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Im Alfa Romeo GT 1300 zum Alfa Romeo-Jubiläum

Im Alfa Romeo GT 1300 nach Mailand

Reise im Alfa Romeo GT 1300 zum Alfa Romeo Jubiläum Foto: Michael Schröder 13 Bilder

100 Jahre Alfa Romeo - diese Jubiläumsparty wollten wir uns nicht entgehen lassen und reisten in einem GT 1300 Junior nach Mailand. Am Ende war die Fahrt das Glanzlicht, nicht der Anlass.

10.09.2010 Michael Schröder Powered by

Der Weg nach Mailand führt über den Gotthardpass. Über die alte, kopfsteingepflasterte Trasse natürlich, nicht über die moderne Ausbaustrecke. Und schon gar nicht durch den 17 Kilometer langen Tunnel, der allenfalls bei Schnee und Regen eine Alternative gewesen wäre.



Zwischenhalt am Lago della Piazza

Ein stabiles Hoch über Mitteleuropa hat die Entscheidung jedoch leicht gemacht, die Alpen auf ihrer berühmtesten Route zu überqueren, die bis auf eine Höhe von 2.091 Meter führt, und wo sich an einem Tag wie heute Sonne und Bergspitzen verführerisch im klaren Lago della Piazza spiegeln. Genau dort parken wir den Alfa Romeo GT 1300. Sein Motor knistert leise, diesen Anstieg hat er mühelos gemeistert.

Der Alfa Romeo GT 1300 Junior aus dem Jahr 1970 gehört dem Bonner Oldtimer-Spezialisten und -Händler Hartmut Stöppel (www.stoeppel.ch). Scalino wird so eine Kantenhaube in Italien genannt, und mir gefällt die Idee, mit diesem im seltenen Farbton Blue francia gehaltenen Coupé zur großen Alfa-Jubiläumsparty in die Geburtsstadt der Marke zu fahren.

Rundumpaket vom Alfa Romeo Club

Wer seit 100 Jahren Automobile baut, sollte schließlich allen Grund haben, ein richtiges Fest auszurichten. Zur allgemeinen Verwunderung ist es jedoch nicht der Konzern, der hinter diesem Ereignis steht, sondern das Alfa Romeo Register Italien (RIAR), das in Zusammenarbeit mit der Agentur Mac Group (Mille Miglia) vermutlich jeden Alfa-Fan zwischen Alaska und Australien angeschrieben und eingeladen hat und mit mindestens 2.300 Autos aus 54 Ländern rechnet.

Bei so hoch geschürten Erwartungen darf die Route für die Anreise ruhig etwas Besonderes sein. Wir stürzen uns in dem gottlob wendigen Alfa Romeo GT 1300 Junior im nächsten Moment die legendäre Tremola hinunter, der kühnste Abschnitt der ursprünglichen Gotthard-Trasse, der in das Leventinatal führt. Mit engen Kehren, die im fast senkrechten Granit hängen und auf den ersten Blick untrennbar miteinander verschachtelt und verwoben sind. So etwas beeindruckt heute noch - wir überlegen, wie sich wohl die ersten Reisenden gefühlt haben müssen, als der Alpen-Transit zwischen Nord und Süd einst genau hier seinen Anfang genommen hat. Zuerst über einen Saumpfad, dann über einen Karrenweg und später über eine schmale Straße. Das Kopfsteinpflaster kam 1937.

Wir peilen Lugano an, bummeln südlich der Stadt eine Weile am mit Villen gesäumten Ufer des fjordartigen Luganer Sees entlang, treffen zwischendurch andere Alfisti, die auf Achse aus halb Europa kommend in Richtung Mailand unterwegs sind. Besonders komfortabel ergeht es dabei den Mitgliedern des deutschen Alfaclub. Er erstellte für den Weg ein beispielhaftes Roadbook für eine mehrtägige, möglichst attraktive Anreise inklusive Serviceteil, Reisetipps und diversen Alternativrouten. "Ein tolles Rundumpaket", lobt Club-Mitglied Lutz Bock aus Bremerhaven, der zusammen mit seiner Frau in einem Spider Veloce 1.6 unterwegs ist. Nach Mailand ist es jetzt nur noch ein Katzensprung.

Der Stau hat Unterhaltungswert

Früh am nächsten Morgen versuchen wir, pünktlich zum Messegelände der Stadt zu gelangen - gleichzeitig mit allen anderen angereisten Alfa Romeo-Besitzern. Ein solches Unterfangen würde vermutlich selbst unter streng-preußischem Diktat im Chaos enden; der einige Kilometer lange Stau hat gleichzeitig jedoch einen großen Unterhaltungswert, denn es bleibt viel Zeit zum Schauen.

Ein Alfa Romeo 1900 C Pininfarina Coupé von 1953 neben einem modernen Alfa Romeo 8C Competizione? Oder ein Alfa Romeo 6C 1750 GS Zagato (1931) vor einer Giulietta aus dem Jahr 1959? Das geht absolut in Ordnung. Auch gewöhnen wir uns daran, dass sich selbstverständlich viele aktuelle MiTo, Spider oder 159er eingereiht haben. Vielleicht 3.000 Autos, heißt es im Laufe des Tages seitens der Veranstalter. Mehr als erwartet.

Alfa Romeo aus allen Herren Ländern

Irgendwann findet auch unser Bertone einen Stellplatz auf dem riesigen Messegelände. Die Clubs würden nach Ländern geordnet parken, steht im Programm. Doch die Szene beweist große Toleranz gegenüber den bemühten Ordnern. Viele sind sich am Ende dann auch einig, dass es ohnehin viel interessanter ist, neue Bekanntschaften aus anderen Nationen zu schließen - draußen auf dem Parkplatz oder in der Halle an einer der meterlangen Warteschlangen, wo die Teilnehmer ihr Begrüßungspaket in Empfang nehmen.

