck.

Am besten trifft die Erscheinung des Vorkriegsklassikers allerdings der Name: Terraplane - Erdflugzeug. Kein Wunder, dass zur Promotion die bekannte Pilotin Amelia Mary Earhart. Einer der ersten Käufer eines Terraplane war der Flugpionier Orville Wright.

Doch der heutige Eindruck von Luxus trügt - der Terraplane war zu seiner Zeit ein günstiges Fahrzeug. Die Hudson Motor Car Company brachte ab 1932 unter dem Markennamen Terraplane Einstiegsmodelle auf den Markt. Wegen der Weltwirtschaftkrise stand die Automobilindustrie unter Druck. Hudson reagierte darauf mit dem Terraplane, einem kostengünstig zu produzierenden und günstig angebotenen Wagen. Im ersten Jahr der Produktion hießen die Limousinen noch Essex-Terraplane, ab 1937 dann nur noch Terraplane.

Fast 50 Jahre in Uruguay im Alltag unterwegs

Der Hudson Terraplane Convertible von Thorsten Wappler ist schon einmal um die Welt gereist. 1936 wurde das Cabriolet nach Montevideo (Uruguay) ausgeliefert. Dort lief der Wagen bis in die 1980er als Alltagsfahrzeug, bevor er Mitte der 80er nach Deutschland importiert wurde. "Und dann - ich weiß es genau, weil ich die ganze Geschichte auswendig gelernt habe - wurde er am 14. August 1988 auf dem Hamburger Pferdemarkt versteigert", erzählt Thorsten Wappler.
 
Später landete der Terraplane im Restaurierungsbetrieb von Werner Zinke in Zwönitz, wo er zwischen 2007 und 2011 komplett restauriert wurde. Während der Restaurierungsarbeiten kaufte Wappler das seltene Cabriolet und erlebte auf der Suche nach Ersatzteilen einige Überraschungen. "Viele Teile konnten wir noch in den USA als NOS-Ware (new on stock - also originalverpackte Lagerware, d.Red.) auftreiben. Wie die Bremsbeläge. Die Trägerplatten waren noch verwendbar, doch die Beläge selbst zerbröselten wie feuchter Beton", berichtet Wappler,"das war schon recht aufwändig, aber wenn man das mit 'nem Hubschrauber vergleicht war es günstig."
 
"Eigentlich ist der Terraplane schon seit eineinhalb Jahren fertig, doch bisher hab ich mich noch nicht getraut", sagt der Sachsen Classic-Fan, der in diesem Jahr zum 5. Mal dabei ist, "sonst fahre ich mit meinem 911, doch diesmal haben mich meine Freunde überredet, dass ich mit dem großen Ami an den Start gehe. Das Problem ist nur, dass ich damit halt auch eine niedrige Startnummer habe - und so muss ich ganz früh morgens schon raus", witzelt Wappler.

Beliebt bei Gangstern

Mithalten kann er ganz vorne bei den Vorkriegswagen dank dem 88 PS starken 3,8-Liter-Sechszylinder gut. Schon in den 1930er Jahren war der Terraplane für seine Leistung bekannt und beliebt - unter anderem bei den Gangstern John Dillinger und Baby-Faca Nelson.

Bleibenden Ruhm erlangte der Hudson Terraplane durch den Musiker Robert Johnson, der den Terraplane Blues schrieb.

Übrigens: bei der Recherche hat der Autor dieser Zeilen den Wagen bei einem Online-Portal gefunden. Wer also weiteres Interesse an dem Wagen hat, findet hier nähere Angaben.
 
 

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