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IAA 1959

Revoluzzer und Zukunftskonzepte

Mini, IAA 1959 Foto: Archiv 52 Bilder

Die IAA 1959 ist eine Messe des Aufbruchs: Der neue Mini wird den Automobilbau revolutionieren, BMW zeigt den sportlichen 700, Opel den neuen Kapitän, das Ausland erkennt den deutschen Markt, Borgward ist zum letzten Mal dabei, VW lässt seine Muskeln spielen und hat es nicht nötig, Neues vorzustellen.

25.09.2011 Kai Klauder Powered by

Mercedes-Generaldirektor Koenecke verweist auf die große Bedeutung der Autoindustrie für die Zukunft Deutschlands - und beklagt die Straßenverhältnisse: "Die Bundesrepublik muss in Europa hinsichtlich ihrer Straßen als unterentwickeltes Gebiet gelten." Wie wahr gesprochen und zudem auch heute wieder aktuell. An seinem Stand wird der neue 220 S bestaunt. Er ergänzt die erfolgreiche 220er Modellpalette, die reißenden Absatz findet: Bei dem 220 beträgt die Lieferfrist rund zwei Jahre.

BMW präsentiert den 700 auf der IAA 1959

BMW hat zwei Messeständen in Frankfurt aufgeschlagen. Der eine präsentiert in der Kleinwagenhalle die Isetta und den BMW 600. Auf dem zweiten steht als Highlight der neue BMW 700, das Auto, das maßgeblichen Anteil am Überleben der Marke BMW haben wird. Es gibt ihn als Coupé und als 500 Mark günstigere Limousine. Die Tester werden vor allem den spritzigen Motor und das sehr gute Fahrwerk loben. Nicht ohne Grund wird der kleine BMW später sehr erfolgreich bei Rallyes eingesetzt. Für die großen Achtzylinder-BMW kann ab sofort eine bessere Bremsanlage mit Scheibenbremsen bestellt werden, für einen Aufpreis von 790 Mark.

Ausland erkennt Deutschland als lukrativen Markt

Das Ausland entdeckt den deutschen Markt: Die Auslandsbeteiligung bei der Internationalen Automobil-Ausstellung 1959 steigt im Vergleich zur IAA 1957 (zum aktuellen IAA-Special) um 50 Prozent. Besonders die Engländer sind stark vertreten. 21 der insgesamt 86 Aussteller kommen von der Insel. Zum ersten Mal ist auch Russland beteiligt. Zwei russische Fahrzeuge werden vorgestellt: Der Wolga mit 2,4-Liter-Motor und 80 PS für 8.500 Mark, sowie der Moskwitsch für 4.950 Mark mit 45 PS aus 1,3 Liter Hubraum. Da es noch keinen Importeur in Deutschland gibt, übernimmt diese Aufgabe die Handelsabteilung der russischen Botschaft.

Der Mini verändert die Kleinwagenwelt

Überraschung und zukunftsweisendes Konzept ist der Austin Mini Minor von Konstrukteur Alec Issigonis. Zum ersten Mal wird der revolutionäre Kleinwagen mit quer eingebautem Motor und Frontantrieb in Deutschland gezeigt - er sollte den Autobau nachhaltig beeinflussen und auch noch 41 Jahre später vom Band laufen. Weitere Modelle aus England sind Austin Sven, Triumph Herald, Austin A55, Austin Healey Sprite und der Rover 3-litre.

Aston Martin zum Preis von neun Käfern

Eines der teuersten Autos der IAA 1959 ist der Aston Martin DB4 für 42.000 Mark. Angetrieben wird er von einem Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, er besitzt eine sich selbst nachjustierende hydraulische Kupplung, Scheibenbremsen und außerdem: einen großen Kofferraum. Vergleichsweise günstig zu haben ist dagegen der Austin Healey, den es nun mit Dreilitermotor und 124 PS für 13.020 Mark zu erwerben gibt. Zum Vergleich: Einen VW Käfer in der Standard-Ausführung gab es schon für 3.790 Mark. Jaguar wollte eigentlich auch ein neues 3,4-Liter-Modell vorstellen - aufgrund eines Arbeiterstreiks war dies aber nicht möglich.

