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Hyundai-Kia-Designchef Peter Schreyer im Interview

Design wird auf eine höhere Ebene gehoben

Peter Schreyer, Portrait Foto: Hersteller 12 Bilder

Der Hyundai-Kia-Designchef Peter Schreyer spricht im Interview mit auto motor und sport über seine Aufgaben als Präsident, die Positionierung der beiden Marken und seine Ansprüche an gutes Design.

04.04.2013 Bernd Ostmann
Herr Schreyer, Sie wurden gerade zum Präsidenten von Hyundai und Kia ernannt. Was sind Ihre Aufgaben?

Schreyer: Ich bin für das Design der beiden Marken verantwortlich. Dass ich diesen Titel erhalten habe, ist auch eine Anerkennung dessen, was wir bisher erreicht haben. Das Design wird auf eine höhere Ebene gehoben. Und die Stellung des Designs wird in der Firma stärker verankert.

Waren Sie bislang nicht in die Entscheidung des Hyundai-Designs involviert?

Schreyer: Das lief komplett eigenständig. Das sind zwei eigenständige Unternehmen.

Wer hat das Design abgesegnet?

Schreyer: Final unser Chairman Chung Mong-koo. Da laufen am Ende die Fäden zusammen.

Was wird sich jetzt ändern?

Schreyer: Die Tagesarbeit muss ich jetzt neu strukturieren. Kia wird nach wie vor für mich wichtig sein. Wir haben einige Projekte in Vorbereitung. Wir werden uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und werden das Design weitertreiben. Genauso bei Hyundai. Da werden wir die Richtung festigen und ausrichten. Eine wichtige Aufgabe ist es auch, die beiden Marken zu differenzieren. Beide müssen eine eigenständige Richtung finden.

Fehlt es an Eigenständigkeit?

Schreyer: Aus der kurzen Historie gibt es schon Unterschiede, auch in der Unternehmenskultur. Auch wenn Hyundai und Kia Schwestern sind.

Gilt das auch für die Formensprache?

Schreyer: Unser Vice-Chairman Eui-sun Young hat eine schöne Beschreibung dafür: Kia ist wie ein Schneekristall, Hyundai wie ein Wassertropfen. Und ich finde, das fasst es gut zusammen. Kia ist straff, architektonisch und strukturiert aufgebaut. Bei Hyundai sind die Linien etwas fließender.

Wollen Sie das ändern?

Schreyer: Das ist eine Entwicklung, die ich konstruktiv berücksichtigen will. Hyundai hat diese Entwicklung gebraucht. Um aus der Konvention auszubrechen, muss man auch etwas wagen. Und das war nicht nur sehr mutig. Das hat ja weltweit zum Erfolg geführt. Hyundai hat beim Design eine Eigenständigkeit erreicht, die so weit geht, dass es auf andere abfärbt.

Das war nicht immer so – oder?

Schreyer: Wir sprechen hier über eine Industrie, die gerade mal 30 Jahre alt ist. Und wenn man anfängt, Autos zu bauen, dann schaut man auf die anderen, wie die das machen. Aber einige Dinge haben wir zuerst gehabt. Beispielsweise hat Hyundai seit langem den Hexagonal-Grill, den man mittlerweile auch bei anderen sieht. Da ist Substanz da. Daraus kann man was machen. Wir fangen nicht bei Null an.

Werden Sie die beiden Marken künftig stärker differenzieren?

Schreyer: Es gibt sehr viele Produkte, die parallel auf der gleichen Plattform laufen. Die haben zwar ein anderes Design, aber sie ähneln sich irgendwo. Da werden wir Unterschiede bei der Silhouette, beim Volumen oder beim Radstand machen. Es muss ein anderes Produkt rauskommen, mit einem anderen Charakter, der auch unterschiedliche Käufer ansprechen kann.

Wird Kia etwas sportlicher ausgerichtet, und deutet die Genf-Studie Provo bereits in diese Richtung?

Schreyer: Gerne würde ich so einen Sportwagen konzipieren und bauen. Der Provo strahlt Frische und Optimismus aus und zeigt, dass Kia eine junge, ehrgeizige Marke ist, so gesehen auch sportlicher. Zumal bei Kia jetzt der Cee’d und der ProCee’d als GT-Version kommen. Hyundai ist eher die klassischere der beiden Marken, wird aber im Herbst in die WRC einsteigen. So viel zum Thema Sportlichkeit auch bei Hyundai.

