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Im BMW 320 BAUR-Cabriolet an die Côte d'Azur

Foto: 14 Bilder

Manchmal muss es eben Mumm sein, und manchmal auch das Mittelmeer. Hardy Mutschler und Hans-Jörg Götzl eilten mit einem 1980er BMW 320 Baur-Cabriolet zum Frühstück an die Côte d’Azur.

14.01.2007 Powered by

Hardy Mutschler kann ganz schön kritisch gucken. "Ohneeho", sagt er gedehnt und verzieht sein Gesicht, bis es wie ein zerknautschtes Kissen aussieht: "Das ist doch wieder eine von deinen blöden Ideen - und morgen früh um fünf Uhr willst du wieder nichts davon wissen, dass es dein Vorschlag war."

Schon möglich. Im Moment aber finde ich das Vorhaben durchaus reizvoll: Wir fahren am Nachmittag los, steuern das Rhônetal hinunter und frühstücken morgen am Mittelmeer. Und anschließend besuchen wir unseren alten Freund Helmut Lung, der auf dem Circuit du Var nördlich von St. Tropez Fahrtrainings für klassische Automobile und Youngtimer organisiert, und toben ein wenig auf der Rennstrecke herum. "Na gut", meint Hardy und schaut auf die Schneeflocken, die draußen am Bürofenster vorbeiwehen: "Lass es uns so tun."

Der BMW stammt aus Münchner Museumsbeständen

Als Fluchtfahrzeug haben wir praktischerweise ein BMW 320 Baur-Cabrio aus Münchner Museumsbeständen zur Verfügung, das eigentlich für einen Fahrbericht im Haus ist. Das weiße Top-Cabriolet erscheint für den Trip ideal: geschlossen und geräuscharm über die A 5 und die Autoroute du Soleil, luftig und offen entlang der Côte d’Azur. Der Gepäckraum fasst neben den Reisetaschen Hardys gesamte Fotoausrüstung, und auf dem Rückweg wäre noch Platz für Souvenirs.

Und der Sechszylinder klingt einfach herrlich. Das erstaunlich heisere Röhren des Zweiliters weckt Erinnerungen an meinen resedagrünen 320-Sechszylinder - meinen ersten BMW, Gott hab ihn selig. Nach zwei Jahren Freude am Fahren war er nicht mehr zu retten, nur das Lederlenkrad nutzte Kollege Alf Cremers noch Jahre später.

Allerdings fühlte sich mein Exemplar einst durch die übliche "Je älter ich werde, desto schneller war ich- Verklärung" deutlich spritziger an. Was vermutlich an der langen Übersetzung samt Schongang des Baur- Cabrios liegt: Erst wenn die optimistische Tachonadel über die 180er-Marke zittert, wird die fünfte Fahrstufe eingelegt. Der seidenweiche Sechser braucht eben Drehzahlen, um seine vollen 122 PS freizusetzen. Dafür säuselt er bei französischer Autobahn-Richtgeschwindigkeit mit knapp über 3.000 Touren dahin.

Ein Stück hinter Besançon verschwinden auch die Schneefelder links und rechts der Fahrbahn. Wärmer wird es dadurch nicht, wie wir beim nächsten Tankstopp feststellen. Der BMW dagegen erfreut mit moderatem Verbrauch unter zehn Litern. Langsam zeigt sich dann doch die Müdigkeit, und die einst so sportlichen Sitze erscheinen auf einmal etwas weich. Gegen Mitternacht mieten wir uns vor Aix-en-Provence in einem Autobahnhotel ein. Bis zur Küste sind es noch etwa zwei Stunden, aber dort ist jetzt auch nicht mehr viel los. Also besser etwas Schlaf tanken.

Es gibt Zimmer in zwei Kategorien: Grand Comfort liegt nach hinten raus, dennoch blättert großflächig der Putz. Kurz nach fünf geht es am nächsten Morgen weiter, wir wollen schließlich bei Sonnenaufgang im Hafen von St. Tropez sein. "Wer hatte bloß diese dämliche Idee?", frage ich müde. Hardy schaut aus geröteten Augen böse zurück. Nach gut zwei Stunden verlassen wir bei le Muy die Autobahn, ein paar Kilometer weiter sehen wir erstmals das Meer.

Den Sonnenaufgang haben wir verpasst, dennoch sind wir viel zu früh dran: In St. Tropez ist gerade die Kehrmaschine durchgefahren, alle Cafés sind noch geschlossen. Öffnen wir eben erst einmal das Verdeck. Das mit zwei Riegeln gesicherte Targa-Dach findet hinter den Sitzen Platz, die Stoffhaut verschwindet unter einer Plane. Als wir wieder aus dem Hafen hinaussteuern, bläst ein kräftiger Wind ins Cockpit.

