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Im Fiat 500 durch die USA

The Italian Job

Fiat 500, Flagge, USA Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Ein kleiner Italiener erobert die Vereinigten Staaten – laut Verkaufsstatistik ist der Fiat 500 in den USA das beliebteste Auto seiner Klasse. Trifft die kleine Knutschkugel tatsächlich den Geschmack der Amerikaner? Antworten liefert ein Roadtrip von Küste zu Küste.

18.01.2013 Dani Heyne

Es gibt drei gute Möglichkeiten, um von Los Angeles nach New York zu kommen: Eilige steigen ins Flugzeug und planen sechseinhalb Stunden ein. Romantiker bummeln lieber in vier Tagen im Zug von West nach Ost. Und wir? Steigen in den kurzen Fiat 500 und kreuzen ohne Hektik durchs große Land – um herauszufinden, wie gern ihn die Amerikaner wirklich haben. Schließlich wird er in den USA als "Best in Class Car" gefeiert.

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Reportage Im Fiat 500 durch die USA The Italian Job
auto motor und sport 01/2013
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Keine Angst, den Vereinigten Staaten geht es gut: McDonalds, Dennys, Fatburger und all die anderen Fastfood-Tempel ernähren einen Großteil der Bewohner, hier und da wird noch zum Tode verurteilt, und die Gallone Benzin liegt weit unter der Fünf-Dollar-Marke. Allerdings sind auch Veränderungen zu spüren – auf den Adern des Landes: Da blubbern nur noch wenige alte Chrom-Schlitten aus den Glanztagen Detroits. XL-Pickups und -SUV sind zwar in der Überzahl, werden aber von immer mehr übersichtlichen Kompaktmodellen umwuselt. Denken die Amis tatsächlich um?

Bei unserer Ankunft beschäftigt das Land nur ein Frage: Wer wird Präsident? Die Aufregung scheint auch die Mannschaft von Chrysler in Michigan, die mittlerweile zum Fiat-Konzern gehört, angesteckt zu haben, denn sie vergessen, dem bestellten Fiat 500 das abgesprochene Outfit zu verpassen: eine wehende US-Flagge als Ganzkarossentattoo.

"Die beste Small-Talk-Nahkampfwaffe überhaupt", meint Jonathan. "Die einen werden euch für das Auto lieben, die andere für die Flagge, angesprochen werdet ihr so oder so." Der junge Amerikaner nimmt uns in Inglewood, Los Angeles für die Wartezeit auf. Hauptberuflich sucht der Immobilienberater gerade einen neuen Job, nebenbei macht er für Obama ehrenamtlich Wahlkampf und ruft via Computerprogramm Menschen in Schlüsselstaaten wie Nevada an, um sie zu ihrer politischen Meinung zu interviewen. Wir dürfen ein Gespräch mithören und sind beeindruckt, wie stark sich beide Seiten engagieren. Das sei völlig normal, versichert Jonathan und fragt, wann denn der beflaggte Italiener nun komme.

Heute Nacht noch, schreibt der Kollege von Chrysler per Mail, es könne aber spät werden. Das macht nichts, antworten wir und gehen auf dem Sunset Boulevard zum Abendessen. Als der Fahrer des Trucks anruft, grummelt er nicht über die zentrale Adresse, sondern verkündet freundlich, kurz vor Mitternacht da zu sein. Das ist er dann auch, unverkennbar: Der XL-Sattelauflieger parkt direkt vor dem Restaurant auf der Mittelspur im fließenden Scheinwerfermeer. Wer den Sunset Boulevard kennt, weiß, dass diese Straße niemals schläft. Bob und Elvis, so stellen sich die beiden Fahrer vor, rauchen trotz der Hektik entspannt und lassen den Zwerg vom Anhänger. Wie sie ihn finden? "Na ja, wir stehen eher auf große Dinge – aber der Aufkleber ist lustig." Sie hupen zum Abschied.

Kleinwagen punkten ab der 5-Dollar-Marke

Da sind wir also, kurz nach Mitternacht mit einem Fiat 500 auf dem Mittelstreifen im Herzen von L.A. Der Roadtrip beginnt. Die ersten beiden Tage sind befremdlich, denn sogar in der abgeklärten kalifornischen Metropole fällt der bunte 500 auf. Von Venice Beach bis Echo Park nicken viele Menschen, recken Daumen nach oben, fotografieren, finden die Flagge cool, das Auto niedlich. Lisa, das Mädchen aus einem Frühstückscafé, schenkt Espresso in Pappbechern aus und will wissen, ob es den kleinen Fiat genau so zu bestellen gibt.

