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IAA 2009

Merkels Rundgang über die neue Autowelt

Foto: Hersteller, dpa 31 Bilder

Erster Halt Opel. Schon da beginnt der Bruch mit der Tradition: Früher starteten die Bundeskanzler ihren Rundgang auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt beim Vorzeigeunternehmen Daimler.

18.09.2009

Jetzt lässt sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als erstes die neuen Modelle der Rüsselsheimer Firma zeigen, um deren Überleben in der Krise sie monatelang gekämpft hat.

Als Retterin von Opel will Merkel aber gar nicht gefeiert werden, sie gibt sich dezent und zurückhaltend – obwohl sich der designierte Opel-Chef Carl-Peter Forster „im Namen aller Opelaner“ bei Merkel für den Magna-Deal und Staatsmilliarden bedankt. „Wir haben alles daran gesetzt, Opel eine faire Chance zu geben, nicht mehr und nicht weniger“, sagt sie reserviert beim Plausch mit Forster und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vor dem neuen Astra. Die Bundesregierung habe zwar beherzt eingegriffen, aber auch andere hätten ihren Teil beigetragen. „Dass es so gekommen ist, lag nicht nur in unserer Hand.“

Dieser Hinweis klingt deswegen bescheiden, weil Triumphe anders aussehen. Merkel hat mit dem Magna-Konsortium inklusive russischen Investoren zwar ihren Wunschkandidaten durchgesetzt, doch zu einem hohen Preis. Rund 4,5 Milliarden Euro staatliche Unterstützung wird die Rettung den Steuerzahler kosten. Mehr als 4.000 der 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland sollen wegfallen. Die europäischen Nachbarn sind verschnupft über den deutschen Alleingang in Sachen Opel. „Der russische Markt ist ein Hoffnungsmarkt“, wies Merkel indirekt alle Kritik an den russischen Investoren zurück – sie stehen im Verdacht, technologisches Wissen von Opel abschöpfen zu wollen.

Die Spritschlucker lässt Merkel links liegen

Ansonsten spielt auf Merkels Rundgang die Zukunftsmusik. Alle Hersteller rollen ihre Elektroauto-Studien, Hybridmodelle und sonstigen Visionen der automobilen Zukunft ins Rampenlicht, sprechen von Tests, Feldversuchen und der Markteinführung in den nächsten Jahren. Die konventionellen Sportwagen mit ökologisch unkorrekt hohem Spritverbrauch lässt die Kanzlerin links liegen. Nur keinen Fehler machen im Wahlkampf – das scheint die Devise der Kanzlerin zu sein.

Aber vielleicht hat Merkel Wahlkampf und Wahl bereits abgehakt: Die Manager der deutschen Vorzeigebranche lud sie jedenfalls schon mal zu einem Autogipfel nach der Bundestagswahl ein, so als ob kein Zweifel bestehe, dass sie auch an der Spitze der nächsten Regierung in Berlin stehen wird.

Merkel: E-Fahrzeuge haben Zukunft

Ab und an hakt Merkel nach und lässt sich über klimaschonende Motoren informieren. „In Serie wird das aber noch nicht hergestellt“, fragt Merkel bei Volkswagen zur Studie des Ein-Liter-Autos L1. Die Kanzlerin spendet Lob, fragt nach, fordert aber auch weiteren Verzicht. „Wenn man sieht, wie klein das Handy seit Anfang der 90er Jahre geworden ist, dann schaffen Sie das auch beim Auto“, sagt sie am Stand von Bosch. Porsche hätte sie grünes Umdenken gar nicht zugetraut: „Was sehr interessant ist, ist, dass sie jetzt auf Hybridtechnik gehen.“ In ihrem Schlusswort fast Merkel zusammen: „E-Fahrzeuge haben Zukunft.“ Richtig begeistert wirkt die Kanzlerin zwischen all den auf Hochglanz polierten Wagen aber nicht. „Was kostet so ein Stück hier?“, fragt sie am Ford-Stand zu einem Familien-Van. Auf den stolzen Hinweis, dass Ford zuletzt Platz drei in der Zulassungsstatistik in Deutschland belegt habe, antwortet Merkel trocken: „Toll.“

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