"Erstaunlich, man sitzt in diesem Hardtop-Cabriolet wegen der vergleichsweise steilen Windschutzscheibe deutlich offener als in den meisten modernen Cabrios", meint Hardy. In der Tat. Am Ortsausgang finden wir endlich ein geöffnetes Café und bekommen den heiß ersehnten Café au lait sowie Pain au chocolat, ofenfrisch und warm. "Die Fahrt hat sich doch gelohnt", sagt Hardy, und rückt die Sonnenbrille zurecht.

Weiter auf der Küstenstraße

Anschließend nehmen wir die Küstenstraße unter die Räder. Kaum jemand ist unterwegs, der BMW liegt mit dem Ballast im Kofferaum nicht schlecht, der Asphalt ist griffig. Nach einem zweiten Frühstück direkt am Strand besuchen wir Frejus. Am Ortseingang ist Markt, Hardy feilscht um ein paar aufklappbare Eier, in denen elektronische Zikaden zirpen. "Drei Stück für zehn Euro?", fragt er. "Oui", grinst der Händler und tütet drei Eier ein. Ein paar Stände weiter verkauft Patrick Pusenti "das beste Olivenöl an der ganzen Küste". Okay, wir nehmen eine Flasche.

Zum Mittagstisch wählen wir das La Réserve, ein wunderbares kleines Restaurant direkt am Meer. Für 25 Euro bekommen wir Fischsuppe, gegrillten Fisch und Nachtisch. "Dass es so etwas überhaupt noch gibt", sagt Hardy. Der 320 wartet derweil offen auf dem Parkplatz, so früh im Jahr sind noch keine Spitzbuben unterwegs. Als Nächstes steht der Besuch der Rennstrecke auf dem Urlaubsplan, vorher entdecken wir an der D14 Richtung Grimaud einen Autohändler mit einem Garten voller Youngtimer. Da gibt es beispielsweise einen roten 1971er Käfer für 4.000 Euro, einen weißen Alfa GTV, Motor angeblich bei 80.000 km überholt, für 3.000 Euro, oder ein schwarzes 325i-Cabrio für 4.000 Euro. Alle, wie üblich in Südfrankreich, rundum leicht onduliert.

Mir hat es vor allem ein schwarzer Talbot Sunbeam Lotus angetan, Preis 5.000 Euro. "Im Moment ist keine Batterie drin, er stand eineinhalb Jahre auf einem Feld", sagt Verkäufer Duc Aurelien. Und versichert treuherzig: "Aber die Maschine läuft wie ein Uhrwerk." "Ist klar", grinse ich und blicke in die offenen, dreckverkrusteten Ansaugstutzen. Lieber zur Rennstrecke. Der Circuit du Var liegt in einem Wäldchen bei Le Luc, im Moment ist noch Sébastian Boulet mit seiner Formel Renault-Fahrschule unterwegs.

Vor einigen Jahren hatte er mich in die Geheimnisse des modernen Formel- Fahrens eingeweiht (und mich sowie einen zweiten Piloten nach dem ersten freien Training mit den Worten zusammengestaucht: "Für das, was ihr könnt, fahrt ihr viel zu schnell"). "Bonjour", grüßt er und lässt uns auf die Piste. Schade, das gesamte Training von Helmut Lung am nächsten Tag können wir aus Zeitmangel nicht mitfahren, aber zumindest ein wenig herumtollen und ein paar Abschnitte üben.

Und bald stellt sich wieder ein, was sich auf der Landstraße andeutete: das BMW-typische Gefühl, auf der Kardanwelle zu reiten. Der 320 begeistert mit agilem, überraschend gutmütigem Fahrverhalten, einzig die Lenkung könnte präziser sein. "Na, Spaß gehabt?", fragt Helmut, als wir mit rauchenden Reifen und riechenden Bremsen zurückkommen. "Sehr", sage ich.

Nur ungern verlassen wir die Rennstrecke und nehmen Kurs auf unser Hotel, das Grillade au feu de bois im benachbarten Flassans. Noch ein Côte d’Agneau, dann Schlaf nachholen, morgen müssen wir zeitig zurück. Unterwegs halten wir noch mal an einem Supermarkt. Hardy kauft Lavendel für den heimischen Garten, ich nehme eine große Tüte Croissants und Pain au Chocolat. Damit es morgen was Ordentliches zum Frühstück gibt.

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