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IAA + Wir

Werner Schrufs Erinnerungen an die IAA 1987

Foto: BMW 21 Bilder

Das Kürzel SUV hatte noch nicht Eingang in den Sprachgebrauch über Autos gefunden, und auch die Bezeichnung Van war - obgleich Renault bereits den Espace und Chrysler den Caravan produzierte - längst nicht populär, als die IAA am 11. September 1987 in Frankfurt ihre Pforten öffnete. Das Motto der Schau lautete: "Das Auto - mobile Vielfalt".

11.09.2009 Werner Schruf

Im Vergleich zu den jüngeren, geradezu monströs gewachsenen Internationalen Automobil Ausstellungen in Frankfurt fand 1987 eine IAA in bescheidenem Rahmen statt: Die großen deutschen Hersteller teilten sich noch Hallen mit Konkurrenten, die einzelnen Stände waren erheblich kleiner, die Wege für Besucher viel kürzer und angenehmer, die gesamte Veranstaltung wesentlich überschaubarer.

Starke Motoren waren gefragt

Die Benzinkrise der siebziger Jahre war längst abgehakt, die Modellpaletten der Hersteller wuchsen kräftig, leistungsstarke Motoren standen auf der Wunschliste der Autokäufer wieder ganz weit oben. Und dennoch spielte die Autobranche die Themen Verbrauch und Abgasreinigung zunehmend sensibler. Der Katalysator war in aller Munde, gehörte aber noch nicht bei allen Modellen zur Standardausrüstung.

IAA 1987 - Brave Kleinwagen und Unruhe um den Porsche Speedster

Zu den erwähnenswerten Premieren zählten in diesem Jahr beispielsweise so brave Autos wie der Tipo von Fiat, ein neuer Corolla von Toyota und ein Civic von Honda, den die Welt zuvor noch nie gesehen hatte. Alfa Romeo präsentierte die Nobellimousine 164, BMW eine Touring-Variante des 3ers und Opel die Sportversion des kleinen Corsa, den 100 PS starken GSi. Audi-Tuner Treser stieg kurzfristig zum Hersteller auf, weil er erstmals seinen formal eigenständigen Roadster zeigte, der mit Unterstützung des Berliner Senats in Serienproduktion gehen sollte. Porsche sorgte für Unruhe unter den gusseiserenen 11er-Freunden mit dem Speedster, der neben einem ungefütterten Zigeunerverdeck auch zwei Höcker hinter den Sitzen hatte.

Ferrari F40 stand im Mittelpunkt

Das Highlight in Sachen Fahrleistungen zierte - wie konnte es anders sein – den kleinen Ferrari-Stand. Dort zog der brandneue Ferrari F40 das Publikum an wie süßes Blut die Stechmücken. Kein Wunder, schließlich sah der knallrote Mittelmotor-Sportwagen mit seinem riesigen Heckflügel und der mit Entlüftungsschlitzen reich garnierten Heckscheibe aus, als käme er direkt von der Rennpiste. Unter dem Rückfenster zeigte sich völlig ungeniert sein Herz, der von zwei Turboladern zwangsbeatmete Dreiliter-Achtzylinder, dessen 478 PS diesen Ferrari zum schnellsten Serien-Sportwagen der Welt kürten. auto motor und sport hat damals nachgemessen - 321 km/h.

BMW beeindruckte mit ungewöhnlich guter Performance
 
Noch mehr Aufmerksamkeit erntete BMW mit dem Traumsportwagen BMW Z1. Ohnehin war BMW zu jener Zeit mit Eberhard von Kuenheim an der Spitze und dem damals jüngsten deutschen Auto-Vorstand Wolfgang Reitzle (38) als Chefentwickler sehr dynamisch aufgestellt und beeindruckte mit ungewöhnlich guter Performance. Im Juni 1987 hatten die Münchner den ersten deutschen Zwölfzylindermotor moderner Prägung im 750 i präsentiert. Bezüglich Laufkultur und samtiger Leistungsentfaltung stellte der 300 PS starke Fünfliter alles bislang Bekannte in den Schatten.

Beifall für den 170 PS starken BMW Z1

Und nur wenige Wochen später verdrehte der zweisitzige Z1 den IAA-Besuchern die Köpfe: Ein ungewöhnlicher Roadster, entwickelt von der BMW Technik GmbH, die vom heutigen Aston Martin-Chef Ulrich Bez geleitet wurde. Sein Gesellenstück imponierte nicht nur mit Monocoque-Rahmen, Kunststoff-Karosserie und langer Motorhaube, unter der 20 Grad nach rechts geneigt und nach hinten versetzt ein 170 PS starker Sechszylinder-Reihenmotor mit 2,5 Liter Hubraum steckte, sondern vor allem mit den Aufsehen erregenden vertikalen Schiebetüren, die auf Knopfdruck vollautomatisch in die kniehohen Schweller abtauchten. Dass man sich bei geschlossenem Verdeck nur mit größten Verrenkungen quasi horizontal durch die schmale Luke zwischen Schweller und niedriger Verdeckkante ins Cockpit schieben konnte, ging im großen Beifall zunächst völlig unter.

Kaufversuche scheiterten

"Der Road Star", so überschrieb auto motor und sport die Vorstellung des ersten Z, war wohl der größte Publikumsmagnet auf dieser IAA. Das bewog die Redaktion zu dem ungewöhnlichen Versuch, das schilfgrasgrüne Austellungsstück direkt vom effektvoll ausgeleuchteten Standrondell weg zu kaufen. Zwei inkognito ausgesandte Redakteure trieben die gut geschulten BMW-Männer bei den Kaufbemühungen zur Verzweiflung und ihnen schließlich den Schweiß auf die Stirn, als sie zum Finale den Deckel eines schwarzen Diplomatenköfferchens aufschnappen ließen und damit den Blick auf sauber gebündelte Hunderter-Pakete im Gesamtwert von 150.000 Mark frei gaben, die kurz zuvor bei der Dresdner Bank entliehen waren. Vergeblich: Letztlich scheiterte der Deal an der Standhaftigkeit der BMW-Truppe - auch zur Freude des Verlegers.

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