IAA 1959: Neues aus Italien

Italien, der größte Importmarkt mit rund 70.000 Fahrzeugen pro Jahr, wird vor allem von Fiat und Abarth gebührend vertreten. Das Sport-Cabriolet Fiat 1500 ist erstmals zu sehen, angetrieben von einem OSCA Motor der Gebrüder Maserati mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 75 PS - damit erreicht der 1500 170 km/h. Mit der gleichen Karosserie kommt auch das günstigere 1200 Cabriolet. Außerdem zeigt Fiat ein Coupé auf Fiat 2100-Basis und NSU den Fiat 600-Lizenznachbau Jagst als Cabriolimousine.

Carlo Abarth hat eine richtige Rennflunder auf seinem Messestand - Das 15.000 Mark teure Abarth 850 Coupé ist nur 1.150 Millimeter hoch und wird von einem aufgebohrten Fiat 600-Motor mit 52 PS beschleunigt. So sind mehr als 160 km/h drin. Die Nenndrehzahl liegt bei 6.000 U/min.

Noch sportlicher geht es bei Ferrari zu, der auf der IAA vorgestellte 50.000 Mark teure Zwölfzylinder-250 GT ist der Traum vieler Sportwagenfreunde.

Aus Frankreich weht mit der Renault Floride neuer Wind nach Deutschland. Den hübschen Wagen gibt es als Cabriolet, Coupé und Cabriolet-Hardtop. Die Holländer sind mit dem - dank Variomatic - einfach zu bedienenden DAF 600 in Frankfurt.

Die letzte IAA mit Borgward

1959 ahnt noch niemand den Niedergang der großen Borgward-Werke. Auch das Fachblatt "Das Auto, Motor und Sport" schreibt voller Zuversicht: "... Dr. Borgward ist mit seinem Unternehmensgeist sichtlich noch nicht am Ende, und ganz sicher hat die Große Klasse - wenn es mit unserem Wohlstand so weiter geht - auch Zukunft". Leider kam es dann anders. 1961 mussten die vier Firmen Borgward, Lloyd, Hansa und Goliath Vergleich anmelden. Damit ist der Messeauftritt bei der IAA 1959 der letzte des Bremer Unternehmens. Hier stellt Carl F.W. Borgward noch den von ihm gezeichneten 2,3 Liter vor. Dank eines 100 PS-Sechszylinders (im Prinzip ein um zwei Zylinder verlängerter Isabella-Motor) sind die Fahrleistungen sehr gut. Das Fahrwerk wird weitestgehend von der Isabella übernommen. Mit dem 2,3 Liter tritt Borgward gegen die etablierten Mercedes 220 und Opel Kapitän an.

Opel mit neuem Kapitän

Der Kapitän debütiert auf der Frankfurter Autoschau und präsentiert sich mit ebenso wuchtiger wie eleganter Linienführung. Die Passagiere freuen sich über den bequemen Einstieg, hervorragenden Komfort und souveräne Fahrleistungen. Mittlerweile auch ein Thema wird die Sicherheit. Opel betont die bessere Fahrsicherheit dank breiterer Reifen und größeren Bremsen.

VW zeigt seine Muskeln - und nichts Neues

In der VW-Halle empfängt den Besucher die Kulisse eines Containerschiffs. Nahezu in Originalgröße und seitlich aufgeschnitten, sind im Inneren die Volkswagen zu sehen, die in aller Herren Länder verschifft werden. Rund 2.500 Käfer werden pro Tag produziert. Und damit ist noch immer nicht der Bedarf gedeckt.

Da verwundert es auch kaum, dass hier keine neuen Modelle zu entdecken sind. Generaldirektor Nordhoff ruht sich auf dem Erfolg des Massenmobils aus und lässt auch kaum Neuerungen in die Serienfertigung einfließen. So bleibt der erste Gang unsynchronisiert, es gibt weiterhin keine Blinker, keine Automatik und auch keine Preissenkung. So langsam regt sich jedoch die Kundschaft, beklagt mangelnde Service-Qualität und wünscht sich ein automatisches Getriebe. Die Wünsche sollen noch gehört werden, deren Erfüllung braucht aber noch etwas Zeit.

Kleinwagen auf der IAA 1959

Goggo bietet mit dem neuen Goggomobil 700 Coupé für 4.750 Mark einen günstigen Kleinwagen, der mit 34 PS recht gute Fahrleistungen bietet. Der bereits auf der IAA 1957 vorgestellte DKW Junior geht nun endlich in Produktion und NSU zeigt mit dem Sport-Prinz den Hang zu sportlichen Linien.

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