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Ideallinie Nürburgring-Nordschleife

Kurve für Kurve - Teil 2: Quiddelbacher Höhe bis Aremberg

Foto: sport auto 12 Bilder

Teil zwei der sport auto-Fibel zur Nordschleife "Kurve für Kurve" reicht von der Quiddelbacher Höhe bis zur Aremberg-Kurve. Die Passage ist biestig schnell, verlangt Fahrkönnen und beinhaltet mit dem Schwedenkreuz eine der großen Mutkurven.

01.01.2009 Powered by

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Nach dem engen und technisch anspruchsvollen Geschlängel von Hatzenbach und Hocheichen geht es mit voller Fahrt in Richtung Quiddelbacher Höhe. Die Fahrbahn ist sehr schmal, wellig und die alten Beläge sind zudem sehr rutschig. Die Brücke über die B 257 ist eng wie ein Nadelöhr, bei dichtem Verkehr verspulen sich dort gerne die Autos. Ist die Bahn frei, fährt man den Rechtsbogen über die Brücke von der Fahrbahnmitte an und lässt sich auf die linke Seite hinaus treiben, um sich optimal für die Doppelrechts am Flugplatz zu positionieren: Wie auf einer Rampe geht es in den Himmel, so steil ist die Auffahrt zur Quiddelbacher Höhe. Man sollte sich immer links halten, Überholmanöver auf der rechten Seite sind zumindest gewagt: Der gewaltige Buckel ist dort noch höher, der nachfolgende Sprung ergo noch weiter. Leistungsstarke Autos sollte man mit gefühlvollem Bremsen bereits auf der Kuppe am Abheben hindern.

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Der Flugplatz scheidet Männer von Knaben: Je nach Fahrzeug kommt man im vierten oder fünften Gang über die Kuppe der Quiddelsbacher Höhe geflogen, verzögert kurz und hart, um vor allem die Vorderachse vor dem Einlenken zu stabilisieren, und lässt sich mit hohem Tempo in den dramatisch schnellen Doppelrechtsknick reinfallen. Die beiden Bögen soll man mit einem Lenkradeinschlag zu einer Kurve zusammen ziehen. Beim ersten Teilbogen hält man sich eng am inneren rechten Kurb. Zwischen erstem und zweiten Bogen räkelt sich lang gestreckt eine Bodenwelle, die das Auto für den zweiten Teil sanft aus den Federn hebt: Deshalb neigt das Auto am Ausgang der Doppelrechts zum Driften über alle vier Räder. Dann weiß man: Viel schneller geht es nicht mehr! Vorsicht bei Regen: Am Ausgang lauern tiefe Pfützen!

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Die Streckenverbindung zwischen Flugplatz und Schwedenkreuz wird oft unterschätzt: Die beiden Linksschwünge sind in ihrer Krümmung eher sacht, die Fahrlinie auf der linken Fahrbahnseite und die nachfolgende Senke vor dem Schwedenkreuz sind bei guter Streckenkenntnis und trockenen Bedingungen kein Problem. Allerdings ist dieser Abschnitt höllisch schnell - fünfter oder sechster Gang, je nach Auto - und das friedvolle Szenario ändert sich bei Nässe blitzartig. Vor allem der zweite Linksbogen vor der tiefen Senke hat es bei Regen in sich: Der alte Streckenbelag sorgt beim Einlenken unter Fullspeed bei Fronttrieblern für Unter- und bei Hecktrieblern für blitzartiges Übersteuern. Bei den anliegenden Geschwindigkeiten von deutlich über 200 km/h können solche Stunteinlagen schnell mit einem Totalschaden enden.

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Es ist eine der großen Mutkurven der Nordschleife: das Schwedenkreuz. Auf der tückischen Erhebung steht ein Kreuz aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Zwischen Auto, Fahrer und Strecke herrscht an dieser Stelle heute noch gelegentlich Krieg. Die Zufahrt ist furchteinflößend: Mit Topspeed fliegt man über die erste Kuppe bei der Anfahrt. Das Auto wird leicht, die Federung muss sich nach der Landung erst wieder ein wenig setzen, bevor man mit dem Anbremsmanöver auf der rechten Seite der Strecke beginnen kann. Weil man für die Linkskurve über die Kuppe blind einlenkt, muss der Ablösepunkt perfekt passen: Lenkt man zu früh ein, muss man im Bereich des Scheitelpunktes noch einmal korrigieren, löst man sich zu spät vom rechten Fahrbahnrand, kommt man sehr leicht auf die dreckige äußere Spur. Die Kurvenfahrt am Schwedenkreuz ist immer ein Balanceakt, denn auf der Kuppe am Scheitelpunkt wird das Auto regelrecht ausgehoben und entsprechend unruhig. Um die folgende Anbremszone richtig zu erwischen, darf man sich im Schwedenkreuz nicht zu weit heraus tragen lassen. Wichtig auch, dass man sich langsam an die möglichen Geschwindigkeiten heran tastet: Wer mit 200 km/h über das Schwedenkreuz fliegt, sollte wissen, was er tut!

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Die Arembergkurve beginnt eigentlich schon im Schwedenkreuz: Mit über 200 km/h schießt man auf den Anbremspunkt zu, viele kleine Bodenwellen erschweren die Verzögerungsarbeit: Das schnelle Runterschalten auf der linken Fahrbahnseite sorgt in Verbindung mit den Bodenwellen oft für leicht blockierende Räder: Also nicht zu spät bremsen, und ein wenig Spielraum zum linken Fahrbahnrand lassen, denn die meisten Autos neigen dort beim Anbremsen zum gefährlichen Versetzen!
Obwohl die Arembergkurve in ihrem Radius einen gleichmäßigen Bogen zeichnet, fällt die Fahrlinie eher etwas eckig aus: Für die Dritte-Gang-Kurve lenkt man relativ spät und hart ein, um den Scheitelpunkt in Richtung Kurvenausgang zu verschieben. Vorteil: Man kann früher wieder die Lenkung öffnen, härter heraus beschleunigen und deswegen mehr Speed mit in Richtung Fuchsröhre nehmen.
Die Arembergkurve hat ihre Tücken: Eine Besonderheit besteht darin, dass sie über den gesamten Radius stark nach außen hängt, was vor allem ab dem Scheitelpunkt - bei Fronttrieblern sogar schon ab dem Einlenkpunkt - für starkes Untersteuern sorgt. Die richtige Einfahrtgeschwindigkeit entscheidet deshalb über Wohl oder Wehe: Wer es übertreibt, rodelt untersteuernd richtig Kiesbett. Wer die Pace dagegen richtig trifft, der hält das Auto ruhig und kann früher und kräftiger aus der Arembergkurve heraus beschleunigen. Ein kleiner Tipp fürs Regentraining: Nicht die Ideallinie nahe am inneren Kurb anvisieren, sondern eine Reifenbreite weiter aussen fahren: So finden die kurvenäußeren Räder deutlich mehr Grip!


Bitte tasten Sie sich an Ihren persönlichen Grenzbereich Schritt für Schritt heran!

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