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Hybridtechnik

New Yorker Taxis und Polizei fahren Hybrid

Polizei und Taxis in New York Foto: press-inform 22 Bilder

Es ist wieder einiges los an der BP-Tankstelle im New Yorker Distrikt Tribeca. Dutzende von Taxis stehen Schlange und warten auf eine Tankfüllung. Einige kommen seltener als zuvor. Grund: Immer mehr Taxis sind im Big Apple mit Hybridtechnik unterwegs.

01.08.2009

Hybridtechnik bringt Vorteile im Big Apple

Doch wer ein paar Minuten auf die Straßen schaut, merkt schnell, dass sich etwas geändert hat. Der Thron der scheinbar unüberschaubar großen Gemeinde von Ford Crown Victorias gerät zunehmend ins Wanken. Erst durchbrachen einige Taxiunternehmen mit ihren Vans die Ford-Armada. Der ein oder andere Toyota Sierra sollte dazu dienen, mehr als zwei Leute im Innern aufzunehmen. Zudem sind Schiebetüren in einer überfüllten Mega-City wie New York allemal hilfreich. Doch zunehmend setzen die Taxibetreiber auf Hybridtechnik. In den nächsten Jahren sollen die alten Ford Crown Victorias völlig von den Straßen New Yorks verschwinden.

Mehr und mehr Hybridmodelle wie der Ford Escape oder der Toyota Camry bevölkern die Straßen von Manhattan. Ein Indiz sind die Kunden der Taxi-Tankstelle im Szene-Viertel Tribeca. „Unser Boss führt nicht nur diese Tankstelle; er hat selbst auch mehr als 150 Taxis in New York laufen“, erzählt Tankwart George, „es werden immer mehr Hybride. Das merkt man auch beim Tanken. In unserem Fuhrpark sind es wohl so 30 bis 40 Autos.“ Schaffen die über fünf Meter langen Crown Victorias mit einer Gallone (3,8 Liter) im zähen New Yorker Berufsverkehr zumeist gerade einmal 12 bis 14 Meilen, so sollen es mit den Teilzeit-Elektromobilen zukünftig 25 bis 30 Meilen sein.

Der Grund für die Umstellung von groß und durstig auf kleiner und effizienter liegt auf der Hand. Das Ende der ebenso geräumigen wie trinkfreudigen Crown Victorias am Horizont wird immer offensichtlicher. Ford hat in den letzten Jahren nichts in die Weiterentwicklung der robusten Taxiversionen investiert. „Die Spritkosten pro Meile liegen bei den meisten Hybriden bei gerade einmal der Hälfte“, erzählt George weiter, als er ein normales Kundenfahrzeug betankt, „das zahlt sich unter dem Strich allemal aus.“ Gab es in den Taxiflotten anfangs nur einzelne Hybridmodelle, so wächst die Zahl von Monat zu Monat.

Der Toyota Prius erfreut sich den Fuhrunternehmern dabei keiner allzu großen Beliebtheit. „Zu schlecht verarbeitet“, „nicht robust genug“ und „ein zu schlechtes Fahrwerk für die Straßen von New York“ hört man immer wieder, wenn man bei den bevorzugt aus Pakistan stämmigen Taxifahrern nachhört.

Jährliches Einsparpotenzial: 80 Millionen Liter Benzin

Daher hat Toyota seine Hybridflotte in New York auf andere Modelle ausgeweitet. Deutlich beliebter sind der SUV Toyota Highlander im Format einer Mercedes M-Klasse und der Toyota Camry. Beliebtestes Hybridmodell ist derzeit jedoch der Ford Escape und zunehmend die Mittelklasselimousine Nissan Altima. Neben dem Hybridtrend gibt es unter den mehr als 14.000 New York-Taxis zudem ein paar Handvoll VW Jetta TDI. Die Dieselversionen gelten als sparsam und robust; doch die Unterhaltskosten sind deutlich höher als bei den alten Crown Victorias. Auch beim Kaufpreis gibt es Vorteile für die gigantischen Ford-Limousinen, die ihre letzte echte Modellpflege Mitte der 90er Jahre bekommen haben und nach wie vor von einem mächtigen V8-abgetrieben werden.

