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IAA 2003

Der Kanzler ging um

Foto: dpa 11 Bilder

Der traditionelle Kanzlerrundgang über die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) war dramatischer als der Kampf um die Überholspur auf deutschen Autobahnen.

11.09.2003

Das Probesitzen in den neuen Modellen zur Eröffnung der Autoschau am Donnerstag (11.9.) in Frankfurt geriet für tausende Besucher und 100 Journalisten zum Kampf um die besten Plätze. Während Schröder - unter dem Eindruck des Attentats in Stockholm streng abgeschirmt durch die Leibwächter - eigene Weg ging, musste sich die Verfolgermeute den Weg durch Zuschauermassen bahnen. Wenigstens beim nächsten Hersteller sollte ein Blick auf die Auto-Kanzler erhascht werden.

Der auf fast zwei Stunden angesetzte Parcours zu den großen deutschen Autobauern und Zulieferern bereitete dem Kanzler sichtlich ein besonderes Vergnügen: Auf Ledersitzen in teuren Sportwagen oder Edelkarossen sitzend, umgarnt von den Spitzenmanagern von VW, Ford, Opel, BMW oder Porsche und umringt von der Medientraube. Dies war eine Steilvorlage für joviale Worte etwa an der Seite von Opel-Chef Carl-Peter Forster über den Aufschwung, der doch sicher komme, "wenn wir alle Kräfte der Gesellschaft mobilisieren". Allerdings verhallten diese gewichtigen Worte der Zuversicht nahezu ungehört, da Schröder fast überall ohne Mikrofon sprach.

Da diese geballte Zuversicht ungehört blieb, war die Begeisterung bei den Zuschauern über den hohen Besuch eher verhalten. Statt Applaus gab es Getuschel über gefärbte Haare. Während sich Schröder über die technischen Raffinessen der Weltneuheiten aufklären ließ, amüsierte oder ärgerte sich das Publikum eher über die versammelte Presseschar, die den Blick versperrte.

Am meisten Zeit widmete der Kanzler erwartungsgemäß VW. Hinter das Steuer des hellblauen neuen Golf V setzte sich Schröder gleich zwei Mal. Von VW-Chef Bernd Pischetsrieder ließ er sich über die Vorteile der Diesel-Direkteinspritzung aufklären. Den Wagen aus seinem Heimatland Niedersachsen bewunderte er, als wäre er der stolze Vater der neuesten Auflage des Symbols für die Massenmobilisierung Deutschlands.

Bei Porsche liebäugelte Schröder mit dem neuen Sportwagen Carrera GT. "Der wäre als Dienstwagen sehr schön", sagte er zu Firmenchef Wendelin Wiedeking. Auf die Frage aus den Zuschauerrängen, ob er sich das denn leisten könne, gab er freilich keine Antwort. "Das ist ein sichtbares Zeichen, dass es nach vorne geht", betonte er angesichts des PS-Protzes mit Blickrichtung auf Deutschland.

Kaum Interesse am Mercedes SLR - Abstecher zu Aston Martin

Ein wenig kurz widmete sich Schröder dagegen Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert. Der Sportwagen SLR fand kaum Aufmerksamkeit. Dann eilte Schröder weiter und verkürzte mit seinem Tempo die Länge des Rundgangs um fast eine halbe Stunde. Mehr Aufmerksamkeit bekam wiederum BMW-Vorsteher Helmut Panke. Der dunkelgraue Cabrio M3 mit lackfarbenen Ledersitzen beeindruckte den Kanzler. "Was kostet er", wollte er wissen. Die Antwort der BMW-Chefs ging wieder in der allgemeinen Lärmkulisse verloren.

Bei Opel, nachdem er die Rücksitze des neuen Astra ausprobiert hatte, wollte Schröder es schließlich nochmal betonen. "Von dieser Industrie gehen wichtige Impulse für Deutschland aus", lautete das kurze Statement für die Richtmikrofone der TV-Teams. Wie die deutsche Schlüsselindustrie redete er von "erhofften Impulsen" der IAA, die die Käuferzurückhaltung aufbrechen soll. Gerhard Schröder braucht ihn dringend - diesen ersehnten Aufschwung: Für auf Kante angesetzte Haushaltspläne, für das Einhalten des Defizits vom Maastricht und seine Chancen für die nächste Bundestagswahl.

Für Chaos sorgte Schröder, als der von seinem akribisch festgelegten Rundweg spontan abzweigte. Der britische Sporwagenhersteller Aston Martin ließ ihn abbiegen und seine Leibwächter schwitzen. "Der ist aber schön", sagte er über ein hellsilbernes Coupé der Ford-Tochter. In dem Sportauto lehnte er sich länger entspannt zurück. Nach 90 Minuten war der Auftritt schließlich vorbei - der Kanzler eilte zurück nach Berlin, um sich wieder dem Kampf für die "nötigen Reformen" zu widmen.

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