Der Rest der Zeit bis zum großen Corso durch Mailand vergeht mit der sicherlich liebsten Beschäftigung aller Anwesenden: Autos schauen. Ein Alfa Romeo 1900 Super von 1954 aus Griechenland, ein portugiesischer 2000 Spider Touring, Baujahr 1959 oder eine aus Japan angereiste Alfa Romeo Giulia TZ von 1964 - das Gebotene dürfte einmalig sein. Anscheinend haben nicht wenige weder Kosten noch Aufwand gescheut, um mit ihren Fahrzeugen nach Mailand zu kommen.

Alfa Romeo Fans aus Hongkong

Andere sind ohne ihre Autos angereist. Hauptsache dabei sein. Nichts anderes zählt für Bosco Yu aus Hongkong, für den es - einleuchtend - schwerer als bei anderen war, mit einem eigenen Auto zu erscheinen: "That would have been to expensive." Der Transport wäre zu teuer gewesen. Der Vorsitzende des Alfa Romeo Clubs Hongkong ist zusammen mit 26 Mitgliedern über Spanien nach Italien gekommen, und die gut gelaunte Gruppe gehört vermutlich mit großem Abstand zu den besten Kunden der drei in der Halle aufgebauten Devotionalien-Stände.

Dass es am Ende vielleicht doch keine so gute Idee war, mit dem eigenen Auto zu erscheinen, denken kurz darauf die meisten von denen, die sich in den Corso ins Stadtzentrum eingereiht haben. Dort kommt es trotz gesperrter Straßen zu einem veritablen Stau - wer nach ein bis zwei Stunden Stop und Go unter sengender Sonne schließlich doch noch die Mailänder Burg erreicht hat, muss feststellen, dass bestenfalls die ersten Hundert einen Parkplatz ergattert haben.

Mille Miglia-Feeling in der Stadt

Und erst jetzt scheint es sich auch bei den Bewohner der Stadt herumzusprechen, dass heute irgendetwas Besonderes los ist. Viele von denen, die schauen, sind ganz offensichtlich zufällig durch das Zentrum geschlendert, von diesem Jubiläumsauftritt scheint überraschenderweise kaum etwas bekannt zu sein. Umso mehr freuen sich alle natürlich über diese unerwartet eindrucksvolle Alfa-Präsentation - und für einen Moment kommt zumindest bei den Autobesitzern, die es bis hierher geschafft haben, so etwas wie Mille-Miglia-Feeling auf.

Andere haben sich notgedrungen von dem Event verabschiedet, erkunden die Stadt auf eigene Faust oder fahren kurzerhand zurück in ihre Hotels. Hartmut und ich halten aus, denn heute soll es auf einem Platz in der Nähe noch eine Abendveranstaltung mit einem großem Feuerwerk geben. Der Bertone parkt vor einer Häuserreihe halblegal in der zweiten Reihe. Wir hoffen bei Behörden und Bewohnern auf Verständnis.

Techno-Party am Abend

Doch so richtig will dieses Jubiläum auch während der abendlichen Party nicht in Schwung kommen. 300, vielleicht 400 Fans der Marke erleben einen DJ, der uns zusammen mit zwei GoGo-Tänzerinnen mit hektischen Techno-Sounds anzuheizen versucht - was bei unter 20-jährigen Partygängern sicherlich auch funktioniert hätte. Als sich das angekündigte Feuerwerk letztlich als in die Luft geschossene Papierschlangen entpuppt, ziehen wir mit einigen anderen davon. "Irgendwie habe ich mir dieses Ereignis ganz anders vorgestellt." Marco Beltrami aus Verona spricht aus, was viele inzwischen vermutlich denken. Er kreidet die Unpässlichkeiten jedoch den Organisatoren an, nicht der Marke. "Für mich gibt es auch in Zukunft kein anderes Auto als einen Alfa Romeo."

In aller Frühe brechen Hartmut und ich zu einer eigenen Stadtrundfahrt auf. Auf nahezu vollkommen leeren Straßen durch das Zentrum dieser Metropole zu cruisen, entpuppt sich - nach dem Abstecher über die Tremola - als fahrerisches Glanzlicht des Wochenendes. Der Mailänder Dom, eines der berühmtesten Bauwerke Italiens und zugleich eine der größten Kirchen der Welt, gleitet vorbei. Gleich darauf fotografieren wir den Alfa Romeo1300 GT vor der prunkvollen Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuelle II, in der sich neben einigen hochpreisigen Geschäften eines der exklusivsten Hotels der Welt befindet. Selbst an solchen Orten kann sich ein blaues Bertone-Coupé sehen lassen, ohne gleich vom Hof gejagt zu werden. Unter den rund 3.000 gezählten Autos haben wir nur ein weiteres Exemplar in diesem Farbton entdeckt.

Weltrekordversuch im Alfa Romeo

Der letzte Jubiläums-Programmpunkt steht an: die "Umarmung Mailands." Noch einmal sollen sich alle Gäste am Messegelände treffen und, versehen mit einer Fahne auf dem Dach ihres Autos, um 11 Uhr zu einer gemeinsamen Runde um die Stadtautobahn aufbrechen - die Veranstalter wollen mit dieser Auto-Schlange zugleich auch einen Weltrekord aufstellen.

Doch vielen ist inzwischen die Lust vergangen, sie nutzen den Tag für einen Ausflug, fahren mit ihren tollen Autos lieber ans Meer oder in die Berge. Wie wir. Neben dem Gotthard locken der Furka-, Grimsel- und Sustenpass - könnte gut sein, dass man auch unseren blauen Alfa dort gleich sehen wird.

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