Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Personen-Transportsystem der Zukunft

Hyperloop – mit 1.225 km/h durch Deutschland

Hyperloop, TU München, WARR Foto: TU München 11 Bilder

Hyperloop nennt sich ein Hochgeschwindigkeitszug-Projekt, das Tesla-Chef Elon Musk im August 2013 vorgestellt hat. Die Hyperloop-Züge sind Kabinen, die wie Projektile aussehen und mit Geschwindigkeiten von bis zu 1.225 km/h durch Röhren schießen sollen – mit Passagieren an Bord. An einer Ausschreibung zu dem technologisch anspruchsvollen Projekt hat sich jetzt die TU München erfolgreich beteiligt.

29.07.2016 Gregor Hebermehl

Schwebe-Technik, Teil-Vakuum und Achterbahn-Räder: Der Hyperloop könnte ein ganz heißer Zug werden. Sein Transport nach Kalifornien geht nur ganz langsam – per Schiff. Schließlich sind im Prototyp auch Teile aus einem Jagdflugzeug verbaut.

Beim Hyperloop sollen nach dem bisherigen Konzept die Züge in zwei parallel zueinander verlaufenden Röhren verkehren. Diese Röhren sitzen auf Stelzen und sollen vorzugsweise an vorhandenen Autobahntrassen verkehren. In den Röhren herrscht starker Unterdruck, die Züge selbst laufen auf einem Luftkissen, welches Kompressoren mithilfe von vor der Zug-Kapsel angesaugter Luft erzeugen. Dank der geringen Reibung wegen der teilevakuierten Röhre zum einen und dem Gleiten auf einem Luftpolster zum anderen soll der Zug mit seinen 1.225 km/h knapp unter der Schallgeschwindigkeit von 1.236 km/h (bei 20 Grad Lufttemperatur und trockener Luft) bleiben. Angetrieben werden die Züge von sogenannten asynchronen Langstator-Linearmotoren, wie sie bereits bei der Magnetschwebebahn Transrapid zum Einsatz kommen. Diese Motoren versetzen das von ihnen angetriebene Objekt nicht in eine Dreh- sondern in eine Längsbewegung. Für die Energieversorgung sind Solarzellen auf der Oberseite der Röhren vorgesehen. Für den Notfall gibt es elektrisch angetriebene Räder, die auch gebremst werden können.

Hyperloop: Raum für Zweifler

So nett sich das Konzept liest, so viel Kritik zieht es auf sich, erst Recht im Bedenkenträger-Land Deutschland. Einige Experten halten die Umsetzung der Idee zwar für machbar, aber für viel zu teuer. Außerdem seien einige technische Probleme noch nicht geklärt. So fehle es beispielsweise an einem Konzept zur Rettung von Passagieren aus der über weite Strecken geschlossenen Stahlröhre.

Ähnlich ehrgeizige Projekte haben in der Vergangenheit den Durchbruch nicht geschafft. Von 1870 bis 1873 verkehrte die nach ihrem Erfinder Alfred Ely Beach benannte „Beach Pneumatic Transit“ mit einem Pendlerwagen auf einer 95 Meter langen Vorführstrecke unter der Murray Street in New York. Ähnlich einer Rohrpost wurde zum Antrieb Druckluft verwendet. Das Projekt scheiterte an politischen Verwicklungen und den Kosten. Mit einer Magnetschwebebahn im Vakuumtunnel wollte die Schweiz ihr Verkehrssystem revolutionieren. Das 1974 vorgestellte Projekt „Swissmetro“ ähnelt stark dem Konzept des Hyperloop, allerdings sollten die Röhren unterirdisch verlaufen. Die Swissmetro-Züge sollten im Schnitt „nur“ zirka 500 km/h schnell sein. Die seit 1992 hinter dem Projekt stehende Swissmetro AG wurde 2009 wegen fehlender finanzieller Mittel liquidiert.

Selbst der auf Stelzen aber nicht in einer Röhre laufende Transrapid aus Deutschland hatte bisher wenig Erfolg. 1979 als Prototyp vorgestellt, verkehrt er seit 2004 im Regelbetrieb in China zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong. Weitere Planungen wurden bisher nicht umgesetzt. Die Gründe sind auch hier die Kosten und die Inkompatibilität zu anderen bereits vorhandenen Verkehrssystemen.

Hyperloop, TU München, WARRFoto: TU München
Eine Gruppe von Studenten der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) am Lehrstuhl für Raumfahrt der TU München sieht vor allen Dingen die Chancen, die ein Hochgeschwindigkeits-System wie der Hyperloop bietet.

Hyperloop: Prototyp aus Deutschland

Eine Gruppe von Studenten der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) am Lehrstuhl für Raumfahrt der TU München sieht vor allen Dingen die Chancen, die ein Hochgeschwindigkeits-System wie der Hyperloop bietet. Unerschrocken nahmen sie die technischen Herausforderungen an. Schließlich hat das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation), dessen Boss ebenfalls Elon Musk ist, einen Wettbewerb für eine Hyperloop-Transportkapsel ausgeschrieben. SpaceX möchte den Hyperloop nicht selber bauen, sondern andere Unternehmen bei der Entwicklung und beim Bau des Transportsystems unterstützen. Auf seiner Internetseite kündigt das Unternehmen an, dass die Gewinner der Ausschreibung noch 2016 ihre Kapsel in einer eine Meile (1,6 Kilometer) langen Teströhre In Kalifornien ausprobieren können.