„Wir gehen davon aus, dass die neuen Standards pro Jahr über 80 Millionen Liter Benzin sparen“, so der Chef der Taxi and Limousine Comission Matthew Daus. Die TLC ist in New York für die 14.000 Taxilizenzen zuständig, die mit einer Metallplakette auf der Motorhaube an jedes Taxi übertragen wird. „Wenn sich die Reichweite verdoppelt, sparen die Fahrer allein beim Tanken pro Jahr mindestens 10.000 Dollar ein“, so Daus.

„Im Stopp-and-Go-Verkehr bin ich sehr viel elektrisch unterwegs“, erzählt Ibrahim Jalloh, seit knapp fünf Jahren Taxi-Kapitän in der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Sein Kollege Mohammad Iqbal fährt seit fast zwei Jahren zumeist mit einem Ford Escape Hybrid zwischen dem Flughafen JFK, Downtown Manhattan und der Upper East Side. „Die Ersparnis pro Tag liegt bei rund 20 Dollar.“

Nach einem Jahr ist beim Hybrid-Taxi ein neuer Akku fällig

Doch so sparsam die Hybridversionen Escape, Altima, Highlander, Impala und Jetta auch sind, zwei Probleme bleiben: Hersteller wie Ford, Toyota oder Nissan übernehmen für den Akku im Fahrzeug nur eine Garantie von zwölf Monaten. Pro Jahr legen die Taxis rund 100.000 Meilen zurück. „Nach dieser Zeit sind rund 6.000 Dollar für einen neuen Akku fällig“, erzählt Mohammad Iqbal zerknirscht. Das sind in einem Taxileben 25.000 bis 30.000 Dollar zusätzliche Kosten. Zudem sind die Hybridtaxis bereits deutlich teurer als die Crown Victorias. „Ein Ford Crown Victoria kostet als Taxi rund 27.000 Dollar“, erzählt Taxi-Altmeister Wronge Colin, „ein Ford Escape Hybrid dagegen mindestens 35.000.“ Das größte Problem sind jedoch die Reparaturkosten. „Günstiger als die alten Crown Vics ist keiner“, rückt Wronge seine Kappe zurecht, „die können an jeder Ecke repariert werden – auch mit gebrauchten Teilen.“ Außerdem sind die robusten Fords auf den katastrophalen Straßen von New York kaum kaputt zu kriegen.

Auch New Yorks Polizei setzt auf Hybridautos

Auch die Polizei von New York hat mittlerweile ihr Herz für die Hybridtechnik entdeckt. Schließlich will man nach dem Vorgaben von Bürgermeister Bloomberg mit gutem Beispiel vorangehen. Bisher waren die Ordnungsbehörden zwischen Financial District, Queens, Upper West Side und George-Washington-Bridge zumeist mit dem Crown Victoria von Ford unterwegs. Der war vor Jahren von Markt genommen und seither nur noch für kommerzielle Kunden wie Polizei, Bundesbehörden, Taxiunternehmer und öffentliche Einrichtung produziert worden. Zudem setzte die Polizei von New York vor ein paar Jahren auf die günstigen, aber nicht unbedingt haltbaren Chevrolet Impala. Viele Fahrzeuge werden derzeit gegen Fahrzeuge des Typs Nissan Altima Hybrid ausgetauscht.

Während diese Fahrzeuge überwiegend im Streifendienst unterwegs sind, stellt auch die New Yorker Verkehrspolizei um. Bereits seit vielen Jahren wird der ruhende Verkehr von einer Armee benzingetriebener Dreiräder überwacht. Doch auch hier werden zahlreiche Chevrolet-Limousinen vom Typ Impala gegen Toyota Prius mit Hybridantrieb ausgetauscht.

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