Hyundai baut unterschiedliche Autos für unterschiedliche Märkte. Heißt das, dass man auf die Geschmacksrichtungen der einzelnen Regionen eingeht?

Schreyer: Bei Geschmacksrichtungen muss man vorsichtig sein. Mein Standpunkt: Der Geschmack ist gar nicht so unterschiedlich, es sind die Ansprüche der Kunden. Ein BMW Dreier ist mit seiner Eigenständigkeit und Kontinuität auf der ganzen Welt erfolgreich. So habe ich das auch bei Kia gemacht. Unsere Modelle werden vielleicht unterschiedlich gesehen, aber sie haben ein einheitliches Design, beispielsweise bei Sorento und Sportage, die es in Korea, den USA und in Europa gibt.

Aber spezielle Autos für spezielle Märkte gibt es schon?

Schreyer: Die Hyundai Motor Group macht das schon lange. Wir nennen es Glocalisation. Autos werden global entwickelt und auf lokale Märkte abgestimmt. Es gibt aber auch Fahrzeuge, wie die Cee’d-Familie oder den i30, die nur für Europa designt und entwickelt sowie in Europa produziert werden.

In den USA haben Sie gerade den Cross GT vorgestellt. Ein Premiumprodukt?

Schreyer: Das ist das obere Ende der Produktpalette. Bei Hyundai nennen wir es "modern Premium". Bei Kia und Hyundai haben wir eine sehr breite Produktpalette. Das Design ist hier angepasst – vom Kleinwagen bis zu riesigen Limousinen. Unsere Produktpalette ist sehr differenziert. Wir sind vielfältig aufgestellt, bauen spezielle Produkte für China, Indien oder Südamerika. So unterscheiden sich unsere Strategien.

Wohin entwickeln sich die beiden Marken?

Schreyer: Wir sind Mainstream-Marken mit Premiumanspruch. Hyundai geht schon mehr in den Premiumbereich. Mehr Qualität, mehr Designqualität wird eine Stärke beider Marken sein.

Gibt es für Sie beim Design ein Vorbild?

Schreyer: Ich denke, dass das, was in Europa, speziell in Deutschland passiert, schon Benchmark ist. Dazu zählen die automobile Kultur sowie der Enthusiasmus und Tiefgang, mit dem an Autos gearbeitet wird. Aber auch die kulturellen Unterschiede inspirieren uns beim Design und geben interessante Aspekte.

Ist der deutsche Automobilbau auch für die Koreaner die Messlatte?

Schreyer: Ich glaube schon. Allerdings haben die auch eine andere Perspektive.

Sind sie globaler aufgestellt?

Schreyer: Die Koreaner sind sehr weltoffen. Chung Mong-koo hat ein Riesenunternehmen mit globalem Charakter aufgebaut. Die ganze Prozesskette wird innerhalb des Konzerns abgedeckt, es gibt sogar ein eigenes Stahlwerk. Das schafft Freiheiten. Zudem hat man sich früh über China und Indien Gedanken gemacht.

Sie waren mit Kia weltweit sehr viel unterwegs. Jetzt kommt Hyundai dazu. Bleibt da noch Zeit für Inspiration?

Schreyer: Das Schöne an meinem Job ist, dass ich viel reisen darf. Ich bin in Chicago oder Los Angeles nicht nur auf der Auto Show. Ich gehe abends auch mal in einen Blues Club. Oder ich treffe mich mit Künstlern in Seoul. Das sind alles Einflüsse, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Inspiration bekommt man, wenn man offen durch die Welt geht.

Wenn man sich die Elektronik-Industrie ansieht, dann gibt es alle sechs Monate einen Modellwechsel. Kommt so etwas auch auf die Autoindustrie zu?

Schreyer: Ich glaube schon, dass auch das Autogeschäft schnelllebiger geworden ist. Aber mein Credo ist: Design muss eine Gültigkeitsdauer haben, eine gewisse Zeitlosigkeit, Kontinuität und Verlässlichkeit. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Leute gern eine Sensation erleben wollen. Dadurch werden die Autos etwas expressiver.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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