In weniger als einem Jahr haben die Münchner Studenten die Mammutaufgabe gestemmt und einen Prototyp als Ein-Personen-Kapsel für die Hyperloop-Röhre gebaut. Während die Münchner ihren knappen Zeitplan eingehalten haben, hat das von SpaceX für den Bau der Teströhre beauftragte Unternehmen seinen Job noch nicht erfüllt – das Bauwerk sollte bereits im August fertig sein, jetzt stehen Testtermine im September in Aussicht.

Die Hightech-Kapsel aus München ist eine clevere Kombination aus bereits vorhandenen Technologien, womit die Kosten im Rahmen bleiben sollen. Die Außenhülle des englisch Pod genannten Passagier-Geschosses besteht aus dem Leichtbauwerkstoff Karbon, insgesamt ist das Gefährt 600 Kilogramm schwer. Von Elon Musks Idee, den Pod auf einem weniger als einen Millimeter hohem Luftkissen gleiten zu lassen, nahm das Studententeam Abstand, wie uns Hyperloop-Projektleiterin Mariana Avezum erklärt. Die deutsche Kapsel schwebt in einer Höhe von einem Zentimeter auf einem Magnetfeld – bereits ab 100 km/h. Die vier Räder, die ein Achterbahn-Hersteller zugeliefert hat, halten zur Not aber auch die 350 km/h Höchstgeschwindigkeit des Prototyps aus, wie ein gerade erfolgter Test beweist.

Hyperloop, TU München, WARRFoto: TU München
Die Studenten der TU München sind das einzige von 30 Teams, das einen Kompressor in seinen Prototyp einbaut.

Achterbahn-Räder und Zug-Bremsen

30 Teams haben es in den Endausscheid geschafft, aus Europa ist nur noch ein weiteres Team aus den Niederlanden dabei. Das deutsche Team ist das einzige, das einen Kompressor an Bord hat – um die restliche noch vorhandene Luft vor dem Pod abzusaugen und durch die Kapsel hindurch nach hinten abzuführen. Der Kompressor, der eher wie eine Flugzeugturbine aussieht, ist Technik aus dem Anfang der 1970er Jahre in den Dienst gestellten leichten Jagdbomber Alpha Jet. Eine Wasserkühlung schützt die Elektronik des Kompressors vor Überhitzung.

Ein Notausstiegssystem ermöglicht ein schnelles Verlassen der Kapsel. In dem Fall öffnen Ventile und fluten die Röhre mit Luft, was deutlich schneller geht als das Absaugen der Luft aus der Pipeline. In kurzen Abständen sollen in der Röhre Notausgänge angeordnet sein. Aber die ersten Tests werden natürlich nur mit aus der Autoindustrie bekannten Crashtest Dummys durchgeführt.

Nachdem das Studenten-Team die Räder ihrer Transport-Kapsel getestet hat, folgt der Kompressor, wofür der Pod in eine große Unterdruckkammer muss. Dann folgen Tests für die Bremsen – sie stammen von herkömmlichen Zügen.

Wichtig war den Münchnern auch die Skalierbarkeit ihrer Entwicklung: Der jetzige Einpersonen-Prototyp ist die Grundlage für spätere größere Kapseln, die mehrere Passagiere aufnehmen können.

Hyperloop, TU München, WARRFoto: TU München
Mit diesem Kompressor saugt der Pod die vor ihm in der Transportröhre befindliche Restluft ab.

Komplizierter Transport zum Wettbewerbs-Ort

Aktuell plant die Hyperloop-Gruppe der TU München den Transport ihres wertvollen Pods nach Kalifornien. Dies ist komplizierter als zunächst angenommen: Die für den Antrieb nötigen Magneten dürfen nicht in einem Flugzeug transportiert werden, der aus dem Alpha Jet stammende Kompressor gilt als Militärtechnik und die Batterien werden als Gefahrgut eingestuft. So tritt ausgerechnet die Kapsel für den ultraschnellen Personentransport der Zukunft ihre Reise über den Atlantik in einem Seecontainer an, die Batterien werden vorher ausgebaut und separat befördert.

Bei den Ausschreibungs-Tests in Kalifornien werden zwei Sieger ermittelt: Zum einen der schnellste und zum anderen der technisch ausgereifteste Pod. Die Truppe aus München peilt den Sieg für die technisch beste Kapsel an und kämpft unter anderem gegen den Entwurf des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Wie es dann weitergeht, ist noch nicht komplett geklärt. Angeblich ist ein Sieg bei der Ausschreibung mit einer Geldsumme in einer noch nie dagewesenen Höhe dotiert – allerdings wissen selbst die Teilnehmer nicht, ob dies tatsächlich so ist. Wahrscheinlich ist auch, dass es 2017 eine weitere Ausschreibungsrunde mit dann weiterentwickelten Prototypen geben wird. Falls es zu dieser zweiten Runde kommt, möchte die TU München mit ihrer Kapsel unbedingt dabei sein.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige