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Hyundai-Affäre

Eigentor zur Fußball-WM

Foto: Hyundai

Die Fußball-WM sollte Hyundai helfen, die Marke in Europa bekannter zu machen - die aktuelle Korruptionsaffäre führt den Koreanern nach eigenen Angaben jedoch einen erheblichen Imageschaden zu.

08.05.2006

Hyundai ist der einzige Autobauer, der im Auto-Land Deutschland offiziell mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 werben darf. Dafür haben die Südkoreaner - wie die anderen 14 Weltpartner und sechs nationalen Förderer - viel Geld an den Welt-Fußballverband FIFA bezahlt. Doch bevor der Ball in den zwölf Stadien in Deutschland rollt, hat das Unternehmen daheim ein Eigentor geschossen: Hyundai-Chef Chung Mong Koo (68) wurde in der letzten April-Woche wegen des Verdachts der Korruption und Untreue verhaftet.

WM steigert Bekannheitsgrad

Hyundai will bis zum Jahr 2010 unter die sieben größten Autohersteller der Welt vorstoßen. Hyundai und die Schwester Kia, die derzeit Werke in Tschechien und in der Slowakei errichten, leiden hier zu Lande unter mangelndem Bekanntheitsgrad. Nach Angaben von Stephan Schröder vom Kölner Marktforschungsinstitut Sport + Markt lag die Bekanntheit als FIFA-Partner in Deutschland bei einer Erhebung im März bei 32 Prozent und damit elf Prozentpunkte hinter dem Durchschnittswert der anderen FIFA-Partner. Dennoch waren die Werbeaktionen als WM-Sponsor nicht erfolglos. Denn gemessen an der Ausgangslage im März 2003 mit einem Wert von 16 Prozent stieg auch der Bekanntheitsgrad der Südkoreaner stetig an.

Folgerichtig sicherte sich der Konzern die Rechte für das Sponsoring der Fußball-Weltmeisterschafen bis 2014. Seit 2002, als die WM im eigenen Land und in Japan stattfand, ist Hyundai Hauptsponsor des größten Sportereignisses.
Über die finanziellen Konditionen, die Hyundai mit der FIFA ausgehandelt hat, schweigt sich das Unternehmen aus. "Die Summe ist vertraulich", sagt Park C.H., der die Sportmarketingabteilung der Südkoreaner leitet. Der zur Hyundai-Motor-Gruppe gehörende Hersteller Kia Motors soll nach der WM 2006 dazustoßen.

Daimler-Chrysler, BMW und VW bleiben gelassen

Verglichen mit den Märkten in aller Welt sei der europäische Markt der schwierigste, sagt Park. Das liege vor allem an den guten Autos, die dort hergestellt würden. Für die WM in Deutschland hat Hyundai, das zusammen mit Kia Motors einen Anteil von rund 3,4 Prozent in Europa (EU plus EFTA-Staaten) hat, vor allem den Markt für die Mittelklassewagen ins Visier genommen. Stehen die deutschen Autobauer bei der WM nun im Abseits? Das sehen Daimler-Chrysler, BMW und VW überhaupt nicht so. Bei Daimler-Chrysler weist man darauf hin, dass die Stuttgarter Spiele im Gottlieb-Daimler-Stadion stattfinden, dass seinen Namen behalten darf und in unmittelbarer Nähe zum Mercedes-Werk Untertürkheim liegt. Außerdem ist Mercedes-Benz unverändert Hauptsponsor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Und ganz ohne Fahrzeuge des Stuttgarter Autokonzerns findet die WM ohnehin nicht statt. Hyundai stellt zwar die offizielle Fahrzeugflotte mit etwa 1.000 Autos. Da der Autobauer in Europa keine Busse im Programm hat, wurden die 32 Mannschaftsbusse bei einem Konsortium angemietet. Das Konsortium kaufte diese bei Daimler-Chrysler. Neben dem offiziellen Sponsorenaufkleber tragen die Fahrzeuge weiterhin den Mercedes-Stern oder den Schriftzug Setra. Der Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland, Karl-Heinz Engels, reagiert sportlich gelassen: "Wir sind berechtigterweise großzügig und haben die Busse übernommen."

Für BMW ist die Fußball-WM kein Thema. Der Autobauer verfolge im Sportsponsoring schon lange die Strategie, sich auf die drei Säulen Golf, Motorsport (Formel 1) und Segeln (America's Cup) zu konzentrieren, sagt ein Sprecher. "Wir glauben, unsere Zielgruppe hier am besten zu treffen. Man kann nicht alles machen." Ein VW-Sprecher sagt: "Man kann nicht überall zum Zuge kommen." VW sei Sponsor bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Bei den Premiumherstellern sieht man das Engagement von Hyundai grundsätzlich entspannt. Der asiatische Hersteller wird nicht als direkter Konkurrent betrachtet. Im Fußball seien vor allem Hersteller engagiert, die ihren Bekanntheitsgrad noch steigern müssten, oder die im Massensegment aktiv sind, heißt es in Branchenkreisen.

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