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Hyundai-Designzentrum

Hausbesuch beim Hyundai-Chefdesigner

Hyundai Design Foto: Stephan Lindloff 33 Bilder

Chefdesigner Thomas Bürkle gibt Hyundai ein Gesicht. Für uns erklärt er, was die Autos der koreanischen Marke in Zukunft ausmacht. Ein Besuch im europäischen Designzentrum.

13.03.2010 Jens Katemann Powered by

Die Hände gestikulieren in langsamen, fließenden Bewegungen. Dazu spricht eine ruhige, fast sanfte Stimme über Formensprache, markenbildende Designelemente und Proportionen. Wer andere Automobil-Designer erlebt hat, ist von Thomas Bürkle im ersten Moment etwas verblüfft. Der Mann entspricht so gar nicht dem Bild des extravaganten Künstlers. Auch die latente Divenhaftigkeit, die seiner Zunft nachgesagt wird, scheint ihm völlig fremd.

Hyundai wird auf edel, seriös und komfortorientiert getrimmt

An diesem Tag trägt er einen grauen Anzug mit klassischem Schnitt und Schuhe aus hellbraunem Leder. Elegant, nicht übertrieben modisch. Privat besitzt er schon seit seiner Studienzeit ein Mercedes W111 Coupé. Ein Fahrzeug, das zu ihm genauso passt wie sein Anzug und die Marke, für die er jetzt arbeitet. Denn im Gegensatz zur Schwestermarke Kia, die ein junges Publikum ansprechen soll, wird Hyundai auf edel, seriös und komfortorientiert getrimmt. So verwundert es nicht, dass eher Kia mit extravaganten Fahrzeugen auf sich aufmerksam macht - zumindest in jüngster Vergangenheit. Denn über viele Jahre konnte man alle koreanischen Autos getrost mit zwei Worten umschreiben: praktisch und schlicht.

Markenidentität war für die Koreaner bisher nicht wichtig

Von Markenidentität, einer Formensprache mit stets wiederkehrenden Designelementen, war Hyundai in etwa so weit entfernt wie der Schauspieler Ottfried Fischer von einer sportlichen Figur. "In Korea sind 70 Prozent aller Autos von Hyundai oder Kia. Deshalb hatte früher eine maximale Differenzierung zwischen den einzelnen Modellen Priorität. Ein Wiedererkennungseffekt im Hinblick auf die Marke war gar nicht gewünscht", erklärt Bürkle. "In Europa gibt es dagegen deutlich mehr Vielfalt. Deshalb ist es wichtig, dass im Straßenverkehr ein Auto einer Marke optisch zugeordnet werden kann."

Bürckle etablierte den in Zukunft markentypischen, hexagonalen Grill

Warum wechselt ein Autodesigner von einer deutschen Premiummarke - Bürkle entwarf unter anderem den BMW 6er - zu einem koreanischen Massenhersteller? "Es war das weiße Papier, das mich gereizt hat. Die Chance, die Identität einer Marke ganz neu aufzubauen, bekommt ein Autodesigner höchstens ein Mal im Leben", erklärt Bürkle. Und die sanfte Stimme überzeugt die koreanischen Bosse. Mit dem Hyundai i30 etablierte Bürkle den in Zukunft markentypischen, hexagonalen (sechseckigen) Grill. Und mit der so genannten "Fluetic Sculpture" entwickelte er eine einheitliche Formensprache, die mit verdrehten Flächen arbeitet. "Der Hyundai ix35 verbindet maskuline Proportionen mit femininem Flächenspiel", erläutert er das Design des Hyundai Tucson-Nachfolgers, der im Frühjahr in den Handel kommt. "Das erzeugt Lebendigkeit und Emotionalität." Mit diesem Modell beginnt eine Ära, in der sich die Produkte von Hyundai und Kia optisch stärker differenzieren.

Bürkle schwärmt für automobile Legenden

Während die Vorgänger Kia Sportage und Hyundai Tucson noch nahezu gleich aussahen, unterscheiden sich die Nachfolger deutlich voneinander. Das gilt auch für die Innenraumbeleuchtung: Kia setzt als markentypische Farbe zukünftig auf Rot, Hyundai-Displays werden blau illuminiert. Doch nicht alles in Bürkles Büro in Rüsselsheim ist koreanische Zukunftsmusik. Auf einem Sideboard parken Ikonen europäischer Marken in Miniaturformat. Bürkle schwärmt für automobile Legenden wie Citroën DS, Lancia Stratos oder Mercedes 300 SL. Vielleicht wird die von ihm kreierte Markenidentität in einigen Jahrzehnten auch zum Klassiker und steht in Form von Modellautos in den Vitrinen von Autofans.

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