Kuan, ein Drehbuchschreiber fürs Fernsehen, fragt, ob der Motor stark genug für den Highway sei. Ein cooler Opa grüßt aus seinem Hot Rod: "So einen habe ich meiner Enkelin gekauft." Und ein älteres Pärchen ruft aus seinem Mercedes R 350 an der Ampelkreuzung herüber, wie viele Meilen der Wagen mit einer Gallone schaffe. Über die 35 staunen beide und wünschen sich solch Sparsamkeit auch von ihrem Benz.

Das Thema kommt uns bekannt vor. Ein Entwickler von Ford erzählte erst im Juni, welche Macht der Kraftstoffpreis in Amerika hat: Nähert sich die Gallone der Fünf- Dollar-Marke, stehen dicke Schlitten schlagartig wie Blei. Dafür läuft dann das Geschäft mit kompakten und kleinen Autos rund.

Unsere Begegnungen in Kalifornien zeigen, dass auch jetzt gar nicht so wenige Menschen über den Fiat als nächste Neuanschaffung nachdenken, obwohl die Gallone keine 3,50 Dollar kostet. Vielleicht fängt dieses Land ja tatsächlich langsam an umzudenken. Ins Bild passen die vielen Toyota Prius, wir zählen mehr davon als Audi, BMW und Mercedes zusammen.

In Texas fällt der Fiat glatt durch die Hut-Probe

"Das mag in Los Angeles, New York oder Austin so sein", sagt Jennifer mit großen, leuchtenden Augen. Sie lehnt an der Arbeitsplatte ihrer Küche, streichelt ihren Dobermann, reicht Tee und erzählt von Thanksgiving mit ihrer Familie. Sie ist gerade zurück aus West-Texas und noch voller Wut, weil ihre Eltern, Brüder und Nichten so patriotisch und konservativ sind. "Ich würde so ein kleines Auto aus Überzeugung fahren. Die würden es nett finden, aber nicht einen Pickup dafür eintauschen. Niemals." In ihrer Wahlheimatstadt Austin hat sie schon einige 500 gesehen, sie mag es allerdings nicht, wenn die Kistchen pink lackiert als Bunnycars adressiert werden.

Auch unser Thanksgiving war besonders. Jeff, ein Hobby-Rennfahrer, und seine Frau Star, die bildende Künstlerin, samt Familie und Nachbarn hatten auf ihre Pferderanch in der Nähe von Santa Fe, New Mexico geladen. Die Gegend ist der zweitgrößte Umschlagplatz für Kunst jeglicher Art. Entsprechend offen sind die Bewohner. So begegnen sie auch dem 500, den sie zuvor noch nie live gesehen haben. Er kommt ihnen winzig vor, fängt sie aber mit seiner niedlichen Art. Während der leckeren Truthahnspeise plaudern wir über Car-Sharing in deutschen Städten, die verschwenderische Art einiger Amerikaner und die gewaltigen Unterschiede in einem solch großen Land.

Die hat auch der kleine Fiat bemerkt, nach fünf Wochen und fünf Staaten zieht er mit uns eine Zwischenbilanz: In Kalifornien sah er viele Brüder, die Menschen kennen und mögen ihn vor allem wegen seines niedrigen Verbrauchs. Auf der Route 66 durch Arizona kam er sich wie ein kleiner Junge vor, der das Schubfach des verstorbenen Opas öffnet und darin halb vergilbte Fotos von Coupés der Sechziger bestaunt. Nähern kann er sich den Chrom-Kisten aber nur über die Oldies aus dem Radio. Entsprechend deplatziert fühlte er sich auf der wohl bekanntesten Straße der Welt.

In den Nationalparks von Utah trauten sie ihm nicht zu, dass er auch Flüsse durchqueren und ungeteerte Straßen vertragen kann. Das Staunen und Raunen hinterher war groß. Im weiten Texas flog er dagegen mit Pauken und Trompeten durch: Nicht etwa, weil er keine Rinderanhänger ziehen kann. Nein, die Cowboys passten nicht mit Hut hinters Steuer. Doch obwohl die Reaktionen teilweise unterschiedlich ausfallen: Aufgeschlossen und neugierig begegnen sie ihm alle, dem kleinen 500.

Die Route: Von L.A. nach N.Y.
... und zwar nicht auf dem direkten Weg, sondern schön im Zickzack – schließlich soll der bunte Fiat möglichst viele Menschen in verschiedenen Gegenden besuchen. Kleine Straßen und interessante Ziele bestimmen die Reiseroute, etwa der erste McDonalds des Landes, der Geburtsort von Coca Cola, die Ruhestätte von Elvis.

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